Talbahnhof: Das ominöse Frittenfest in Sri Lanka

Von: zsa
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Sri-Lanka-Diskussion mit Gebärdensprachen-Dolmetscher: Während (von links) Ben Hartwig, Gilly Alfeo und Sandra Sprünken angeregt über das Frittenfest redeten, hatte Alexis Kara seine liebe Mühe, alles zu veranschaulichen. Foto: Sandra Ziemons

Eschweiler. Wenn die Darsteller plötzlich von Deutsch in Pseudo-Koreanisch wechseln, wenn eine Diskussion über ein sogenanntes Frittenfest auf Sri Lanka entsteht und dann noch in einer außergewöhnlichen Gebärdensprache gedolmetscht wird, dann sitzt man entweder im falschen Film oder aber in „Bääm – die Gameshow“. Mit diesem Programm machte das Springmaus-Improvisationstheater im Talbahnhof Station.

Verschiedene Figuren, Gemütszustände, Sprachen, sexuelle Orientierungen, Genres, Epochen und vieles mehr – all dies präsentierten Sandra Sprünken, Gilly Alfeo, Ben Hartwig und Alexis Kara in gerade einmal zwei Stunden. Im ausverkauften Talbahnhof tauchten rund 250 Zuschauer in eine besondere Welt ab: Per Zuruf konnten sie bestimmen, was als nächstes auf der Bühne passiert.

So wurde dann beispielsweise aus einem besoffenen Weihbischof, der die erste Bischöfin weiht, ein Pferd und anschließend ein Ehemann in Hechel-Geburtsstellung. Leiten ließen sich die vier Schauspieler dabei auch von den zugerufenen letzten Whatsapp-Nachrichten, den Beziehungsstatus und aktuellen Gedanken des Publikums.

Ein Improvisationstheater ist jedoch nur so gut wie seine Zuschauer. Und bereits nach der Klarstellung „Wir kommen auch bis nach hinten, wenn es sein muss“ waren diese in Eschweiler sehr kooperationsfreudig. Woher sie kamen? Nicht nur aus der Indestadt, Jülich, Düren oder Aachen.

Auch aus dem belgischen Lontzen waren Gäste angereist. Diese relativ kleine Gemeinde, spiele, wie der ebenfalls anwesende Chor „Lucivers“ aus Broichweiden und die persönliche Kennenlerngeschichte eines Ehepaares aus Titz noch eine besondere Rolle im Laufe des Abends.

Wie verläuft wohl ein Vorstellungsgespräch bei einem Atomkraftwerk von RWE? Sicherlich ganz anders als bei der Springmaus. Dort stellte sich Ben Hartwig als Bewerber Gilly Alfeo vor und plötzlich ging es nur noch um Bier und Fritten. Schuld war schließlich das Publikum, das die Sätze der Schauspieler nach eigenem Gutdünken per Zuruf vervollständigen sollte.

Für viele Lacher sorgte auch ein Streit zwischen einem Ehepaar – hier Sandra Sprünken und Alexis Kara –, der auf Deutsch begann und hin und wieder ins Pseudo-Koreanisch umschwenkte. Bestimmen konnte dies eine Zuschauerin per Tastendruck. Und ging es erst noch um die defekte Waschmaschine, wurde plötzlich eine Affäre mit dem Nachbarn, Ben Hartwig, entdeckt.

Auch bei einem Improvisationsspiel mit Wechsel des Genres bewies das Ensemble der Springmaus sein vielseitiges Talent: Ein Schreinerei-Chef bittet seine beiden Angestellten zu einem Betriebsausflug an den Blausteinsee. Von Western über Operette bis hin zu Horrorfilm und Krankenhausserie kamen dann teilweise mit Gesang, Klavierbegleitung und Tanz einige Überraschungen zutage – so fand sich der Chef am Ende mit Handgranate im Magen im Krankenhaus wieder, wo er von Professor Gilly Alfeo, Arzt Alexis Kara und Krankenschwester Sandra Sprünken aber ignoriert wurde.

Wahre Attacken auf die Lachmuskeln verursachte auch die Szene, in der Alexis Kara eine Diskussionsrunde zwischen seinen drei Kollegen als Gebärdendolmetscher für das Publikum interpretierte. Mit Händen und Füßen veranschaulichte er das Gespräch, in der es um die besondere Historie Sri Lankas und ein mysteriöses Frittenfest ging, das von Belgiern, Deutschen und Holländern vor 352 Jahren erfunden wurde. Allein beim Versuch, die Zahl 352 darzustellen, kam Kara kaum hinterher und bei den Zuschauern flossen gleichzeitig die Lachtränen in Strömen.

Auch Maritta und Josef aus Titz hatten an diesem Abend gut lachen: Vom Springmaus-Ensemble auf die Bühne gebeten, erzählte das Ehepaar zunächst etwas aus seinem Leben, unter anderem seine Kennenlerngeschichte. Diese interpretierten Sandra Sprünken, Gilly Alfeo, Ben Hartwig und Alexis Kara dann auf ihre eigene Weise: So wurde aus Kara ein sich selbst drehender Brennstab in der damals sogenannten KFA-Kernforschungsanlage Jülich, in der Josef seine Ausbildung zum Mechaniker machte. Sandra Sprünken spiele Maritta, wie sie ihr Fahrzeug für Krankentransporte der ungewöhnlichen Art nutzte. Gilly Alfeo mimte natürlich Josef, der mit seinem Vater stritt, weil dieser nicht wollte, dass er von Jülich nach Titz zieht.

Gleichzeitig streuten die vier Comedians auch immer wieder Szenen aus einer originellen Folge von „Rosamunde Pilcher“ ein, der Lieblingsfilmreihe des Ehepaars. In dieser Filmversion an den „Blausteinsee-Klippen“ opfert die junge Luise – gespielt von Ben Hartwig – ihre Unschuld dem Baron von Lontzen, damit dieser ihr Geld gibt, um das Gestüt ihres Vaters zu retten. Natürlich hatte sie eine Affäre mit dem Stallburschen und Wildschwein-Pfleger Joe und entdeckte gleichzeitig die gleichgeschlechtliche Liebe. So war das Chaos perfekt.

Am Ende traten Hausfrau und Mietwagenfahrerin Maritta und Mechaniker Josef ihren ersten Flug nach Rhodos an – vielleicht imitiert hier das Leben dann bald die Kunst, denn das Titzer Ehepaar ist tatsächlich noch nie in Urlaub geflogen.

Nach zwei Stunden Lachen, Staunen und Mitmachen war für die Gäste im Talbahnhof jedoch klar: Die wildesten Geschichten schreibt nicht das Leben, sondern das Springmaus-Improvisationstheater.

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