„Sun-Projekt”: Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte stehen im Mittelpunkt

Von: ran
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Unternehmer mit Migrationshint
Unternehmer mit Migrationshintergrund gründen nicht nur Gastonomiebetriebe: Inzwischen eröffnen sie auch häufiger Gewerbebetriebe und bieten Dienstleistungen anbieten Foto: imago/Kathrin Schubert

Eschweiler. Sie leben zum Teil seit Generationen in Eschweiler oder bereichern die Indestadt erst seit wenigen Jahren: Zuwanderer aus den verschiedensten Regionen, Ländern und Kontinenten haben hier eine Heimat gefunden. Und gar nicht so selten verdienen sie ihr Geld als Selbstständige.

Diese Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte standen nun im Mittelpunkt des Projekts „Sun - Sustainable Urban Neighboorhoods - Quartier mit Zukunft”, an dem sich neben Eschweiler auch die Städte Lüttich, Verviers, Genk, Eupen, Heerlen und Aachen, jeweils mit eigenen Projekten, beteiligten.

Seit Februar 2010 sammelte Dr. Wolfgang Joussen vom Büro B-Plan für sozialwissenschaftliche Analysen und Planungen in Kooperation mit der Stadt und der low-tec gGmbH als gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft unter der Überschrift „Ethnische Ökonomie” Daten zur Zuwanderungsgeschichte der Unternehmer.

Darüber hinaus wurden Existenzgründer intensiv betreut. Eines der Ergebnisse: Sechs neue Unternehmer mit Migrationshintergrund konnten seit Projektbeginn registriert werden.

„Der erste Schritt unseres Projekts sah die aktivierende Befragung der Selbstständigen mit Migrationshintergrund in den Bereichen Stadtmitte und Eschweiler-Ost vor. Dabei war uns nicht zuletzt Anahid Younessi als Mitarbeiterin von low-tec sehr behilflich. Sie ging zu den Menschen vor Ort und gewann schnell ihr Vertrauen, so dass schließlich 61 Gespräche ausgewertet werden konnten”, berichtet Dr. Wolfgang Joussen.

Weiterhin galt es, Informationsquellen für Existenzgründer mit Migrationshintergrund zu schaffen. So wurde im „GeTeCe” an der Gartenstraße eine Beratungsstelle installiert. „Zuwanderer gründen Unternehmen oft auf andere Art und Weise, als Deutsche dies tun”, betont der Sozialwissenschaftler.

Neben der individuellen Beratung stand auch die Vernetzung der Unternehmer untereinander im Mittelpunkt. „Existenzgründer haben oft mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und können sich gegenseitig unterstützen. Darüber hinaus bietet ein solches Netzwerk eine Zeit lang auch eine Art Schutzraum.” In absehbarer Zeit soll das „Sun-Netzwerk” aber auch in Netzwerke mit deutschen Unternehmern integriert werden.

„Als Ergebnis können wir bilanzieren, dass Unternehmer mit Migrationshintergrund neben Gastronomie- und Einzelhandelsbetrieben inzwischen auch häufiger Gewerbebetriebe eröffnen und auch wissensintensive Dienstleistungen anbieten. Dabei besetzen sie nicht mehr die Nischen am Stadtrand, sondern sind häufig auch in der Innenstadt zu finden.”

Meistens handele es sich um kleine, nicht selten um Familienbetriebe, in denen allerdings bisher nur wenige Ausbildungsplätze angeboten würden. „In Sachen Kundschaft ist festzustellen, dass zum Beispiel der türkische Unternehmer keinesfalls nur Landsleute anspricht. Die ethnische Ökonomie bedient inzwischen ein gesamtstädtisches Publikum”, so Wolfgang Joussen.

Annette Groneberg, Leiterin der Abteilung „Gesellschaftliche Projekte” bei der low-tec gGmbH, betont nicht zuletzt den sozialen Aspekt des Projekts: „Die Unternehmer wollten darlegen, wie wichtig es ihnen ist, sich zu öffnen und zeigen, dass alle Menschen willkommen sind. Darüber hinaus sind sie auch stolz auf das Erreichte und möchten unterstreichen, dass sie in Eschweiler zu Hause sind.”

In die gleiche Kerbe schlägt mit Hermann Gödde auch der Erste Beigeordnete der Stadt Eschweiler: „Ein wichtiger Faktor dieses Projekts war, den Unternehmern mit Zuwanderungsgeschichte Anerkennung, Wertschätzung und Unterstützung entgegenzubringen. Dies fördert die Bereitschaft der Unternehmer, sich noch mehr in die Gesellschaft einzubringen.”

Entscheidend sei, dass bei nachhaltiger Stadtentwicklung immer der Mensch im Vordergrund stehen müsse. Peter Brendel, Geschäftsführer der low-tec gGmbH, nennt einen weiteren Aspekt. „Immer wieder hören wir von Bewohnern des Stadtteils Ost, dass bei früheren Bewerbungen schon ihre Adresse zu einer Ablehnung geführt habe. Dies hat sich inzwischen stark verändert.”

Am 30. Juni geht das Projekt „Sun” nun zu Ende. Doch bis dahin haben alle Beteiligten zwei Daten rot in ihren Terminkalendern angestrichen: Am Donnerstag, 14. Juni, steht zunächst die Abschlusskonferenz in Lüttich auf dem Programm, bei der auch die indestädtische Initiative, unter anderem von den Unternehmern selbst, vorgestellt werden wird.

Am Mittwoch, 20. Juni, steigt dann die Abschlussveranstaltung im GeTeCe in der Gartenstraße, bei der ab 18 Uhr die Ergebnisse, darunter auch ein 20-minütiger Film zum Projekt, noch einmal der Öffentlichkeit präsentiert werden. Um schwarz auf weiß zu zeigen: Die „Ethnische Ökonomie” bereichert das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben Eschweilers.

Die Mitwirkenden des „Sun-Projekts” in Eschweiler zum Thema „Ethnische Ökonomie” waren: Dr. Wolfgang Joussen (Büro B-Plan für sozialwissenschaftliche Analysen und Planungen); Peter Brendel, Annette Groneberg, Anahid Younessi (low-tec gGmbH); Marek Voegele (Filmerische Umsetzung); Peter Toporowski („Sun-Koordinator” der Stadt Eschweiler); Rene Schulz (Amt für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus der Stadt Eschweiler); Jürgen Rombach, Tamara Hartel, Anne Weiland (Abteilung für Integrationsangelegenheiten der Stadt Eschweiler); als Unternehmer: Ramazan Öztürk, Özdal Hayati, Susi Gülec, Mohamad Waris, Dr. Parviz Mamadi, Nasrin Mamadi, Seher Cifci, Mehrdad Leylamian, Harbhajan Ghuman, Ula Leylamian, Conny Emmerich, Ali Rezai, Mehran Teimouri, Mahnaz Teimouri, Yasemin Turhan-Sahintürk, Roman Leylamian.
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