Eschweiler - Talbahnhof: Die „Brutstätte der Kultur“ lockt viele Stars an

Talbahnhof: Die „Brutstätte der Kultur“ lockt viele Stars an

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„Überflüssig sind wir nicht!“ Mit einer Prise Understatement bilanzierte der Vorsitzende des Kleinkunstfördervereins, Peter Adrian, bei der Jahreshauptversammlung im Talbahnhof Eschweiler dessen Arbeit in den zurückliegenden zwölf Monaten. Foto: Christoph Hahn
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Verantwortlich für das Programm im historischen Stationsgebäude am Raiffeisen-Platz: Auch „Bahnhofsvorsteher“ Walter Danz zog Bilanz. Foto: Christoph Hahn

Eschweiler. Ohne sie wäre der Talbahnhof irgendein totes Haus mit Gleisen vorne dran: Die Mitglieder des Kleinkunstfördervereins leisten nicht nur in finanzieller Hinsicht wichtige Schrittmacher-Dienste, wenn es darum geht, „Bahnhofsvorsteher“ Walter Danz für sein ehrgeiziges und ambitioniertes Kabarett- und Comedy-Programm den Rücken zu stärken.

Jetzt trafen sich diese Freunde und Förderer zu ihres Jahreshauptversammlung – natürlich im Talbahnhof. Neuwahlen zum Vorstand standen nicht an – wohl aber der Dank an eine Frau, die inzwischen aus dem Gremium ausgeschieden ist: Margot Mülfarth („Unsere Queen of Losverkauf“), der langjährigen Beisitzerin, galt der herzliche Dank des Vorsitzenden Peter Adrian – untermauert von einem Wein-Präsent.

Adrian wiederum blieb es vorbehalten, den 15 Stimmberechtigten und ihren Freunden im Rahmen seines Berichtes einen Überblick über die zurückliegenden zwölf Monate zu geben und dabei auch den Kulturbahnhof mit seinem „Personal“ in das regionale Umfeld einzuordnen.

Am Stellenwert der Institution am Raiffeisen-Platz unweit der Innenstadt von Eschweiler gab es natürlich für den Vereinschef nichts zu deuteln: Eine „Brutstätte der Kultur“ nannte der Vorsitzende das historische Gebäude, das seit nunmehr 23 Jahren weit über das Rheinland hinaus bei Fans und Künstler als erste Adresse gilt.

Jochen Malmsheimer, Wilfried Schmickler, Pause & Alich, Max Uthoff, Markus Krebs, Jürgen Becker und andere Brettl-Stars mehr: Alle sind sie im Bahnhof oder den Orten, die wie Festhalle Weisweiler, Aula Patternhof oder Museum Zinkhütter Hof in Stolberg von der Indestadt aus bespielt werden, aufgetreten oder haben sich für die nächste Zeit fest angesagt. Das Haus und sein Leiter, ehemals Schauspieler am Stadttheater Aachen – die gelten was in der Szene und darüber hinaus.

Damit der Alleinstellungsmerkmale nicht genug: „In der Region gibt es nichts Vergleichbares“, charakterisierte Peter Adrian das hier prägende Gewebe aus den Mitgliedern des Vereins und denen, die Arbeit rund um Saal und Bühne im Alltag umsetzen.

Und weil sich dieses Zwei-Komponenten-Fundament als sehr tragfähig erwiesen hat, bleibt der Vorsitzende bei seinem Bekenntnis: „Überflüssig sind wir nicht!“ So haben die Förderer 2016 unter anderem den Wettbewerb um die „Eschweiler Lok“ mit organisiert und außerdem ihr traditionelles Herbstfest ausgerichtet.

Rundum glücklich, aber dabei ganz und gar nicht wunschlos äußerte sich Walter Danz in seinem Rückblick. Einnahmen in Höhe von rund 250.000 Euro, aber auch Gagen-Zahlungen von etwa 192.000 Euro standen für ihn unter dem Bilanzstrich. Dankbar gab der Macher und Gestalter an die Adresse der Vereinsmitglieder zu Protokoll: „Die Unterstützung ist für uns essenziell.“

Ausführlich beleuchtete Danz zudem die Probleme an den Orten ringsum, an denen das Team aus Eschweiler (auch Ehefrau Agnes, die das Büro organisiert, leistet hier unschätzbare Dienste): Probleme gebe es zum Beispiel bei der Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Technischen Hochschule Aachen, die den Leuten vom Talbahnhof den eigentlich für einen Abend mit Oliver Welke und Dietmar Wischmeyer zugesagten großen Saal, das Audimax, wieder weggenommen habe.

„Ideal war das nicht“, resümierte „Mister Talbahnhof“ die Zeit, in der von Eschweiler aus der Saal der Stolberger Burg bespielt wurde. Eine zu kleine Anlage für den Ton und keine Möglichkeit, das Podium ins richtige Licht zu tauchen, verbuchte der gebürtige Schweizer eindeutig auf der Minusseite seiner Bilanz. Auch mit dem neuen Spielort in der benachbarten Kupferstadt, dem Museum Zinkhütter Hof in Münsterbusch, war Walter Danz nicht hundertprozentig zufrieden.

Beim Einstand vor ein paar Wochen mit Jürgen Becker ließ sich der Saal nicht ein bisschen abdunkeln – was schon wegen der vom Kölner Kabarettisten ins Programm eingebauten Projektionen ärgerlich gewesen sei. Sarkastisch merkte Danz darum an: „Darum geht das eigentlich nur im Winter.“ Etwas Positives lieferte dann aber auch der Vergleich zwischen Zinkhütter Hof und Burg – zu Gunsten des Museums: „Da gehen schon ein paar Leute mehr rein.“

Das Highlight – das fand dann doch eher im Talbahnhof statt. Den großen, von der Parkinson‘schen Krankheit gezeichneten Bayern Otti Fischer hat Danz an sein Haus geholt – und bereut es trotz aller Umstände und Probleme bis heute nicht: „Das war menschlich sehr berührend.“ Auch das Gastspiel eines anderen prominenten Bajuwaren, das von Helmut Schleich am 21. Mai, hat dem Leiter sehr gefallen. Und gerührt erinnert sich Danz zudem an den nicht minder bedeutenden Rheinländer Wilfried Schmickler, den er wegen des zu erwartenden Publikumsinteresses eigentlich in der Aula am Patternhof hatte unterbringen wolle. Der aber auf einem Auftritt im Bahnhof bestanden und ganz entschieden gesagt: „Wenn ich was mache, dann nur hier!“

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