Eschweiler - Taschen-Tüten-Tausch: Plastik ade, her mit dem Stoff

Taschen-Tüten-Tausch: Plastik ade, her mit dem Stoff

Von: Laura Laermann
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Die Abfallberaterinnen Helga Giernich (links) und Heike Stiller setzen sich gegen den Gebrauch von Plastiktüten ein. Zum Tausch bieten sie die grüne Alternative an: eine Mehrwegtasche. Foto: Laura Laermann

Eschweiler. Schon wieder den Stoffbeutel vergessen. Der Einkauf in die Handtasche? Kein Platz! Tragen? Zu umständlich! Dann muss wieder eine neue Plastiktüte her. Welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat, konnte man beim Taschen-Tüten-Tausch-Tag in der Innenstadt erfahren.

Im Rahmen der europäischen Woche der Abfallvermeidung bot die Awa-Entsorgung-GmbH Passanten in neun Städten der Region und im Kreis Düren die Möglichkeit, ihre Einkaufstüten aus Plastik gegen einen Stoffbeutel aus Naturfaser zu tauschen.

Die Idee eines wiederverwendbaren Mehrwegbeutels ist ganz simpel: Eine Tüte, die nicht hergestellt werden muss, spart Material und Energie ein. Eine Mehrwegtasche kann mehrere Hundert Male genutzt werden und ersetzt ebenso viele Plastiktüten. „Viele Leute rechnen nicht hoch“, erklärt Helga Giernich, Abfallberaterin bei der Awa in Eschweiler. „Eine Plastiktüte ist im direkten Preisvergleich günstiger als eine Mehrwegtasche. Dabei landet die Plastiktüte meistens direkt im Müll und wird im Gegensatz zur etwas teureren Mehrwegtasche nur einmal verwendet.“

Insgesamt wurden in Eschweiler circa 70 Stoffbeutel herausgegeben und 240 Plastiktüten eingesammelt. Im Vergleich zu anderen Städten der Region war das eher wenig: „In Eschweiler benutzen schon sehr viele Leute eine Mehrwegtasche, vor allem ältere Menschen achten darauf“, weiß Giernich. Dennoch zeigen Reaktionen, wie „Nein, ich möchte meine Tüte nicht eintauschen, dafür habe ich gerade 20 Cent bezahlt“, dass das Problem „Zu viel Plastik“ noch nicht im Bewusstsein der gesamten Gesellschaft angekommen ist. „Wir wollen mit dieser Aktion einen Denkanstoß geben“, betonen die Beraterinnen der Awa.

Und der ist dringend nötig: Der Plastikmüll in Eschweiler steigt jedes Jahr um einige hundert Kilo. 2013 waren es noch 2,3 Tonnen Plastikmüll, während 2015 schon 2,47 Tonnen Plastik weggeworfen wurden. Dabei sollte man bedenken, dass es sich um Leichtstoffe handelt, so dass ein Kilo schon rund 35 Liter sind. In Eschweiler wirft eine Person pro Jahr 44,5 Kilogramm Plastik in den Müll. Damit liegt die Stadt auf Platz zwölf im Mittelfeld im Vergleich zu 25 Städten der Städteregion Aachen und des Kreis Düren.

Plastiktüten machen nur einen Teil des gesamten Leichtstoffmülls aus. Dennoch hat der Bürger hier die Chance, etwas zu verändern: „Wenn man im Supermarkt einkaufen geht, bleibt einem häufig nichts anderes übrig, als abgepackte Lebensmittel zu kaufen. Doch die Plastiktüte kann jeder verweigern und stattdessen mit der Mehrweg-Tasche einkaufen gehen“, erklärt die Abfallberaterin Heike Stiller von der Awa-Entsorgung-GmbH in Eschweiler.

Auf einer Skala der Deutschen Umwelthilfe, die nach Umweltfreundlichkeit bewertet wird, stehen die Einweg-Tüten aus biologisch-abbaubaren Kunstoffen ganz unten, da sie in der Regel aufwendig aus Nutzpflanzen hergestellt und weder recycelt, noch kompostiert werden. Nur wenig besser sind Einweg-Tüten aus recyceltem Material.

Viele Geschäfte machen einen ersten Schritt und verlangen 20 Cent für eine Tüte. Diese freiwillige Selbstverpflichtung des Handels ist gesetzlich nicht festgelegt ist, wird aber von einer EU-Richtlinie angetrieben: Der Plastiktütenverbrauch in den EU-Ländern soll bis 2025 auf maximal 40 Tüten pro Kopf und Jahr reduziert werden. Dieses Ziel kann vor allem mit Mehrweg-Taschen erreicht werden, die ganz oben auf der Skala der Deutsche Umwelthilfe stehen. „Ein Baumwollbeutel muss rund 20 mal verwendet werden, bis er ökologisch gleichwertig zu einer Einweg-Plastiktüte ist“, erklärt Stiller. „Bei der Berechnung werden Material, Wassereinsatz, Energie und Gewicht berücksichtigt.“

Das heißt, ein Stoffbeutel ist zwar in der Produktion erst mal umweltunfreundlicher als eine Plastiktüte, doch wenn er oft genug eingesetzt wird, kann er deutlich vorteilhafter sein. Am besten schneiden daher Mehrwegtaschen aus recyceltem Kunststoff ab. Da nur wenige Ressourcen bei ihrer Produktion verwendet werden, kann sie bereits nach drei Nutzungen umweltfreundlicher als eine Einwegtüte sein. Dennoch hatte Heike Stiller Bedenken und hat sich für den Taschen-Tüten-Tausch für die Stoffvariante entschieden: „Man sollte beachten, wo und von wem die Taschen hergestellt werden. Wenn der Transport hohe CO2-Austöße verursacht, ist die Umweltfreundlichkeit wieder dahin.“

Dies konnte mit der Wahl des Stoffbeutels vermieden werden. Das angebrachte Fairtrade-Siegel garantiert zudem eine Produktion unter menschenwürdigen Bedingungen. „Ein weiterer Vorteil ist, dass die Beutel kompostierbar sind, wenn sie in den Abfallkreislauf gelangen“, weiß die Abfallberaterin. „Das heißt, das Material kann recycelt werden und verschwindet nicht einfach wie bei einer Einweg-Tüte aus Plastik.“

In neun Städten der Region und im Kreis Düren hatten die Bürger die Chance, ihre Plastiktüten einzutauschen. Die Bilanz: Insgesamt 5000 Plastiktüten konnten gegen 1000 Stoffbeute eingetauscht werden. Und was passiert mit gesammelten Tüten? Heike Stiller: „Wir führen sie wieder dem Recycling zu.“

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