Talbahnhof: Seit 20 Jahren Station für Künstler und Kenner

Von: Patrick Nowicki
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Geburtstagsberliner zum Zwanzigsten: Peter Adrian und Walter Danz (rechts). Foto: Nowicki
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Auch bekannte Musiker greifen im Kulturzentrum zum Instrument: Klaus „Major“ Heuser und Angelo Kelly (rechts). Foto: Veranstalter/stock (1)

Eschweiler. Wenn Kulturwirt Walter Danz auf seinen Terminkalender blickt, dann huscht ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht. In diesem Jahr findet man kaum noch eine Lücke im Veranstaltungsplan. Kein Zweifel, was vor 20 Jahren von vielen skeptisch beäugt wurde, ist längst zum Selbstläufer geworden.

Das Kulturzentrum Talbahnhof ist zu einer beliebten Adresse auch für zahlreiche Künstler geworden. Das war alles andere als ein Selbstläufer. „Es ist sicher Menschen wie Albert Wegmann und Jochen Frankowski zu verdanken, dass wir hier Kultur anbieten können“, erinnert Danz an den damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden und den damaligen Kämmerer der Stadt. Sie setzten den Zug nämlich auch gegen Widerstände aufs Gleis. Jetzt steht er unter Volldampf. Selbst im Frühjahr des nächsten Jahres sind kaum noch Termine frei.

 

Die Namen der Künstler, die in Eschweiler auftraten, haben einen guten Klang: Dieter Nuhr, Thomas Freitag, Gaby Köster, Erwin Grosche, Kalle Pohl – ja selbst Thrash-Komiker Kaya Yanar kam einmal nach Eschweiler, allerdings betrat er die Bühne der Weisweiler Festhalle. Veranstalter war stets die Kleinkunstinitiative Euregio, also Walter Danz und sein damaliger Partner Stéfan Horn. Die beiden ausgebildeten Schauspieler hatten die Idee, ein Haus für Kleinkunst und Kabarett zu betreiben.

Dass eine Idee einen solchen Erfolgsweg einschlägt, bedarf vieler Helfer. Entscheidend beteiligt ist der Förderverein des Talbahnhofs, dessen Vorsitzender Peter Adrian mit einem Schmunzeln an den Start denkt: „Es war erst ein fixer Gedanke an der Theke. Als sich nach unserer Gründung sofort 40 Menschen meldeten, die Mitglied werden wollten, da spürte ich, dass Kultur in Eschweiler möglich ist.“

Zwei Jahre nach dem Start des Kulturzentrums nahm der Förderverein seine Arbeit auf. Inzwischen unterstützt er das Programm jährlich mit einem „kleinen fünfstelligen“ Betrag. Finanziert wird diese Summe größtenteils durch die Beiträge der 300 Mitglieder. „Wir stopfen die Lücken, wenn man so will“, sagt Peter Adrian. Jetzt ist der Verein 18 Jahre als, „also volljährig“.

Nicht jede Veranstaltung lockt Hunderte an. Manchmal sind es 20 Besucher. Dies sagt aber selten etwas über die Qualität der Künstler aus, vielmehr über ihren Bekanntheitsgrad. „Beim ersten Mal kommen 20, aber beim zweiten Mal sind es dann schon 100“, berichtet Walter Danz. Dieter Nuhr trat dort in den 90er Jahren ebenso wie Gaby Köster und Kalle Pohl vor einer sehr überschaubaren Zahl Zuschauer auf.

Nuhr, der heute große Hallen in der gesamten Republik füllt, ist auch Mitglied des Fördervereins. Ein Zeichen dafür, dass sich die Auftretenden im Talbahnhof wohlfühlen. Danz geht sogar noch weiter: „Es sind Freundschaften entstanden.“ Einmal im Jahr zeigt sich das beim Herbstfest des Fördervereins, wenn viele bekannte Künstler kostenlos auftreten, um damit das Kulturzentrum zu unterstützen.

Die Katze im Sack kauft Danz übrigens nie. Seit Jahren fährt er zum Festival nach Freiburg, wo er sich den kabarettistischen Nachwuchs anschaut. „Inzwischen hat der Name Talbahnhof einen Klang, da ist vieles leichter geworden“, sagt er. Aber auch diese Geburt war von Wehen begleitet. Niemand wusste, ob das Projekt funktioniert.

Die Unsicherheit spiegelte sich auch darin wider, dass Danz und Horn das Programm in den Anfängen der Politik vorstellen sollten. Davon ist heute keine Rede mehr: Jeder in Eschweiler weiß inzwischen, welch erstklassige Adresse für Kleinkunst der Talbahnhof ist.

Zum 20. Geburtstag wollen Danz und Adrian weitere Höhepunkte setzen. Allerdings kann nicht mehr jede Veranstaltung im Talbahnhof stattfinden. Konstantin Wecker tritt im März in der Weisweiler Festhalle auf, sein Freund Hannes Wader zwei Wochen später in der Aula der Realschule Patternhof. „Solche Veranstaltungen sind für das Kulturzentrum wichtig“, erläutert Danz. Deren hohe Zuschauerzahlen ermöglichen es dem Kulturwirt und dem Förderverein, auch jungen Künstlern ein Sprungbrett zu bieten. Selbst wenn nur 20 Leute den Vortrag hören wollen.

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