Eschweiler - „Tag des Judo“: Schüler lernen den sanften Weg

„Tag des Judo“: Schüler lernen den sanften Weg

Von: Laura Laermann
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Beim Judo ist unter anderem Körperbeherrschung gefragt. Beim „Tag des Judo“ lernten 200 Eschweiler Schüler die Grundtechniken der Sportart kennen. Foto: Laura Laermann

Eschweiler. Aufmerksamkeit und Konzentration erfüllen die Sporthalle. Die Blicke richten sich auf das Geschehen in der Mitte der großen blauen Mattenfläche. Ein Wurf über die Schulter und schon liegt der Judoka auf dem Boden. Sieht einfach aus, doch dahinter steckt viel Technik und jahrelanges Training. Am „Tag des Judo“ zeigt der Budo-Club Eschweiler Schülern erste Grundübungen des Judo-Sports.

Über 200 Schüler der Bischöflichen Liebfrauenschule und der Willi-Fährmann-Schule nahmen an dem Projektunterricht, der über vier Tage ging, teil. In ganz Deutschland waren es im vorigen Jahr 54 000 Schüler, die bei der Aktion des Deutschen Judo-Bundes mitgemacht haben. „Ziel der Aktion ist die Kooperation zwischen Vereinen und Schulen nachhaltig auszubauen“, erklärt Anne Mödl vom Regiosportbund Aachen.

Basisübungen der Judotechniken

Zunächst geben die Trainer eine kurze Einführung in den Judosport. Nach dem Aufwärmen beginnen die Schüler mit Zweikampfspielen, danach geht es weiter mit Basisübungen der Judotechniken. „Zunächst beginnen wir mit Übungen mit wenig Körperkontakt, weil viele sich erst einmal daran gewöhnen müssen“, erklärt Arthur Westerkamp, Trainer und Jugendleiter. „Zudem fangen wir auf dem Boden an, da das Verletzungsrisiko geringer ist als im Stand.“

Jede Übung machen die Trainer zunächst vor und erklären, wie es geht und was zu beachten ist, danach sind die Schüler dran. Bei einer der Bodenübungen liegt eine Person flach auf dem Rücken, die andere Person legt sich mit dem Bauch quer darüber und versucht den Gegner festzuhalten. Nun muss der Untere versuchen, sich zu befreien, indem er sich auf den Bauch dreht. Dabei darf er den Oberen auch mit den Händen wegschieben.

Die Schüler probieren sich an der Übung, dem einen fällt es leichter, dem anderen schwerer. Dies hängt mit Körpergröße und -gewicht zusammen. Im Judo wird nicht nur nach Geschlecht und Alter, sondern auch nach Gewicht unterschieden. Auch bei der nächsten Übung spielt dies eine Rolle. Zwei Personen stellen sich dabei gegenüber, jeder auf einer eigenen Matte.

Zur Erklärung: Beim Judo bilden mehrere kleine Matten aneinander gelegt ein riesige Trainingsfläche. Die Partner legen sich gegenseitig eine Hand auf die Schulter und eine Hand auf den Oberarm. Eine kurze Abfrage, ob der jeweils andere bereit ist, und dann heißt es anpacken und den Gegner mit Kraft nach hinten schieben, bis ein Fuß außerhalb der Matte ist.

Eine recht simple Judoübung im Stehen, die sich gut für den Anfang eignet, wie der Trainer erklärt. Der japanische Kampfsport hat aber noch viel mehr zu bieten. Neben Boden-, Fall-, Hebel-, Schlag- und Festhaltetechniken gibt es die verschiedensten Würfe. „Das beeindruckende beim Judo ist, dass man den Gegner durch dessen eigene Kraft zu Boden bringen kann“, erklärt Pressewart und Trainer Michael Degenhart. „Man kämpft also nicht aktiv, sondern passiv. Die Übersetzung von ,Judo‘ beschreibt es ganz gut: der sanfte Weg.“

Weniger sanft wird die Stimme von Arthur Westerkamp, wenn zu viel Lärm in der Halle ist. Dann lässt er sein lautes Organ die Sache regeln und ruft „Mate“. Der japanische Begriff bedeutet so viel wie „Ruhe und Zuhören“. Das Verhalten im Training und der Umgang der Sportler untereinander ist im Judo ein wichtiges Anliegen. „Wir haben zehn Judowerte, zu denen beispielsweise Höflichkeit und Selbstbeherrschung gehören“, erklärt Leon Cremers, Jugendwart und Trainer des Budo-Clubs. „Diese gelten nicht nur für das Training, sondern auch für den allgemeinen Umgang miteinander oder bei gemeinsamen Treffen in der Freizeit.“ Denn das Gemeinschaftsleben im Budo-Club gestaltet sich aus einem jährlichen Zeltlager, Tagesausflügen und einem Familientag, die neben Training und Wettkämpfen angeboten werden.

„Rangeln und Raufen“

Der Projektunterricht mit Schülern ist sowohl für den Budo-Club, als auch für die Schulen eine Besonderheit. „Der Lehrplan sieht ,Rangeln und Raufen‘ vor. Dazu gehören zum Beispiel in den unteren Jahrgangsstufen Zweikampfübungen“, erklärt Hans Mainz, Sportlehrer an der Liebfrauenschule. Die meisten Schüler haben daher heute viel Neues gelernt: „Ich suche noch nach der richtigen Sportart für mich und kann mir gut vorstellen, nochmal ein Probetraining mitzumachen“, sagt der 14-Jährige Naigel.

Auch Selbstverteidigung sei immer wieder Thema im Sportunterricht, erklärt Mainz. In diese Richtung können sich der Budo-Club Eschweiler und der Regiosportbund ein weiteres gemeinsames Projekt vorstellen. Beim Tag des Judo hat die Zusammenarbeit bereits gut funktioniert. „Wir hoffen, bei den Schülern Interesse für den Judosport zu wecken“, sagt Degenhart.

Für jedes Alter ist etwas dabei: Es gibt eine Trainingsgruppe für fünf- bis neunjährige Kinder, eine Jugendgruppe bis 16 Jahre und eine Erwachsenengruppe. Auch Wettkampfsport ist von klein auf möglich. „Wichtig ist, dass die Kinder dabei Spaß haben“, macht Westerkamp deutlich. „Es geht nicht ums Gewinnen, sondern wir möchten, dass die Kinder Erfolgserlebnisse haben.“

Am Unterricht Interessierte können beim Budo-Club Eschweiler mittwochs ab 17 Uhr und freitags ab 16.30 Uhr ein Probetraining absolvieren.

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