Thaiboxer Baktash Saidi: Mit einem Kick ins Gesicht fing alles an

Von: Sonja Essers
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Seit drei Jahren betreibt Baktash Saidi eine Kampfschule im City-Center. Im November will er bei der Weltmeisterschaft kämpfen.

Eschweiler. Ein typischer Tag im Leben von Baktash Saidi sieht wie folgt aus: Drei Mal täglich trainiert er bis zu anderthalb Stunden. Kondition, Kraft und Kämpfen stehen auf seinem Programm. In den vergangenen Wochen hat er so bereits knapp sieben Kilo abgespeckt.

„Wenn ich mal einen Tag nicht trainiere, dann fühle ich mich schlecht und versuche am nächsten Tag doppelt so hart zu arbeiten“, sagt er. Baktash Saidi ist Thai-Boxer. Der 27-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht und will im November auf der Erfolgsleiter einen weiteren Schritt nach oben klettern: Dann will er sich den Weltmeistertitel erkämpfen.

Bevor es jedoch soweit ist, steht für den amtierenden Europameister im kommenden Monat ein Kampf in Leverkusen auf dem Programm. Darauf bereitet er sich momentan akribisch vor. Ein Tag ohne Training sei derzeit einfach nicht drin, meint er.

92 Kämpfe in der Amateur- und Profiliga liegen bereits hinter dem 27-Jährigen, der 1992 mit seiner Familie aus Afghanistan flüchtete und sich in Düren niederließ. Erst drei Mal wurde Saidi von seinen Gegnern besiegt. Besonders stolz ist Saidi auf seine Kämpfe, die in Thailand stattfanden. Sogar Thailänder habe er besiegen können und darauf sei er sehr stolz, sagt er. Eine Niederlage will er auch bei seinem bevorstehenden Kampf im Juni auf keinen Fall kassieren.

Doch wie wurde aus Baktash Saidi der afghanische Tiger? So lautet nämlich sein Spitzname. Sportbegeistert war Saidi bereits als kleiner Junge. „Ich war total verrückt nach Jackie Chan und Bruce Lee“, erinnert sich der Vater eines dreijährigen Sohnes und beginnt zu lachen. In Deutschland meldete ihn sein Vater dann beim Ju-Jutsu-Training an. Bis zum grünen Gurt übte Saidi die Sportart aus. „Irgendwann war mir das aber nicht mehr genug und ich musste eine Steigerung haben“, erinnert sich der 27-Jährige.

Doch Saidi blieb weiter am Ball. Schließlich hat Aufgeben keinen Platz in seinem Leben. Zwischenzeitlich spielte er parallel zum Ju-Jutsu auch noch Fußball und Tischtennis und war als Schiedsrichter tätig. Bis er mit 14 Jahren das Kick- und Thaiboxen für sich entdeckte. An sein erstes Training in Düren-Lendersdorf erinnert er sich auch heute noch genau. „Ich habe damals von jemandem einen harten Kick ins Gesicht bekommen. Aber mir hat es trotzdem sehr gut gefallen. Wer weiß, was dieser Kick in mir ausgelöst hat“, sagt er und beginnt zu lachen.

Saidi entschied sich dazu seine anderen Hobbys an den Nagel zu hängen und sich voll und ganz auf das Kick- und Thaiboxen zu konzentrieren. „Ich habe teilweise nachts sogar von den Techniken geträumt“, sagt er. Nach der Schule schloss Saidi eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann ab, arbeitete in einem Telekommunikationsladen. Mit 18 Jahren traf er jedoch die Entscheidung, sich mit einer Kampfschule selbstständig zu machen.

Seine erste Schule eröffnete er 2006 in Düren-Lendersdorf, eine zweite in Düren folgte. 2008 trainierte Saidi rund 250 Schüler. Auch seine eigene Sportkarriere ging steil bergauf. Seine Amateurlaufbahn neigte sich gen Ende, Saidi wurde Profi. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Saidi und ein stolzer Unterton schwingt bei diesen Worten in seiner Stimme mit.

Seine beiden Studios in Düren übergab er in die Hände seiner Eltern. „Ich wollte etwas neues sehen“, sagt er und fügt hinzu: „Meine Frau und ich sind eines Tages von Aachen nach Düren gefahren und haben uns in Eschweiler umgesehen. Es ist eine kleine und süße Stadt.“ Zuhause angekommen recherchierte Saidi, der momentan noch in Düren wohnt, bald jedoch mit seiner Familie nach Eschweiler ziehen möchte, nach Kampfschulen in der Indestadt. Fündig wurde er allerdings nicht. Fast drei Jahre liegt die Eröffnung seiner Kampfschule im City-Center nun zurück. Dort trainiert er bis zu 40 Kinder ab vier Jahre. Auch Kurse für Erwachsene bietet er an.

Egal ob Klein oder Groß: Beim Training legt der amtierende Europameister vor allem auf drei Dinge wert: Disziplin, Toleranz und Respekt. Ein weiteres Ziel: den Kindern Selbstvertrauen schenken. Dies sei besonders in Zeiten von Mobbing wichtig, meint Saidi. Trainiert wird auf spielerische Weise. „Stupides Trainieren ist nicht so mein Ding“, sagt der 27-Jährige, der sich besonders darüber freut, wenn er von Eltern eine positive Rückmeldung bekommt.

Jedoch weiß er auch, dass Kampfsport in der Gesellschaft kein hohes Ansehen genießt. „Kampfsport ist an sich nichts schlechtes, ganz im Gegenteil. Kampfsportler sind sehr disziplinierte Menschen, die ihre Waffen nur im Ring anwenden“, sagt er und fügt hinzu: „Ich möchte, dass die Leute verstehen, dass das eine gute Sache sein kann, wenn man den richtigen Trainer hat.“

Dem amtierenden Europameister macht die Arbeit mit Kindern Spaß. „Als Trainer ist man immer Ersatzelternteil, Vertrauensperson und Freund“, sagt Saidi. Momentan arbeitet er an einem Projekt, das den Eschweiler Schulen zu Gute kommen soll. Gemeinsam mit seinem Team, bestehend aus Physiotherapeut und Trainer, möchte er die Schulen in der Indestadt kostenlos besuchen. Im Sportunterricht sollen dann nicht nur Grundlagen der gesunden Ernährung, sondern auch Selbstverteidigung sowie ein Schautraining des amtierenden Europameisters auf dem Programm stehen. In den kommenden Wochen will Saidi dem Schulamt eine entsprechende Ausarbeitung vorlegen.

Für ihn hat soziales Engagement einen hohen Stellenwert. Bereits zwölf Veranstaltungen plante er in den vergangenen Jahren. Der Erlös ging jedes Mal an eine karikative Einrichtung. „Wir lieben und leben den Sport“, sagt Saidi, zu dessen Vorbildern Mike Tyson zählt.

Falls er die Weltmeisterschaft im Thaiboxen gewinnen sollte, hätte er alle drei Titel, die des Deutschen Meisters, Europa- und Weltmeisters, inne. Dafür will der afghanische Tiger kämpfen. „Man hat nur Erfolg, wenn man zu 100 Prozent hinter einer Sache steht. Man muss Tag und Nacht für diese Sache da sein, sonst klappt es nicht“, sagt er und beginnt nur wenige Minuten später erneut mit dem Training.

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