Tag der Freunschaft: Von außergewöhnlichen Menschen und Erlebnissen

Von: Sonja Essers
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Danke sagen am Tag der Freundschaft: Seit neun Jahren sind Julia Voß und Darinka Vogler bereits befreundet.

Eschweiler. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Das sang bereits Heinz Rühmann. Heute ist der internationale Tag der Freundschaft. Aus diesem Anlass haben wir mit vier Indestädtern gesprochen, die ganz besondere Freundschaften pflegen: Altersunterschiede, Krankheiten und mehrere hundert Kilometer Entfernung spielen dabei keine Rolle.

„Paul ist ein Pfundskerl“, sagt der 65-jährige Bernd Dahmen. Seit 41 Jahren sind er und Paul Harlfinger befreundet. Dass ihre Freundschaft so lange bestehen würde, war jedoch nicht klar. Schließlich brach der Kontakt zwischenzeitlich ab. Immer wieder wollte sich Dahmen auf die Suche nach ihm machen. Vergessen hat er ihn nie. Vor fünf Jahren gab sein Physiotherapeut ihm den Tipp im Internet auf die Suche zu gehen. Gesagt, getan. Als seine Ehefrau den Namen des Gesuchten eingab, wurde sie fündig.

Sie fand Harlfinger nicht in Eschweiler, sondern in Fell bei Trier. Der Indestädter ergriff die Initiative und rief an. Ob er vor dem Telefonat aufgeregt war? „Auf jeden Fall. Man weiß nie, wie die Person am anderen Ende der Leitung reagiert.“ Und wie war die Reaktion seines Freundes? Zunächst herrschte Stille, erst als Dahmen seinen Namen nannte, brach Harlfinger in Freude aus. „Dieser Moment war wunderschön. Ich möchte unsere Freundschaft nicht mehr missen“, meint Dahmen.

Dahmen musste seinem Kumpel jedoch auch eine traurige Nachricht mitteilen. Schließlich leidet der 65-Jährige an der Netzhauterkrankung Grüner Star. Bereits vor fünf Jahren war er komplett erblindet. So wurde die erste Begegnung zu etwas Besonderem. „Es war so, als wären wir nur lange in Urlaub gewesen“, erinnert sich Dahmen, der nach einer langen Umarmung feststellte: „Paul, du hast dich gar nicht verändert. Du bist noch immer groß und dünn.“ Damit war das Eis gebrochen.

Regelmäßige Besuche stehen seitdem auf dem Programm. Die Besonderheit: „Paul macht leidenschaftlich gern Fotos. Jedes Mal wenn er kommt, bringt er neue Fotobücher mit und beschreibt mir, was auf den Bildern zu sehen ist.“

Den heutigen Tag der Freundschaft verbindet Dahmen bereits seit vielen Jahren mit seinem Freund. Der Grund: Heute feiert dieser seinen 74. Geburtstag. Und was wünscht sein bester Freund ihm zu diesem Ehrentag? Ist doch klar: „Dass unsere Freundschaft noch viele Jahre hält.“

Ruß, Hamburg und ein Restaurant

„Egal wann ich Dirk gebraucht habe, er ist für mich da gewesen. Man sollte den Tag der Freundschaft nutzen, um Danke zu sagen“, meint Hubert Kreutzkamp. Seit 1997 ist er mit Dirk Trasser befreundet. Kennen gelernt haben sie sich durch den Nachwuchs. Kreutzkamps Tochter und die Kinder von Trassers Lebensgefährtin waren befreunde und so dauerte es nicht lange bis sich auch die Eltern zum ersten Mal trafen.

An diesen Abend erinnert sich Kreutzkamp noch genau. „Es war richtig schön.“ Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, dass Trasser sich für ihn etwas ganz Besonderes überlegt hatte. Der gelernte Schornsteinfeger präsentierte Kreutzkamp ein Holzklötzchen in dessen Mitte ein Laufrad befestigt war und forderte ihn auf zu pusten. „Ich habe mich gewundert, dass sich das Rad kaum bewegt hat. Also habe ich es immer wieder versucht“, sagt Kreutzkamp. Die Überraschung kam als Kreutzkamp das Badezimmer aufsuchte: Sein Gesicht war voller Ruß. „Seitdem waren Dirk und ich Freunde.“

Seinen Freund beschreibt er als „Tausendsassa“. So wunderte sich Kreutzkamp nicht, als Trasser ein Restaurant eröffnete. „Immer wenn er etwas ausprobiert hat, hat er uns angerufen. Wir waren die Vorkostert“, sagt Kreutzkamp, der zu dieser Zeit mit seiner Frau einen Kiosk samt Imbiss in Bergrath betrieb. Gemeinsame Einkäufe waren seitdem an der Tagesordnung.

Was er an seinem Freund besonders schätzt? Seine Spontanität. „Dirk wollte immer Lehrer werden. Also hat er nebenbei eine Ausbildung zum Fahrlehrer begonnen. Zur Abschlussprüfung hat er uns mitgenommen. Wir haben uns darüber unterhalten, wo ich mal gerne hinreisen würde und ich habe gesagt nach Hamburg. Dann bin ich eingeschlafen und raten Sie, wo ich aufgewacht bin.“

Ein besonderer Einschnitt fand vor sieben Jahren statt. Trasser wollte sich als Fahrlehrer selbstständig machen und suchte im Internet nach Modellen. So wurde er auf eine Fahrschule in Niebüll in Schleswig-Holstein aufmerksam. Er machte sich auf den Weg dorthin, kam allerdings nicht mehr in die Indestadt zurück.

Seitdem sie sich ein bis zwei Mal im Jahr. Besonders gern denkt Kreutzkamp an seinen 60. Geburtstag zurück. Trasser konnte nicht das ganze Wochenende bleiben, wollte aber unbedingt dabei sein. So brachte er 14 Stunden Autofahrt hinter sich, um seinen Freund einen Besuch abzustatten. „Wenn das keine Freundschaft ist“, ist sich Kreutzkamp sicher.

Von der Kur zum Baby

„Wir müssen uns nicht verstellen, denn jeder von uns wertschätzt den anderen so, wie er ist. Das schätze ich sehr“, meint Lea Ruland. Begonnen hat die Freundschaft zwischen der 29-jährigen Indestädterin und Karoline Hintz auf eine ungewöhnliche Weise.

Im Jahr 1998 machte sich die damals zwölfjährige Lea auf den Weg nach Sylt. Dort stand in den Sommerferien eine dreiwöchige Kur auf dem Programm. „Als Zwölfjährige war es zuerst schrecklich ganz alleine mit dem Zug bis nach Sylt zu fahren, keinen zu kennen. Aber am Schluss wollte ich gar nicht mehr weg“, erinnert sie sich. Der Grund für Leas Begeisterung: Karoline. Die beiden Mädchen freundeten sich während ihres Kuraufenthaltes an und nahmen sich am Tag der Abreise fest vor in Kontakt zu bleiben. So schrieben sich die beiden Jugendlichen jahrelang Briefe.

2005 war es dann soweit: Karoline Hintz war mit ihrer Schule zu Gast in Stolberg und traf sich an einem Tag mit Lea. „Ich war so aufgeregt, denn wir hatten uns ja nun einige Jahre nicht gesehen, waren beide fast 18, es hatte sich allerhand verändert. Natürlich war ich aufgeregt, aber das war völlig überflüssig, denn wir haben uns direkt wieder prima verstanden“, erinnert sich die 29-Jährige.

Während des Studiums – beide Frauen studierten auf Lehramt – kam dann allerdings der Bruch. Für rund drei Jahre ging der Kontakt verloren. Die Wende kam im Jahr 2013. „Eines Tages hatte ich eine Mail von ihr in meinem Posteingang. Sie hatte auf einem Zettel meine Mail-Adresse wiedergefunden, was für ein Glück“, meint Ruland. Seitdem stehen die beiden Frauen in regelmäßigem Kontakt.

Auf zahlreiche E-Mails, SMS und den einen oder anderen Brief folgte im vergangenen Jahr ein Treffen. Karoline Hintz war zu Besuch in Köln und wollte dort ein Konzert besuchen. Drei Tage vorher meldete sie sich bei Lea Ruland und fragte sie, ob sie Lust auf ein Treffen in Köln habe. „Natürlich bin ich direkt nach Köln gefahren und auch das zweite Treffen war toll“, so Ruland.

Auch das nächste Treffen ist bereits geplant. Im Oktober reist Ruland zu ihrer Freundin nach Berlin. Dann werde ich einen Babybesuch machen, Karo wird im Oktober nämlich Mutter“, freut Ruland sich.

Was Ruland mit ihrer Freundin verbindet: Ein Lied, dessen Titel Programm ist. „Das Lied heißt „Immer für dich da“ und bezogen auf die Freundschaft zu Karo ist es auch so gemeint, dass wir immer füreinander da sind, auch wenn wir natürlich räumlich getrennt sind“, sagt die 29-jährige Lehrerin.

Überraschung im Kostüm

632 Kilometer und sechs Stunden Autofahrt trennen Darinka Vogler und Julia Voß. Ihre Freundschaft erhalten die beiden jungen Frauen trotzdem aufrecht. Schließlich verbinden die beiden ganz besondere Erlebnisse miteinander.

Angefangen hat es vor neun Jahren. Voß machte eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau, als Darinka Vogler als Aushilfe im Betrieb anfing. Auch Vogler blieb der Gastronomie treu. Durch die Arbeit lernten sie sich besser kennen. „Wir waren uns von Anfang an sympathisch“, meint Vogler.

Öfter unternahmen die beiden auch nach der Arbeit Dinge gemeinsam, wohnten sogar ein Jahr lang zusammen. „Das war praktisch. Julia hatte Feierabend wenn ich Feierabend hatte und frei wenn ich frei hatte. Sie weiß, was in unserem Beruf abgeht. Da ist man einfach auf einer Wellenlänge.“

Mittlerweile wohnt Voß in München. Ein längerer Abschied war bei ihrer Abreise nicht geplant. In Reit im Winkel, einem bekannten Urlaubsgebiet an der österreichischen Grenze, heuerte sie für eine Saison an, eine weitere folgte. Dann lernte sie ihren Freund kennen und zog nach München. „Es war komisch, als sie dorthin gezogen ist. Wir haben uns jeden Tag gesehen und plötzlich war sie weg.“

Normalerweise sehen sich die beiden Frauen zwei Mal im Jahr. Das nächste Treffen steht im Oktober in der Indestadt an. Und dann? „Vielleicht sehen wir uns Karneval nochmal, schließlich ist Julia genauso karnevalsverrückt wie ich“, meint Vogler. Abwegig wäre das keineswegs. Immerhin überraschte Voß ihre Freundin im vergangenen Jahr am 11. November in Eschweiler. „Plötzlich stand sie auf dem Markt, ich wusste nichts und war total überrascht“, erinnert sich die 28-Jährige.

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