Tag der Rauchmelder: Kleine Kisten können Leben retten

Von: Rudolf Müller
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Völlig ausgebrannt: Zimmer an
Völlig ausgebrannt: Zimmer an der Gutenbergstraße. Die größte Gefahr hierbei sind allerdings nicht die Flammen, sondern der Rauch, der auch in umliegende Räume dringt und zur tödlichen Bedrohung wird. Foto: Müller

Eschweiler. Eigentlich ist die Bezeichnung „Feuerwehr” völlig überholt. Sagt Stadtbrandinspektor Axel Johnen. Denn die überwiegende Zahl der Einsätze - neben den rund 9000 Rettungsdienstfahrten jährlich - betrifft technische Hilfeleistungen: Rund 600 Mal im Jahr sind die Männer und Frauen der Wehr hier gefordert.

Dagegen summieren sich die Brandeinsätze auf „nur” 110 bis 140 jährlich. Immerhin: Statistisch gesehen brennt es jeden dritten Tag in Eschweiler. Und weil Brände immer wieder Verletzte fordern und jeder Verletzte oder gar Tote einer zuviel ist, deshalb ist am Freitag bundesweit der „Tag der Rauchmelder”. Mahnung zum Gebrauch jener kleinen Kästchen, die Leben retten können.

Denn sich allein auf seine Nase zu verlassen, kann das Leben kosten. Nachts hat auch der Geruchssinn Pause. Und wer glaubt, im Brandfall werde schon die Hitze ihn rechtzeitig wecken, der irrt: Denn schon nach wenigen Minuten erreichen die bei Bränden freiwerdende Gase derart hohe Konzentrationen, dass die Rauchgifte binnen kürzester Zeit zum Tod führen. Zwei bis vier Minuten - nur soviel Zeit bleibt, sich aus der brennenden Wohnung zu retten. Zuwenig, um sich darauf zu verlassen, vom Haustier oder Nachbarn geweckt zu werden. Vor allem dann, wenn der Nachbar selbst schläft und Hund oder Katze im Nebenzimmer sind.

Wenig Zeit zur Flucht

Axel Johnen verweist auf einen Versuch der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, das einen Kinderzimmerbrand untersuchte: Schon zwei Minuten nach der Entzündung einer Schaumstoffmatratze brannte es lichterloh - nach vier Minuten gab es ein „Flashover”: Das Feuer wurde zum Vollbrand, bei dem die Flammen aus dem Fenster schlugen.

Einen Brandtoten gab es in Eschweiler im vergangenen Jahr zwar nicht zu beklagen, aber zahlreiche Verletzte. „Die Leute bleiben zu lange in ihren brennenden oder verqualmten Wohnungen, oder sie laufen durch verrauchte Räume, um irgendetwas rauszuholen”, berichtet Johnen. „Und wenn ich nach Bränden mit den Geschädigten spreche, auch um sie in Sachen Vorbeugung zu sensibilisieren, höre ich immer wieder: ,Klar, Rauchmelder haben wir! Aber ich bin noch nicht dazu gekommen, die zu installieren - die liegen noch im Schrank!”

Dabei ist die Installation denkbar einfach. Decken anbohren und Schrauben eindübeln - das war einmal. Moderne Rauchmelder werden heute einfach mit doppelseitigem Klebeband an die Decke gepappt. Und die Unterseite der kleinen Geräte klemmt sich per Magnet ans Deckenteil.

Sicherheit für kleines Geld: „Die Gerät gibt es schon für 10 bis 50 Euro”, sagt Johnen. Und verweist darauf, dass selbst Geräte für noch weniger Geld aus dem Discounter- oder Verbrauchermarkt gute Dienste tun - vorausgesetzt, siehe verfügen über die nötigen Qualitätsprüfzeichen. Für 50 Euro gibt es sogar schon durch Funk miteinander verbundene Melder: Tritt in einem Raum der Alarmfall ein, gehen gleich alle Rauchmelder im Haus los. Vernetzung, die zusätzliche Sicherheit bedeutet.

Wer Standardgeräte benutzt, der sollte vor allem im Flur eines anbringen: Das warnt, wenn Rauch aus einem der umliegenden Räume dringt und andere bedroht. Priorität hat auch das Kinderzimmer: „Gerade im Kinderzimmer tritt oft eine Häufung an besonders gefährlichen Objekten wie Matratzen, Polstermöbeln und elektrischen Geräten auf”, betont die Wehr. Und technische Defekte in Elektrogeräten sind Brandursache Nummer 1 in Deutschland. Feuer-Experte Axel Johnen stellen sich die Nackenhaare auf, wenn er zum Beispiel an zusammengestöpselte Billig-Steckdosenleisten denkt, die nicht „made in Germany” sind. Oder an Kabeltrommeln, die nur zum Teil abgewickelt wurden: „Die Kabellängen auf der Spule entwickeln eine enorme Hitze, die schnell zum Brand führen kann.”

Optimal wäre die Ausstattung aller Räume mit vernetzten Meldern. Davon aber ist man auch in Eschweiler weit entfernt. Genaue Zahlen hat niemand, aber: In Nordrhein-Westfalen liegt die Quote der überhaupt mit Rauchmeldern ausgestatteten Haushalte unter 25 Prozent. Das soll sich ändern: In zehn Bundesländern gibt es bereits eine Rauchmelderpflicht für Privathaushalte. Nordrhein-Westfalen will den Einbau der Geräte nun ebenfalls zur Pflicht machen.

Öffentliche Gebäude gesichert

Bei öffentlichen Gäuden ist die Situation anders: Hier ist der Einbau von Brandmeldeanlagen häufig schon Bestandteil der Bauauflagen. Eschweilers Rathaus zum Beispiel ist mit einer flächendeckenden Meldeanlage ausgestattet, die zur Feuerwache aufgeschaltet ist. Gleiches gilt für Festhallen, Hospital und Altenheime. Auch einige Schulen sind inzwischen derart gesichert; andere haben lediglich interne Warnsysteme. „Das liegt daran, dass Rauchmelder ja in erster Linie nachts Sinn machen, um Leute bei Gefahr zu wecken. Dann aber ist kein Mensch in der Schule - da geht es dann nur um Sachschutz.” Auch Industriebetriebe setzten auf Brandmeldeanlagen: Derzeit sind fast 90 Brandmeldeanlagen zur Feuerhauptwache geschaltet. Geprüfte Qualität, lange Lebensdauer

Wer Sicherheit sucht, der sollte auf Qualität achten. Stadtbrandinspektor Axel Johnen: „Bei Geräten mit den Prüfzeichen VdS, GS und CE ist man auf der sicheren Seite.”

Speziell für Rauchmelder in privaen Haushalten gibt es seit wenigen Monaten ein neues, eigenes Prüfzeichen: „Q” steht für hochwertige Rauchmelder, die eine mindestens zehnjährige Lebensdauer von Batterie und Gerät gewährleisten und „resistenter” gegen Falschalarme sind, wie sie beispielsweise durch Insekten ausgelöst werden.

„Normale” Geräte sollten nach fünf bis zehn Jahren ausgetauscht werden; ihre Batterien müssen nach etwa zwei Jahren gewechselt werden. Das Herstellungsdatum der Geräte finden Sie meist im Inneren nahe dem Batterieschacht.


Rauchgifte: Schon 100 Gramm Schaumstoff können den Tod bringen

Brandrauch ist immer giftig. Darauf weist die Feuerwehr hin. Salzsäure- und Blausäuredämpfe zum Beispiel entstehen beim Verbrennen von PVC, Polyuretan, Schaumstoffmatratzen, Polstermöbeln, Wolle, Seide und Daunen: Sie wirken als Reiz- und Atemgifte auf Blut, Nerven und Zellen.

Kohlendioxid entsteht überwiegend bei offenem Brand, ist farb- und geruchlos, steigert die Atemtätigkeit und damit den Blutdruck. Die Folge: Atemlähmung und Erstickung. 15 Prozent Kohlendioxid in der Atemluft bedeuten den Tod.

Kohlenmonoxid entsteht beim Verbrennen fast aller organischen Produkte, ist ebenfalls farb- und geruchlos und verbindet sich 205 Mal schneller mit dem Hämoglobin im Blut als mit dem Sauerstoff in der Luft. Auch hier sind Atemlähmung und dann Erstickung die Folge, und auch hier bedeutet ein 15-Prozent-Anteil in der Atemluft den Tod.

Schon etwa 100 Gramm Schaumstoff - beispielsweise in einer Couch - reichen aus, um eine tödliche Rauchvergiftung zu erzeugen.
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