Eschweiler - Talbahnhof: Fahrkarte in bessere Zukunft

Talbahnhof: Fahrkarte in bessere Zukunft

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Im Fokus: das Denkmal Talbahnhof und Werke von heimischen Künstlern wie Theodor Heidbüchel (Bild-Collage).

Eschweiler. „Reisen war damals noch etwas anderes als heute. Man reiste des Reisens willen”, blickte Dr. Lutz-Henning Meyer fast ein wenig wehmütig auf die gute alte Zeit der Eisenbahn zurück.

Dort, wo sich nach Worten des langjährigen Mitarbeiters des Landeskonservators der frühere „Lustteil des Talbahnhofs” befand, sprach Meyer am Sonntagvormittag über die wechselvolle Geschichte des Gebäudes. Der „Tag des des offenen Denkmals” lockte unter dem diesjährigen Thema des bundesweit stattfindenden Aktiontages „Historische Orte des Genusses” (siehe Box) zahlreiche Besucher in das Kulturzentrum.

In seiner Eröffnungsrede erinnerte Bürgermeister Rudi Bertram an die schwierigen politischen Entscheidungsprozesse Anfang der 90er Jahre, um den schmucken Bau im Stil des Spätklassizismus, nachdem er 1983 durch die Stilllegung der Tal-Strecke für den öffentlichen Verkehr seine ordinäre Bestimmung verloren hatte, eine neue Zukunft zu geben.

Heute, knapp 20 Jahre später, weiß der Verwaltungschef, dass es damals die richtige Entscheidung war, das alte Stationsgebäude zu erhalten und zu sanieren. „Mir ist es eine wahre Freude, dass wir heute hier zusammen sind”, begrüßte Bertram neben der stellvertretenden Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt, den zahlreichen Ratsvertretern, dem Technischen Beigeordneten Hermann Gödde vor allem die Mitveranstalter Simon Küpper und Leo Braun vom Eschweiler Geschichtsverein, Monika Kendziora und Manfred Lohre vom Eschweiler Kunstverein und Kulturwirt Walter Danz.

Auf eine Reise durch die Eschweiler Stadtgeschichte nahm anschließend Dr. Lutz Henning-Meyer die Zuhörerschar mit. Denn mit der Eisenbahn kam das Industrie-Leben mit vollen Zügen an die Inde.

Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zunächst seit 1841 über die Strecke der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, die die Strecke Köln-Aachen-Lüttich betrieb, später dann auch über die Tal-Strecke. 1873 eröffnete die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft die Strecke Odenkirchen-Hochneukirch-Ameln-Jülich-Eschweiler-Aue.

Gleich drei Bahnhöfe wurden auf Eschweiler Stadtgebiet errichtet: in Weisweiler, in Aue und in Eschweiler Tal. Das repräsentative Gebäude in direkter Nähe zum Stadtkern beherbergte im Erdgeschoss die Wartesäle für die verschiedenen Klassen mit Restaurant sowie den Kassenschalter und die Betriebsräume.

„Der etwa zu dieser Zeit 120 Quadratmeter große Wartesaal mit seiner bemalten Stuckdecke war noch etwas anderes als die kleinen Wartehäuschen, die wir heute auf den Bahnsteigen kennen”, zeigte Brigitte Lammertz-Dressler bei Führungen entlang anschaulicher Baupläne und alter Fotografien den funktionalen Wandel des Gebäudes und des kompletten Bahnhofsumfeldes.

Hatte der preußische Staat, ähnlich wie es die Maxime der aktuellen Regierung ist, zunächst noch auf einen privaten Aufbau der Eisenbahn gesetzt, wurde 1882 auch die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft und mit ihr die Talbahnstrecke verstaatlicht.

Fast ein Jahrhundert später fuhr der vorerst letzte Personenzug über die Schienen. Während sich das Gebäude seit 1994 bis heute als Kulturzentrum für die regionale Kleinkunstszene zu einem wahren Schmuckkästchen gemausert hat, rollt seit 2004 auch wieder die (Euregio-)Bahn direkt durch Eschweiler. Seit wenigen Monaten fahren die Züge sogar bis nach Langerwehe.

Für Dr. Lutz-Henning Meyer ist die neueste Entwicklung wie ein weiteres Kapitel auf einer langen Reise. Eine Reise, auf deren frühen Stationen die Indestadt erst durch die Bahn zu einer großen Industrieschmiede werden konnte. Kohle, Stahl, Eisenbahn - für Eschweiler waren es die Fahrkarten in die Moderne, in eine bessere Zukunft.

Zum „Tag des offenen Denkmals” hatte auch der Eschweiler Kunstverein seine Pforten geöffnet. Unter dem Titel „Städtische Kunstsammlung neu entdeckt”, präsentierte man einen Stock über dem Kulturzentrum unter anderem Arbeiten von Wilhelm Artz, Jupp Kuckartz und Hans Stuchlik. Ein Schwerpunkt lag auf den Werken von Theodor Heimbüchel.

„Im nächsten Jahr feiert die Städtische Kunstsammlung dann ihr 30-jähriges Bestehen”, haben Manfred Lohre und seine Mitstreiter bereits einige Ideen für das Jubiläum. Das Ganze wird dann im Talbahnhof stattfinden. Einem Ort, der das Eschweiler Stadtleben bereits seit 136 Jahren prägt.
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