Tanzende Trolle holen Highlands an die Inde

Von: jope
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Neue Akustik-Musik mit keltisch-skandinavischen Wurzeln: Kerstin Blodig und Ian Melrose beim Auftritt im Talbahnhof. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. An einem tristen Eschweiler Novemberabend an die Fröhlichkeit lichterfüllter nordischer Mittsommer-Feiern zu denken, ist eher abwegig. Dennoch wären solche Gedanken zum Vertreiben aufkommender Herbst-Melancholie nicht das Schlechteste.

Das dachte sich wohl auch die Sängerin Kerstin Blodig, die im Talbahnhof mit viel Temperament die Mystik solcher Feste ebenso aufleben ließ wie einen Tanz der Trolle und Elfen.

Diese Gestalten der nordischen Sagenwelt treiben ihr wildes (Un-) Wesen auf den unwirtlichen Färöer-Inseln (Schafsinseln) immer in der Nacht nach einem Freitag, dem 13. - und wenn zudem Vollmond herrscht.

Die Lockrufe der mythischen Wesen untermalte Kerstins Duo-Partner Ian Melrose mit dem nicht weniger geheimnisvollem Klang seiner drei Flöten: der kleinen „Tinwhistle” (Zinnflöte), der Weidenholz-Flöte und der „Bariton-Whistle” - letztere in Form und Klang so etwas wie eine Kreuzung von kleiner Zinnflöte und alphornartigem Didgeridoo.

Kerstin Blodig und Ian Melrose sind zusammen das Duo „Kelpie”, benannt nach einem Dämon der schottischen Sage und in sprachlicher Anlehnung an die Kelten-Musik. Diese verbindet sich bei den Sängern und (vornehmlich Gitarren-)Musikern zusammen mit skandinavischen Melodien zu einer eigentümlichen Art der Weltmusik.

Ja: Das war originell, faszinierend, die Zuhörer des „Saitensprünge”-Konzertes im gutgefüllten Talbahnhof in den Bann ziehend. Eine Eigentümlichkeit der norwegischen Musik ist eine Form von „gesungener Tanzmusik”. Das heißt: Da, wo bei einem Fest keine Instrumente herzubekommen sind, übernehmen Singstimmen diesen Part. Und Kerstin Blodig, die schon in ihrer Kindheit traurig war, „nur eine Stimme zu haben”, machte dies prächtig ganz alleine.

Das „Kelpie”-Duo unternahm einen mal heimeligen, mal auch etwas gruseligen musikalischen Streifzug durch die schottische und skandinavische Mythenwelt, wobei vor allem die Ballade von der großen Krähe beeindruckte. Nach alter Sage erlegt ein Förster in der strengen Winterzeit diesen Riesenvogel, den es früher in Schweden wohl so gegeben haben soll, und präpariert ihn für verschiedene schöne Dinge zum Weihnachtsfest.

Und als wäre es der schönen Hörerlebnisse noch nicht genug, warteten das Duo und die Macher der „Saitenspünge”-Konzertreihe auch noch mit einem gern gesehenen Überraschungsgast auf: Jazz-Akkordionist Manfred Leuchter, Garant für Weltmusik vom Feinsten. Zwar hieß ein mit Ian Melrose gemeinsam angestimmtes Stück „Fingerpickers have more fun”, doch gleiches gilt für einen Akkordeonisten der Sonderklasse.

Erinnerungen kamen auf an das gemeinsame Konzert der beiden in der „Saitensprünge”-Reihe 2008 an gleicher Stelle. Manfred Leuchter, der ja auch schon Gast der Eschweiler Jazz-Clubs war, ist übrigens mit seinem neuen Solo-Programm am 3. Dezember in der Aachener Theresienkirche (Pontstraße) zu hören. Einen Termin, den man nach den gehörten Kostproben im Talbahnhof nur empfehlen kann.
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