Tagebau und Kraftwerk: Doppelwechsel an der Spitze

Von: Patrick Nowicki
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Zwei neue Chefs in stürmischen Zeiten: Guido Schöddert (links) leitet seit Oktober das Kraftwerk Weisweiler, Dr. Andreas Wagner übernahm im Sommer die Kommandobrücke des Tagebaus Inden. Foto: Patrick Nowicki
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Das Kraftwerk Weisweile wird seit Oktober von Guido Schöddert geleitet. Foto: Patrick Nowicki
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Der Tagebau Inden wird seit dem Sommer von Andreas Wagner geleitet. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. So viel Gegenwind wie in den vergangenen Monaten hat die Stromgewinnung aus Braunkohle im Rheinischen Revier noch nie zu spüren bekommen. Und mitten in diesen turbulenten Zeiten vollzieht RWE einen Doppelwechsel an der Spitze des Tagebaus Inden und des Kraftwerks Weisweiler.

Dr. Andreas Wagner übernahm im Sommer das Zepter im Tagebau, seit Oktober leitet Guido Schöddert die Stromproduktionsstätte an der Autobahn 4. Beide gemeinsam wollen dafür sorgen, dass das westlichste Schiff in der RWE-Flotte auch im Sturm auf Kurs bleibt.

Es muss gespart werden – das wissen beide. Denn der Großhandelsstrompreis befindet sich im Keller und bringt damit selbst den Energieriesen RWE ins Wanken. Erst im Frühjahr drohte weiteres Ungemach, als die Bundesregierung ein Sonderabgabe auf Braunkohlemeiler plante. Am Ende kam ein Kompromiss heraus, von dem der Standort Inden und Weisweiler nicht betroffen ist. Etwa 1200 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Dass diese Zahl auch in fünf Jahren noch so hoch ist, darf bezweifelt werden. „Wir werden uns gemeinsam hinsetzen und uns die Altersstruktur im Personal genau anschauen“, sagt der 48-jährige Andreas Wagner. Will sagen: Weiteres Personal wird in Zukunft abgebaut, nach Möglichkeit sozialverträglich.

Beiden ist bewusst, dass das Ende des Tagebaus in Sicht ist. Bis zum Jahr 2030 wird in Inden noch Kohle gefördert, bereits jetzt beginnen die Vorbereitungen auf den Restsee, der in den Folgejahren entstehen soll. „Wir haben eine Vorreiterrolle“, meint Wagner. Man befinde sich schon mitten im Strukturwandel. Genau dies sehen er und Schöddert als Chance auch für neue junge Mitarbeiter. „Wer sich hier bewährt, hat sicherlich sehr gute Chancen, seine Erfahrungen in den beiden anderen Tagebauen und Kraftwerken einzubringen“, sagt Schöddert. Denn nach wie vor werde qualifiziertes Personal benötigt.

In den Lebensläufen der beiden neuen Leiter lassen sich viele Parallelen ablesen. Beide absolvierten ein Ingenieurstudium, beide durchliefen in den vergangenen Jahren viele Stationen im RWE-Konzern. Allerdings besteht auch ein entscheidender Unterschied: Während Schöddert ein Maschinenbau-Studium absolvierte und unter anderem den Bau der BOA 2 und 3 in Neurath verantwortete, promovierte Wagner als Bauingenieur mit Schwerpunkt Wasserwirtschaft. Nach seiner Funktion als Leiter der Tagebauentwässerung kehrte er an den Tagebau Inden zurück.

Das Wasser wird im Tagebau in Zukunft eine besonders große Rolle spielen. Im August veröffentlichte die Landesfraktion der Grünen ein Gutachten von Dr. Ralf Krupp, einem Geologen und Geochemiker, der auch für den BUND (Bund und Naturschutz Deutschland) tätig ist, wonach die Gefahr groß sei, dass die Restseen nicht gesichert sind. Dem widerspricht Wagner ausdrücklich: „Auch wenn die Höhenlagen der Restseen unterschiedlich sind, bedeutet dies nicht, dass sie leerlaufen, da im Boden unterschiedliche Widerstände bestehen.“ Das Modell aus der Physik mit kommunizierenden Röhren funktioniere nicht.

Zukunftsideen gesucht

Kraftwerksleiter Guido Schöddert freut sich nach seiner jahrelangen Projektarbeit vor allem auf seine Arbeit mit Kollegen im Betrieb. Der 51-Jährige sieht es auch als seine Aufgabe an, Zukunftsideen für den Kraftwerksstandort zu entwickeln, was in seinen Augen nicht zwangsläufig dazu führen muss, dass in Weisweiler nach 2030 kein Strom mehr produziert werden muss. Denkbar sei ein Gaskraftwerk. „Ich bin davon überzeugt, dass man konventionelle Stromerzeugung noch länger als Partner der regenerativen Energieformen benötigt“, meint er. Zudem sei das interkommunale Gewerbegebiet bei Inden ein Schritt in die richtige Richtung.

Der Tagebau Inden schreitet seinem „goldenen Ende“ in der Bergmannsprache entgegen. Dies bedeutet, dass die Bagger bald vorrangig in die Tiefe graben, wo der Kohleanteil im Vergleich zum Abraum deutlich steigt. Im gleichen Zuge werden die Strukturen des Restsees angelegt. Auf die beiden Ingenieure warten also einige Herausforderungen.

Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht. Wenn es die Zeit zulässt, begibt sich Andreas Wagner wie sein Vorgänger Dr. Stephan Strunk auf die Langlaufstrecke. Oder es geht hoch hinaus: Der neue Tagebauleiter liebt Bergwanderungen. Vor einigen Monaten weilte er in Pakistan und bestieg den Laila Peak, 6069 Meter hoch. Kalte Bergluft mag auch Guido Schöddert – allerdings zum Skifahren. Der Kraftwerks-Chef verbringt gerne Zeit mit seinem Borderterrier. Was wiederum beide verbindet: das Rheinische Revier, denn sie leben mit ihren Familien mitten in der Braunkohle-Region.

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