Eschweiler-Hastenrath - Süß-säuerliche Reise durch das Apfelparadies

Süß-säuerliche Reise durch das Apfelparadies

Von: Laura Laermann
Letzte Aktualisierung:
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Am Ende des Monats wird auch der Winterapfel Braeburn geerntet. Sandra und Hubert Hillemacher erklären den Besuchern, was alles bei der Apfelbaumpflege zu beachten ist.
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Mit dem Apfelexpress über die Edelobstplantage: Eigentlich werden in den Kisten jeweils bis zu 300 Kilogramm geerntete Äpfel transportiert. Dieses Mal dürfen unsere Leser hier Platz nehmen. Foto: Laura Laermann

Eschweiler-Hastenrath. Auch an diesem grauen, verregneten Tag leuchten die Äpfel an den Bäumen in sattem rot. Mit dem Erntewagen geht es über die riesige Obstplantage. Auch wenn die Fahrt etwas ruckelig ist, kann man von einem besonderen Erlebnis der fruchtigen Art sprechen. 20 Leser unserer Zeitung besuchten die Edelobstplantage der Familie Hillemacher in Hastenrath.

Seit über 60 Jahren baut der Familienbetrieb Apfelbäume an. Auf über 20 Hektar Land wachsen rund 25 Apfelsorten an 30.000 Bäumen sowie Birnen, Erdbeeren, Kirschen und Pflaumen an 10.000 weiteren Bäumen. Eigentlich macht die Familie keine Führungen, und so ist der Ausflug auch für Maria Hillemacher, Sohn Hubert und Tochter Sandra eine neue Erfahrung. Der Erntewagen, der aus großen Lagerkisten für die Äpfel besteht, wird zum Transportmittel für unsere Leser umfunktioniert. Immer zu viert geht es in eine Apfelkiste. Als alle sicher sitzen, fährt der „Apfelexpress“ hinauf auf die Plantage bis zu den Baumreihen der Sorte Braeburn. Dieser saftige Apfel gehört zu den Wintersorten und wird erst Ende November geerntet.

Landwirt Hubert Hillemacher, der den Betrieb in dritter Generation übernommen hat, erklärt, was ein Apfel braucht, um gut zu wachsen. „Genügend Sonne und Wasser im Boden sind sehr wichtig. Frost in der Blütezeit und zu viel Hitze sind stattdessen kontraproduktiv.“ Sandra Hillemacher-Boese, die Schwester des Landwirts, zeigt die Folgen von zu viel Sonne und hält einen Apfel mit einer schwarzen, verbrannten Stelle hoch. Diagnose: Sonnenbrand und damit je nach Schweregrad auch für die Saftproduktion nicht mehr geeignet. Ideal gelten Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad, alle zwei Wochen sollte es regnen.

Bevor ein Apfelbaum überhaupt in den Boden eingepflanzt wird, wächst er ein Jahr lang in einem Topf heran. Danach benötigt er zwischen zwei und vier Jahren, bis er „gut trägt“, also viele Früchte hergibt. Bei der Baumpflege gibt es einiges zu beachten: „Der Baum braucht Luft und Licht. Er muss daher locker geschnitten werden“, erklärt Hubert Hillemacher. „Um das Wachstum zu begünstigen, werden die Äste nach unten an einen Pfahl gebunden, der parallel zum Stamm steht.“ Äpfel, die zu früh herunterfallen, soll man einfach liegen lassen, da sie zu nährstoffreichem Humus für die Bäume werden. Um zu erkennen wann ein Apfel reif ist, muss man zunächst zwischen Pflückreife und Genussreife unterscheiden. „Die Pflückreife ist gleichzustellen mit dem optimalen Ernte-Zeitpunkt. Dieser ist abhängig von der Stiellöslichkeit, Fruchtfleischfestigkeit, dem Stärkeabbau, der Fruchtform und -farbe des Apfels“, erklärt Hubert Hillemacher. In einem Alter von 20 Jahren hat der Apfelbaum seine besten Erntejahre hinter sich und erfüllt nicht mehr die geforderte Apfelqualität.

Nach viel Regen und Matsch auf der Plantage geht es wieder mit dem Wagen hinunter zu der 200 Jahre alten Hofanlage. „Es war sehr interessant und für mich das erste Mal. Hätte das Wetter mitgespielt, würde ich gerne noch mehr von der Plantage und von anderen Apfelsorten sehen“, sagt Irmgard Bardt, Leserin aus Aachen. Wenn auch nicht auf der Plantage, warten die anderen Apfelsorten bereits in der 700 Quadratmeter großen Obsthalle auf die Besucher. Hier hat Familie Hillemacher drei große Tische mit allen Apfel- und Birnensorten vorbereitet. Zu den Apfel-Frühsorten, die Anfang August geerntet werden und nur drei Monate gelagert werden können, gehören Discovery, Delbar und James Grieve. Typische Herbstsorten sind Alkmene, Cox Orange und Gala. Ganz jung ist der Winterapfel Wellant, der als besonders fruchtig, süß-säuerlich und saftig beschrieben wird und immer wieder Thema an diesem Tag ist. Dieser Sorte wird viel Marktstärke vorausgesagt: „Der Wellant wird den Boskoop ersetzen“, erklärt Hillemacher. „Man kann ihn sehr vielseitig einsetzen, zum Beispiel beim Backen und Kochen. Geschmacklich übertrifft er den Boskoop sogar.“ Dieser gehört wie der Cox Orange oder der vitaminreichste Apfel Roter Berlepsch, den es schon seit 100 Jahren gibt, zu den ältesten Sorten.

Jeder hat die Möglichkeit die verschiedenen Apfel- und auch einige Birnensorten zu probieren. Auch der hauseigener Schnaps und klarer oder naturtrüber Apfelsaft können verkostet werden. Apfel für Apfel testen sich unsere Leser durch und stellen Familie Hillemacher alle Fragen, die noch offen sind. Auch ein Blick in den Hofladen und in das riesige Kühllager lohnt sich. Bei circa 0 bis 1 Grad gehen die Äpfel hier in den Winterschlaf und halten bis zu einem Jahr. Dass hier Äpfel gelagert werden, ist kaum zu verkennen durch den intensiven Apfelgeruch. Auch zu Hause empfiehlt Sandra Hillemacher die Äpfel kühl zu lagern: „Am besten im Gemüsefach. Bei Zimmertemperatur verlieren die Früchte innerhalb kurzer Zeit wertvolle Inhaltsstoffe, wie Zucker, Säure, Aroma und Vitamine.“

Trotz weniger schönem Wetter, war der Ausflug dennoch für alle eine genussvolle und lehrreiche Erfahrung. „Ich habe mich sehr auf den Tag gefreut und fand die Führung mit den ausführlichen Erklärungen gelungen“, resümiert Günter Thoma aus Gressenich. „Es ist hier wie im Paradies.“

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