Sven Rehfisch ist neuer Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Eschweiler

Von: Patrick Nowicki
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Das neue Gesicht der Raiffeisen-Bank Eschweiler: Sven Rehfisch. Der 44-jährige Indestädter trat am 1. Juni die Nachfolge von Johannes Gastreich als Vorstandssprecher dort an, wo er das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt hat. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Raiffeisen-Bank Eschweiler kennt er aus dem Effeff. An der Franzstraße absolvierte er seine Lehre zum Bankkaufmann, dort kletterte er die Karriereleiter rauf bis zum Vertriebsleiter und Leiter Kreditmarkt, seit dem 1. Juni sitzt er im Vorstandsstuhl: Sven Rehfisch.

Zahlreiche Fortbildungen säumen seinen Berufsweg. Dies klingt nach einem klassischen Karrieristen. Doch weit gefehlt, wie sich auch in unserem Interview zeigt. Der 44-Jährige ist in Eschweiler fest verwurzelt und spricht über seine neue Rolle als Leiter einer Bank, die Bedeutung seiner Familie und die Schwierigkeiten, die ein lokales Kreditinstitut zu bewältigen hat.

Ab wann zeichnete sich ab, dass Sie Nachfolger von Johannes Gastreich als Leiter der Raiffeisen-Bank Eschweiler wurden?

Rehfisch: Man muss natürlich eine gewisse Qualifikation haben, die ich mir im Laufe der Jahre erarbeitet habe. Die theoretische Basis habe ich 2003 gelegt, danach habe ich mir in bestimmten anderen Bereichen die noch fehlende praktische Kompetenz angeeignet. Der Gedanke, in den Vorstand zu gelangen, ist längerfristig mein Ziel gewesen. Aber es hängt von vielen Faktoren ab, ob es dann klappt. Konkret wurde es dann im Jahr 2014, als mir Prokura verliehen wurde. Im ersten Quartal des vergangenen Jahres fand dann die interne Ausschreibung statt. Im Juli 2015 entschied sich der Aufsichtsrat schließlich für mich.

Welcher Reiz besteht für Sie darin, eine Bank zu leiten?

Rehfisch: Ich, als gebürtiger Eschweiler, möchte Verantwortung für die Eschweiler Bank, die Kunden und die Mitarbeiter übernehmen. Mir persönlich war es immer wichtig, bei einer lokalen Bank zu arbeiten, die auch im Ort verwurzelt ist. Wir betreuen auch Kunden aus anderen Städten, aber unser Schwerpunkt liegt auf Eschweiler. Im Zuge dessen war es mein Wunsch, die Geschicke dieser Bank einmal selbst entscheidend mitzubestimmen.

Spielte dabei eine Rolle, dass Sie in dieser Bank von der Pike auf das Bankgeschäft gelernt haben?

Rehfisch: Das kann man so sagen. Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch, ich bin in Eschweiler geboren und sage immer gerne auch, dass ich nie hier rausgekommen bin. Viele Kollegen kennen mich seit Kindesbeinen. Von daher habe ich hier meine berufliche Heimat gefunden.

Wie ist es, wenn man vom Kollegen zum Chef wird?

Rehfisch: Die Situation ist natürlich nicht so ganz einfach. Ich habe in der Bank am 1. August 1992 die Ausbildung begonnen. Danach habe ich berufsbegleitend studiert und im Jahr 2000 als Betriebswirt abgeschlossen. Natürlich durchlief ich auch die genossenschaftlichen Fortbildungen und habe ständig meinen Aufgabenbereich und mein fachliches Spektrum erweitert und war im Rahmen dessen ein kompetenter Ansprechpartner für Kollegen.

Wir haben aufgrund unserer Unternehmensgröße ein sehr familiäres Umfeld, hier kennt jeder jeden. Mit allem Für und Wider. Ich bin kein autoritärer Typ, sondern pflege einen kooperativen Führungsstil. So versuche ich die Dinge sachlich zu klären. Wir haben ein gemeinsames Ziel als Bank und das wollen wir alle gemeinsam erreichen.

Welcher entscheidende Unterschied besteht zwischen einer lokalen Bank und einem großen Kreditinstitut?

Rehfisch: Es wird häufig von den Banken gesprochen. Da möchte ich mich von distanzieren. Es gab bei den Großen in der Vergangenheit Exzesse, die mit gesundem Menschenverstand nicht zu erklären sind. Da möchte ich die Gruppe der Raiffeisen- und Volksbanken ausdrücklich rausnehmen. Wir betreiben ein klassisches Bankengeschäft, in dem wir Geld vereinlagen und verauslagen. Was uns auszeichnet, ist, dass wir unseren lokalen Markt sehr gut kennen. Wir kommen aus dem Ort und arbeiten für den Ort.

Unsere Mitarbeiter kommen aus der Region. Alleine aus diesem Grund ist der Umgang mit dem Kunden schon positiv besetzt. Wo wir uns abgrenzen können und müssen, sind der direkte Kundenkontakt und die Schnelligkeit. Wir sind in der Fläche sehr präsent und haben im vergangenen Jahr zwei Filialen modernisiert. Dadurch entstehen natürlich Kosten, die verdient werden müssen. Eine Direktbank, die irgendwo sitzt, hat diese Kosten nicht, und kann diese Dienstleistungen zu anderen Konditionen anbieten. Ob dann immer jede Beratung optimal ist, wage ich zu bezweifeln. Der persönliche Kontakt zu Kunden, die man kennt, fördert das Vertrauen.

Dabei ist die Marktsituation für die Banken nicht leichter geworden…

Rehfisch: Neben dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld stellen vor allem die steigenden regulatorischen Anforderungen eine immense Herausforderung für uns dar.

Immer wieder kamen in der Vergangenheit Fusionsgedanken auf. Nun steht mit Ihnen ein neuer Mensch an der Spitze der Raiffeisen-Bank: Wie ist Ihre Haltung zu Zusammenschlüssen kleinerer Banken?

Rehfisch: Ich bin seit 1992 bei der Raiffeisen-Bank tätig und seit dieser Zeit wurde das Für und Wider des Fusionsgedankens diskutiert. Der jetzige Vorstand hat momentan das Ziel, die Eschweiler Bank für die Eschweiler Bevölkerung zu erhalten. Was man natürlich beobachten muss, ist die wirtschaftliche Situation.

Die aktuelle Marktsituation macht es uns nicht leicht, denn unser Hauptgeschäft ist das Zinsgeschäft. Wir sehen aber auch bei Institutionen, die fusioniert sind, dass eine Fusion alleine kein Allheilmittel ist. Eine Bank wird nicht automatisch besser, nur weil sie größer wird. Der direkte Bezug zum Kunden geht mit zunehmender Größe verloren.

Ihr Vorgänger Johannes Gastreich hat 30 Jahre lang die Geschicke der Bank geprägt, inwieweit treten Sie in seine Fußstapfen?

Rehfisch: Vieles in der Bank trägt die Handschrift von Herrn Gastreich; viele Impulse hat er gesetzt. Herr Gastreich war es auch, der mich vor 24 Jahren eingestellt hat. Ich habe viel von ihm gelernt. In die Fußstapfen zu treten, bedeutet, nicht voranzukommen. Wir müssen neue Wege gehen, denn das Bankgeschäft von heute ist nicht mehr das Bankgeschäft von vor 30 Jahren. Zu Beginn meiner Ausbildung nannte mich eine Kundin einmal: Guten Tag, Herr Bankbeamter! Damals hatte man als Bankkaufmann einen anderen Status.

Dies hat sich gewandelt. Das Image hat durch Vorfälle an anderer Stelle gelitten. In Folge dessen kann man kein Weiter-wie-bisher machen. Die guten Dinge der Vergangenheit, unsere guten Mitarbeiter, unser Ansehen in der Stadt und unsere Bekanntheit müssen wir in der Zukunft behalten. Es ist aber zu früh, um jetzt schon die großen Veränderungen anzukündigen. Ich bin mir aber sicher, dass wir im Team einen guten Weg finden werden, in Zukunft schnell und nah am Kunden zu sein und auch da mal Hilfe zu leisten, wo andere keine Hilfe mehr leisten. Wir wollen auch zukünftig ein verlässlicher Partner bleiben.

Wie verlief die Übergangszeit von Gastreich zu Rehfisch?

Rehfisch: Wir haben in den letzten Monaten viele gemeinsame Termine wahrgenommen. Wenn es um interne Dinge ging, wurde ich zunehmend eingebunden. Das ging reibungslos.

Hätten Sie sich zu Ihrem Abitur 1991 an der Liebfrauenschule vorstellen können, einmal im Anzug als Bankvorstand zu arbeiten?

Rehfisch: (lacht) Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Ausbildungsstelle schon…

Es war also schon lange klar, dass Sie Bankkaufmann werden?

Rehfisch: So kann man das auch nicht sagen. Ich hatte – wie viele Jugendliche heute auch nach dem Abitur – keinen klaren Zukunftsplan. Mir war allerdings klar, dass ich das Geschäft meiner Eltern nicht übernehmen werde. Allerdings bin ich dankbar für die Erfahrung, die ich im elterlichen Betrieb sammeln durfte. Dies hat mich sehr geprägt, weil ich weiß, was viele Menschen körperlich leisten müssen.

Klar war auch, dass ich kein Vollstudium anstreben wollte. Deswegen war klar, dass ich eine Ausbildung absolvieren möchte. Irgendwann meinte meine Mutter: Junge, geh zur Bank, dann hast du was Vernünftiges in der Hand. So kam ich zur Raiffeisen-Bank. Zuvor kam jedoch mein Wehrdienst – eine für mich schöne Zeit –, denn ich war glücklicherweise ortsnah eingesetzt.

Wie kam der Wandel, zielstrebig die Leiter in der Raiffeisen-Bank empor zu klettern?

Rehfisch: Dies ist im Laufe der Ausbildung gewachsen. Ich habe in dieser Zeit Ehrgeiz entwickelt, das berufsbegleitende Studium begonnen. Das war eine sehr anstrengende Zeit.

Bei Ihnen zu Hause warten eine Frau und vier Kinder – wie reagiert Ihre Familie auf die gewachsenen Aufgaben des Vaters?

Rehfisch: Zweifelsohne sind die Aufgaben gewachsen. Meine Frau ist zu Hause die Managerin, die sich auch um das private Umfeld kümmert. Das ist nicht ohne und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Meine Frau sagt in dem Zusammenhang immer gerne, sie sei Taxiunternehmerin für unsere Kinder. Natürlich bin ich nun häufiger nicht zu Hause, aber meine Familie hat sich immer mehr daran gewöhnt.

Viel Zeit bleibt für Hobbys nicht: Welche Dinge spielen dennoch außer Familie privat eine Rolle?

Rehfisch: Ich bin aktives Mitglied der Blauen Funken. Meine ersten Erinnerungen beziehen sich auf die Kindersitzung der Blauen Funken im Saal Flatten. Dort habe ich ein familiäres Umfeld, dort verbringe ich gerne meine Freizeit. Darüber hinaus bin ich Kassierer in zwei Fördervereinen. Mittlerweile treibe ich auch seit 26 Jahren Sport mit einer Hobbygruppe in der Liebfrauenschule. Dieser Termin geht mir über alles! (lacht)

Wofür bleibt denn keine Zeit mehr?

Rehfisch: Früher bin ich viel gelaufen, auch den Marathon. Inzwischen überwinde ich meinen „inneren Schweinehund“ nicht mehr so häufig. Ich bin auch gerne Motorrad gefahren, meine Maschine, eine BMW, die ich seit 1989 besitze, steht in meiner Garage. Zum Fahren komme ich leider nicht.

Wo sehen Sie sich beruflich in zehn Jahren?

Rehfisch: In der gleichen Position, mit meinem Kollegen, Herrn Schendzielorz, an der Spitze einer gesunden und von Kunden geschätzten Bank.

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