Aachen/Eschweiler - Täter gewöhnt achtjähriges Mädchen an Fetisch-Sex

Täter gewöhnt achtjähriges Mädchen an Fetisch-Sex

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Eschweiler. Mehr als 170 Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch an der heute 17-jährigen Tochter einer befreundeten Familie wurden dem Eschweiler Michael W. (55) in der Anklage vor der 5. Großen Strafkammer am Landgericht Aachen vorgeworfen.

Letztlich verurteilte ihn das Gericht unter Vorsitz von Richterin Anja Friedrich wegen nachgewiesener zwölf Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch und drei sogenannten leichteren Fällen zu acht Jahren Haft, die Staatsanwaltschaft hatte sogar achteinhalb Jahre Freiheitsentzug gefordert.

„Wir haben hier nur die Spitze des Eisberges, die zur Verurteilung führte“, erklärte die Richterin die Diskrepanz zwischen angeklagten und tatsächlich zur Verurteilung führenden Fällen. Das hieße jedoch keinesfalls, dass die unberücksichtigt gebliebenen Übergriffe nicht existiert hätten. Im Gegenteil. In der Hauptverhandlung seien noch weitere Taten offenbar geworden, die hier nicht von der Anklage erfasst und somit nicht behandelt werden konnten.

Die letztlich juristisch maßgebenden Taten lagen in der Zeit, als das Mädchen erst zwischen acht und 14 Jahre alt war. „Der Angeklagte“, so die Richterin, „hat das Vertrauen des Kindes ausgenutzt, um seine eigenen sexuellen Bedürfnisse befriedigen zu können“. Das Kind übernachtete fünfjährig zum ersten Mal bei dem Freund der Familie, der beinahe als Ersatzvater des Mädchens galt. Dann, als es acht war, begann er dem Kind kurze Sexfilme aus dem Internet vorzuspielen. Darauf habe man Kinder gesehen, die von Männern missbraucht wurden. Im vorliegenden Falle habe das Mädchen glauben sollen, dass ein solches Verhalten zwischen Erwachsenen und Kindern völlig normal sei.

So habe der Angeklagte die Minderjährige dazu gebracht, an ihm sexuelle Handlungen vorzunehmen und an sich bestimmte Praktiken zu dulden. Er habe dabei eine Vorliebe für fetischartige Handlungen entwickelt, die das Kind erdulden musste. Schlimm sei, dass die Jugendliche später glaubte, sie selber habe die größte Schuld an den Vorfällen, berichtete die Anwältin der Nebenklage. Doch verantwortlich sei nur der Angeklagte.

Dessen Verteidiger, Peter Schäfer (Aachen), forderte einen Freispruch, weil das Aussageverhalten des Mädchens „nicht stringent“ gewesen sei. Zu oft hätten sich Ort und Zeit der Übergriffe nicht genau einordnen lassen. Das sei juristisch aber unabdingbar.

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