Thielke schickt Pointensalve per Einschreiben

Von: Dirk Müller
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Thielke
Einmal Beamter, immer Beamter: Kabarettist Hans-Hermann Thielke begeistert das Publikum mit seinem Leben nach der Post. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Er ist bereit, die Showbühnen im Sturm zu erobern – ob die Welt auch für ihn bereit ist, wird sich zeigen. Ein wenig Wehmut schwang mit, als Hans-Hermann Thielke daran zurückdachte, wie ihm bei der Post gekündigt worden war. „Und das, wo ich die Deutsche Post doch mit aufgebaut habe, damals nach dem Krieg“, echauffierte sich der Kabarettist.

 Im Talbahnhof erzählte er vom Leben nach der Post, das bei der „Aufbaugruppe 50plus“ in der Agentur für Arbeit begann. „Dort singen wir morgens immer erst ein Lied zusammen.“ Statt zu Stempel und Briefmarke griff Thielke zur Gitarre und gab eine Kostprobe seiner Qualitäten als Entertainer.

Spektakuläre Choreografie

Im Lied „Denk positiv“ gibt zum Beispiel der Tankwart den Rat: „Wenn du nur halb voll tankst, hast du die Hälfte schon gespart.“ Thielke jonglierte mit farbigen Tüchern, gab einen Rap-Song zum Besten und zeigte tänzerische Ansätze, die in der spektakulären Choreografie einer vollen Drehung mündeten. Für seinen Siegeszug im Showbusiness hatte er sich neu eingekleidet – mit rubinroter Krawatte unter dem blass-gelben Pullunder. „Damit stehen mir ja wohl alle Türen sperrangelweltweit offen“, meinte Thielke.

Doch so sehr es den humoristischen Biedermann auch ins Showgeschäft zieht, denn „da stimmt auch das Geld. Also hier im Talbahnhof jetzt noch nicht, hier bin ich auf Ein-Euro-Basis“ – den Postbeamten konnte Thielke bei seinem neuen Programm „Jetzt oder nie“ nicht ablegen. Penibel, mit der Genauigkeit des preußischen Beamten beschrieb er seine Erlebnisse und konstruierte auf seine unnachahmliche Art brillant portofreie Pointen, die das Publikum mit Lachern abstempelte.

Thielke lieferte Wortspiele und Weisheiten wie: „Das Großhirn ist größer, als man denkt.“ Letzteres gelte nicht für Politiker im Wahlkampf, wenn sie etwa vorschlagen, „Kindergeld und Rente zusammenzulegen und im Gegenzug alleinerziehenden Senioren das Bafög zu kürzen“. Religiöse Betrachtungen waren Thielke nicht fremd: „Indien ist das einzige Land, in dem ein Iltis nach seinem Ableben die höhere Beamtenlaufbahn einschlagen kann.“ Laute Lacher erntete er auch für die Anekdote, in der sich ein Marder im Motorraum seines Autos breit gemacht hat. Per einstweiliger Verfügung hatte der Tierschutzverein erreicht, dass sein Kfz ein Naturschutzgebiet ist. Thielke sieht eine juristische Chance, sein Auto bald wieder benutzen zu dürfen: Er will eine Räumungsklage gegen den Marder anstreben und auf Eigenbedarf plädieren.

Köstlich tat Thielke im Talbahnhof kund, wie er sich für seinen Nachbarn „freut“, dass dieser – obwohl gerade erst geschieden – jetzt einen silbernen Mittelklasse-Neuwagen fährt. Tosender Applaus brandete auf, als der Kabarettist sich hineinsteigerte in seine „Freude“, die fließend zu Neid und am Ende fast zu Hass wurde, den Thielke temperamentvoll per Einschreiben mit Lachern als Rückantwort absandte.

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