Tanz, Musik und Halligalli sind an Ostern tabu

Von: Sonja Essers
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Jubel, Trubel, Heiterkeit: An stillen Feiertagen wie dem Karfreitag sind Musik- und Tanzveranstaltungen verboten. Laut einer Umfrage finden das 52 Prozent der Befragten gut. Foto: Patrick Pleul/Maurizio Gambarini
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Auch in der Kirche wird es an den Osterfeiertagen immer voller. Das weiß Pfarrer Hannokarl Weishaupt zu berichten. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Ist Ostern das neue Weihnachten? Glaubt man den aktuellen Zahlen der deutschen Süßwarenindustrie, haben Schokohasen die Nase weit vorne. In diesem Jahr haben die deutschen Hersteller hierzulande rund 107 Millionen Exemplare ausgeliefert. Im Dezember waren es „nur“ 96 Millionen Nikoläuse. Auch Pfarrer Hannokarl Weishaupt kann bestätigen, dass das Osterfest immer beliebter wird.

 „Es entwickelt sich immer mehr dazu, dass Familien an diesen Tagen wieder zusammenkommen.“ Doch die Ruhe rund um den Tod und die Auferstehung Jesu Christi gefällt nicht jedem. Immer wieder versuchen Initiativen in ganz Deutschland die bestehenden Regeln rund um die stillen Feiertage, zu denen auch der Karfreitag gehört zu kippen. Hannokarl Weishaupt kann dem nichts abgewinnen.

Für ihn steht fest: „Ostern ist eines der schönsten Feste des ganzen Jahres.“ Und das, obwohl er und seine Kollegen in diesen Tagen allerhand zu tun haben.

Weishaupt leitet die Pfarrgemeinde Heilig Geist, zu der fünf Eschweiler Gemeinden gehören. Zwischen Palmsonntag und Ostermontag finden 18 Veranstaltungen statt, die Weishaupt und seine Kollegen Pfarrer Marian Janke und Pfarrer Guido Mönchhalfen begleiten. „Es gibt einiges zu tun, aber Stress ist das für mich nicht, sondern ein schönes Gefühlt“, sagt Weishaupt.

Für ihn als Priester sei die Kar- und Osterwoche eine besonders geistliche Zeit, in der die Liturgie und Messfeiern sehr dicht beieinander lägen. „Für die Mitglieder der Gemeinde und für mich ist es ein geistliches Mitgehen durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Das beginnt mit dem Abendmahl und der Kreuzigung bis hin zur Auferstehung“, sagt Weishaupt.

Und wie sieht es mit den Besucherzahlen während der Ostertage aus? „Generell geht die Zahl der Besucher immer weiter zurück, an Ostern ist das aber nicht so“, sagt Weishaupt und nennt die Gottesdienste am Palmsonntag als Beispiele. „Wir hatten drei Gottesdienste und alle waren voll oder sogar proppenvoll und auch die Ostertage waren in den vergangenen Jahren sehr gut besucht.

Darüber freut man sich sehr“, sagt er. Während am Karsamstag und Ostersonntag jeweils vier Messen gefeiert werden, konzentriere man sich am Gründonnerstag auf einen Gottesdienst. „Schließlich ist dieser Tag ein ganz normaler Arbeitstag“, sagt Weishaupt.

Vor den Feiertagen stehen für Weishaupt noch etliche Krankenbesuche an. „Das mache ich regelmäßig, aber vor Ostern möchte ich die Kranken in unserer Gemeinde noch einmal sehen“, sagt er. Hinzu komme die Arbeit an den Predigten. „Die bereite ich unmittelbar vor den Gottesdiensten vor. Man sollte ja immer auf das aktuelle Zeitgeschehen eingehen“, sagt er.

Doch zurück zu den stillen Feiertagen. Jahr für Jahr kommt die Frage auf, ob die nicht aufgehoben werden sollten. Schließlich sind an diesen Tagen nicht nur Rasenmähen und die Autowäsche tabu. Märkte, Feste, Sport-, Musik- und Tanzveranstaltungen sind im öffentlichen Raum und in den eigenen vier Wänden verboten.

Unter das gesetzliche Verbot fallen allerdings nicht Kunstausstellungen oder Zoo- öffnungen und auch Saunen, Fitness- und Bräunungsstudios dürfen geöffnet werden. Die dienen im Rahmen der Freizeitgestaltung der Erholung, heißt es im nordrhein-westfälischen Feiertagsgesetz.

Das Eschweiler Ordnungsamt wird deshalb auch in diesem Jahr wieder kontrollieren, wie der stellvertretende Leiter der Dienststelle, Michael Effenberg, berichtet. Zu Verstößen sei es in den vergangenen Jahren nie gekommen. „Spielhallen müssen geschlossen sein und Gaststätten dürfen aufhaben, aber keine Musik spielen. Es konnte nie ein Verstoß festgestellt werden.

Da sind die Eschweiler Gewerbetreibenden sehr vorbildlich“, sagt Effenberg. Dieses Verhalten passt zu einer Umfrage, deren Ergebnis das Meinungsforschungsinstitut YouGove nun bekanntgab. Mehr als die Hälfte der Deutschen findet das Musik- und Tanzverbot nämlich gut,.

Auch bei Pfarrer Hannokarl Weishaupt gingen diesbezüglich noch keine Beschwerden ein. „Man sollte sich bewusst machen, was an diesem Tag passiert ist. Es ist der Todestag von Jesu Christi. Da kann man nicht einfach zu Halligalli übergehen“, sagt er. In den benachbarten Niederlanden sieht das anders aus. Karfreitag ist dort kein Feiertag.

Während sich die Christen am Abend treffen, um Gottesdienst zu halten, kann in Bars und Clubs getanzt werden. Weishaupt steht dieser Entwicklung kritisch gegenüber. „Die Gesellschaft muss sich darüber im Klaren werden, was sie will. Wenn die kirchlichen Feiertage nicht gewollt sind, bedeutet das auch, dass mehr gearbeitet werden muss.“

Für Weishaupt steht am heutigen Dienstag ein „geistlicher Höhepunkt“ auf dem Programm. Im Aachener Dom feiert Bischof Dr. Helmut Dieser mit den Diakonen und Pfarrern aus der Region die sogenannte Krisammesse. In dieser werden die Heiligen Öle, die für die Taufe, Firmung und Krankensalbung genutzt werden, vom Bischof geweiht. „Das ist ein besonderes Ereignis, auf das ich mich n sehr freue. An diesem Tag kann man sich auch mit Kollegen austauschen“, sagt Weishaupt.

Für ihn steht der letzte Gottesdienst am Ostermontag um 10 Uhr auf dem Programm. Nach der Gemeinschaftsmesse in St. Barbara Pumpe-Stich mit allen Gemeinden, inklusive Lichterprozession der Kommunionkinder und anschließendem Osterfrühstück im Pfarrheim an der Friedrichstraße, wird auch er mit seiner Familie das Osterfest feiern.

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