Südamerikas Top-Adresse: made am Markt

Von: Rudolf Müller
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Produziert mehr Energie als es verbraucht: das neue Headquarter der „Transoceanica“-Unternehmensgruppe im chilenischen Santiago, enstanden an den Zeichentischen von Krause-Bohne am Eschweiler Marktplatz.
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Gebäude ohne rechten Winkel: die Lobby des Hanga Roa Eco Village Resorts.
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Von Eschweiler aus in Dutzenden Ländern der Erde tätig: Planer Tom Krause.
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Organische Formen: Die Baumstämme für die Säulen der Lobby des Hanga Roa-Resorts mussten über 2000 Kilometer aus Chile geholt werden.

Eschweiler. Wer von Eschweiler aus Richtung Ostern aufbricht, der ist 25 Stunden unterwegs. So lange dauert die Reise von der Inde an den „Großen Strand“. Großer Strand, das heißt in der Sprache der Ureinwohner Hanga Roa. Und der liegt an der Südwestspitze der mythenumwobenen Osterinsel inmitten des Südostpazifiks.

Eine Insel, die vor Jahrzehnten der norwegische Anthropologe und Abenteurer Thor Heyerdahl aus der Vergessenheit holte, deren martialischer Vergangenheit Kevin Costner in seinem Film-Epos „Rapa Nui“ ein Denkmal setzte, und die Tom Krause jetzt zukunftsfit machte. Der Eschweiler Architekt ist derjenige, der bei Hanga Roa das führende Hotel-Resort „Hanga Roa Eco Village & Spa Resort“ schuf, das vor wenigen Wochen offizielle Eröffnung feierte.

Ein tausend Jahre altes Dorf an den Hängen des Vulkans Rano Kau war für Krause das Vorbild für die Hotelanlage, in der die Gebäude an auf den Kopf gedrehte Boote erinnern. „Das Resort, in dem alle Zimmer eine Terrasse mit Meersicht haben, verfolgt einen ganzheitlichen Aspekt, in dem Natur und Umwelt in das Projekt mit einbezogen wurden. Deshalb werden innerhalb der Anlage auch ein Museum zur Geschichte der Insel und verschiedene Kurse in Kunsthandwerk angeboten“, erläutert Krauses Partnerin Astrid Bohne.

Der Bau einer Hotelanlage mit allen Annehmlichkeiten modernster Technik ausschließlich mit Materialien, die auf der Insel selbst zu finden sind, stellte eine ganz besondere Herausforderung dar: „Beton, Ziegel, Aluminium – das alles war tabu. Und weil die gesamte Insel von der Unesco unter Schutz gestellt ist, durften wir noch nicht einmal Material von der Insel verwenden. Da durfte keine Schippe Sand vom Strand genommen werden – alles musste über tausende Kilometer von Chile hergeholt werden“, erklärt Krause die fast dreijährige Bauzeit des 80-Millionen-Dollar-Projekts. „Da ist fast alles von Hand, ohne Maschinen gebaut worden. Und fast die ganze Insel“ (die heute rund 3800 Einwohner hat) „hat mitgearbeitet.“

Das Besondere an dem Hotel samt Nebenanlagen: In dem organisch, fast anthroposophischen Entwurf, der die von der Natur vorgegebene Formensprache der Insel respektiert, findet sich kein rechter Winkel. Wohl aber Tom Krauses „Markenzeichen“ – ein Leuchtturm. Kleiner Wermutstropfen in Krauses Freudenbecher: „Der Leuchtturm durfte nicht höher werden als dort die Palmen wachsen. Und die werden nicht allzu hoch. Und: Leuchtturm durfte das Gebäude, das heute Gastronomie beherbergt, auch nicht heißen – weil die Insel nie einen solchen hatte.“

Bauherr des Top-Resorts war die chilenische „Transoceanica“, eine seit 40 Jahren tätige Investmentgesellschaft, zu deren Unternehmen Containerschiffe ebenso gehören wie Spitzenhotels, Brauereien, Weingüter und Mineralwasserlieferanten. Die Manager des Konzerns waren von den Ideen des Eschweiler Architekten, der in Santiago ein Büro unterhält, so angetan, dass sie Krause-Bohne gleich mit dem Bau des neuen Konzern-Headquarters in Santiago beauftragten. Ein in einem künstlichen See „schwimmendes“ Gebäude, dessen Fassade durchaus Ähnlichkeit mit einem der Containerschiffe des Konzerns aufweist – wenn auch die Fassadengestaltung mit vor Sonne schützenden Hartholz-Lamellen ungleich edler erscheint.

Gerade erst eröffnet, ist das neue „Transoceanica“-Domizil schon jetzt Lehrbeispiel in deutschen Architektur-Studiengängen. Nicht zuletzt deshalb, weil es das erste „Leed“-zertifizierte Gebäude in ganz Lateinamerika war und damit höchsten ökologischen Ansprüchen Genüge tat. Der in Eschweiler entworfene, über Geothermie versorgte 40-Millionen-Dollar-Bau mit rund 7000 Quadratmetern Büroflächen ist ein „Energie-plus“-Gebäude. Das heißt: Es produziert mehr Energie als es verbraucht. Dass dem so ist, ist nicht zuletzt der Mitwirkung von Astrid Bohnes Bruder zu verdanken: Professor Dr.-Ing. Dirk Bohne gilt als Kapazität in Sachen Versorgungstechnik und überwacht auch in den kommenden Jahren per Fern-Monitoring die Energiesituation des Gebäudes.

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