Teilnehmer des Integrationskurses machen große Fortschritte

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
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Sind auf einem guten Weg: Jasmin und Nico haben ihre erste Prüfung im Rahmen des Integrationskurses mit „Sehr gut“ bestanden. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Dozentin Olga Busse schaut bei Nico meistens nur noch flüchtig hin. „Das hast Du richtig, oder?“, fragt sie und gibt sich nur Sekunden später selbst die Antwort: „Ja!“ Wenn Nico Sätze in Deutsch bildet, klingt das inzwischen sehr flüssig. Selbst bei komplizierten Komparativen, der Vergleichsform, unterlaufen ihm wenige Fehler.

„In Rumänien ist es genauso kalt wie in Deutschland.“ Richtig, Eins, setzen! Seine Sitznachbarin Jasmin schnitt bei der ersten Prüfung ähnlich gut ab wie Nico. Die junge Frau aus Syrien, die erst seit rund einem halben Jahr wieder in Deutschland lebt, hat große Fortschritte gemacht. Den ersten Besuch im Integrationskurs statteten wir vor zwei Monaten ab. Schon jetzt ist klar: Das Duo ist auf einem guten Weg.

Ohne Kopftuch im Unterricht

Nach den sechswöchigen Ferien hat der Kurs am Montag wieder begonnen. „Einige haben doch vieles vergessen“, sagt Olga Busse, lacht und schaut bei einigen Schülern etwas genauer hin. Aber mal ehrlich: Komparativ, Superlativ & Co. – damit haben nicht nur Migranten ihre Schwierigkeiten. Oder die Vergleiche mit als oder wie. Gerade in der Indestadt, in der einige gerne auch mal beides in einem Satz verwenden. Umso erstaunlicher, wie die meisten Schüler die Aufgaben meistern.

Jasmin hat dafür in den Ferien einiges getan. Mittlerweile sitzt sie ohne Kopftuch im Unterricht. In den Ferien hat sie in einem Schnellrestaurant an der Kasse gearbeitet. „Dabei habe ich viel gelernt“, sagt sie. Und auch am Wochenende hat sie zu Hause fleißig weiter gepaukt. „Ich träume mittlerweile auch in Deutsch“, erzählt Jasmin. Ein Zeichen dafür, dass sie sich in Deutschland wohl fühlt. In Eschweiler lebt sie bei ihren Eltern. Ihr Vater wohnt schon seit Jahren an der Grabenstraße und betreibt ein Unternehmen für Im- und Export.

Natürlich beschäftigt sich die junge Syrerin mit der Situation in der Heimat. „Den Menschen dort geht es sehr schlecht. Viele haben kein Essen und nichts zu trinken“, erzählt sie von Botschaften, die sie von Freunden und Verwandten ab und zu bekommt. Auch Internet ist in Syrien derzeit nicht ständig verfügbar. Für Jasmin ist klar: „Die Leute dort wollen Assad nicht.“ Und die Menschen in Syrien bekommen mit, wie die Weltgemeinschaft auf das Land schaut. Die junge Frau blickt ernst und nachdenklich, während sie davon berichtet.

Nico plagen ganz andere Sorgen. Die Ferien seien „langweilig“ gewesen. Der Familienvater ist auf der Suche nach Arbeit. Was er machen möchte? „Egal was, aber ich möchte arbeiten“, sagt er. Dass er noch nicht gut genug Deutsch spricht, sieht er als Grund dafür, dass die Jobsuche für ihn bisher nicht erfolgreich war. Dabei strengt er sich an, sein Deutsch ständig zu verbessern. Bei Rhenania Eschweiler spielt er Fußball – im Moment zwingt ihn eine Knieverletzung zur Pause. Seine dreijährige Tochter besucht den Kindergarten St. Barbara in Pumpe-Stich. Welche Sprache er mit seiner Tochter spricht? „Deutsch und Rumänisch. Beides. Manchmal mischen wir die Sprachen in einem Satz“, erzählt er.

Aber zurück zum Unterricht. Vier Mal pro Woche heißt es ab jetzt wieder: Lernhefte raus und die Schulbank im Klassenraum der Realschule Patternhof drücken. Eine Prüfung haben die Teilnehmer dieses Integrationskurses bereits hinter sich. Wer Jasmin und Nico auf das Ergebnis anspricht, erntet ein breites Grinsen und kann sich das Ergebnis schon fast denken: Mit einem „Sehr gut“ haben die beiden die Prüfung abgeschlossen. Nico ergatterte 93 von 100 möglichen Punkten, Jasmin verbuchte 91 Punkte. In der Gruppe hat nicht jeder bestanden, die Leistungsstände sind unterschiedlich. Aber alle sind engagiert. Menschen aus Polen, Portugal, Russland, Rumänien, Türkei und Syrien helfen sich gegenseitig.

So ganz nebenbei wird nicht nur die Sprache vermittelt. So lautet eine Frage auch, die Städte Stuttgart, Bremen und Berlin der Größe nach zu sortieren. In der Sendung „Wer wird Millionär?“ wäre dafür schon mindestens ein Tausender fällig. Klar, Berlin ist die größte Stadt. Aber Stuttgart hat nur etwa 30000 Einwohner mehr als Bremen. Die Teilnehmer des Integrationskurses liegen dennoch richtig. Dass die deutsche Sprache ihre Tücken hat, erkennt man im Kurs immer wieder. Kann man „krank“ nun steigern oder nicht? Jemand ist gar „kränker“? Nein, das geht im Deutschen eben nicht, aber in anderen Sprachen schon.

Olga Busse kennt diese Schwierigkeiten und Probleme aus eigenen Erfahrungen, lebt sie doch selbst erst seit wenigen Jahren in Deutschland. Seit 2008 unterrichtet sie Integrationskurse der VHS Eschweiler. Sie weiß, dass sich vor allem ältere Kursteilnehmer schwer tun, selbst wenn sie schon seit Jahren in Deutschland leben: „Ihnen muss ich mich dann mehr zuwenden“, zeigt sie wie die anderen in der Gruppe Verständnis. Dennoch bleibt es dabei, dass im Unterricht alles in Deutsch erläutert wird. Im Zweifelsfall wird ein Blick ins Wörterbuch geworfen.

Am 2. Dezember steht für Jasmin, Nico und ihre Mitschüler die A2-Prüfung an. Gegen ein „Sehr gut“ hätten die Syrerin und der Rumäne sicherlich nichts einzuwenden.

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