Eschweiler - Südafrikanische Austauschschülerin: Einmal echten Schnee erleben

Südafrikanische Austauschschülerin: Einmal echten Schnee erleben

Von: Laura Laermann
Letzte Aktualisierung:
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Lernen eine neue Kultur kennen: die Südafrikanerin Elané Kruger und ihre Eschweiler Gastschwester Shirley Döring (links). Foto: Laura Laermann

Eschweiler. Zum ersten Mal sitzt Elané Kruger in einem Flugzeug und zum ersten Mal verlässt sie ihren Kontinent Südafrika. Mit gemischten Gefühlen kommt sie in Deutschland an: Neugierde und Heimweh begleiten sie die ersten Tage. In Eschweiler ist vieles anders als in der Heimat.

Die vielen glatten Straßen, die schmalen, hohen Häuser und die kleine Felder zwischen den Ortschaften bilden eine ganz eigene Landschaft. Auch die Kommunikation mit ihrer Gastschwester Shirley Döring fällt anfangs schwer.

Die beiden Mädchen nehmen an dem Austauschprogramm des FSA (Freundeskreis Südafrika) teil. Vier Wochen lang besuchen sich beide in ihren Heimatländern, und werden „ein Familienmitglied auf Zeit“. Zunächst lebt Elané bei Familie Döring in Eschweiler, in den Sommerferien fliegt Shirley nach Secunda in Mpumalanga zu Familie Kruger. Für beide Mädchen ist die weite Reise ein Abenteuer mit vielen neuen Eindrücken. Da ist es normal, wenn in den ersten Tagen, müde vom Jetlag, ein wenig Heimweh aufkommt. „Das war für mich das erste Mal, dass ich ohne meine Familie verreist bin“, erzählt die 16-jährige Elané Kruger.

Mittlerweile fühlt sie sich pudelwohl bei ihrer Gastfamilie. Die Barrieren sind gebrochen und Unsicherheiten in der Sprache nebensächlich. „Shirleys Englisch ist immer besser geworden“, lobt die afrikaanssprechende Elané ihre neue Freundin. Für beide ist es neben dem Sprachtraining noch viel mehr, was sie sich von dem Auslandaufenthalt versprechen: „Ich möchte die Kultur, das Essen und die Tierwelt in Südafrika kennenlernen“, sagt Shirley Döring. Für Elané stand dagegen im Vordergrund, neue Leute kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen.

Als sie Shirley in die Schule begleitete, hatte sie viele neugierige Schüler um sich herum. Als Teil des Austauschprogramms hielt sie in fünf Klassen einen Vortrag über ihr Heimatland. „Die anderen Jugendlichen waren sehr offen und kommunikativ. Sie wollten vieles über Südafrika wissen und haben mir einige Fragen gestellt“, erzählt Elané. Der Schulalltag in Deutschland unterscheidet sich dabei nicht wesentlich zu dem in Südafrika. Deutlich skurriler war das Weihnachtsfest für die Südafrikanerin. Anders als hierzulande feiert man in ihrer Heimat erst am 25. Dezember Weihnachten. Dass Familie Döring an diesem Tag jedes Jahr ins Phantasialand fährt, ist wohl nicht nur für Elané eine Besonderheit.

Besuch der Weihnachtsmärkte

Zuvor hat sie mit der Familie mehrere Weihnachtsmärkte in Monschau, Falkenburg und Düren besucht. Bratwurst, Crêpe und Maronen waren dabei ein einmaliges Erlebnis für die Südafrikanerin. „Sie hat alles ausprobiert und war begeistert von der weihnachtlichen Atmosphäre“, erzählt Mutter Bianca Döring. Als gläubige Christin war es ihre ein besonderes Anliegen, an Weihnachten in die Kirche zu gehen. Gastschwester Shirley war zunächst nicht überzeugt, rang sich aber für ihre Freundin dazu durch und begleitete sie sogar jeden Sonntag. Aus anfänglicher Scheue ist eine wahre Freundschaft gewachsen.

Genau das ist das Ziel des Schüleraustauschs. „Wir möchten, dass Freundschaften entstehen und die Jugendlichen voneinander lernen“, sagt Petra Jacobi, Geschäftsführerin des Freundeskreises Südafrika in Bielefeld. „Mit anderes Worten: Es ist ein Jugend-Kulturaustausch“. Vor rund 20 Jahren initiierte ein südafrikanischer Deutschlehrer das Projekt und überzeugte Jacobi von seiner Vision: Nach 40 Jahren Apartheid sollte es endlich allen Jugendlichen möglich sein, über die Grenzen hinaus zu blicken und ein anderes Land kennenzulernen. Jeder Schüler zwischen 14 und 18 Jahren kann an dem Projekt teilnehmen und sich beim Freundeskreis Südafrika bewerben. Dabei ist es nicht Pflicht und nur eine Option, auch einen anderen Schüler aufzunehmen. Der FSA gleicht das Alter und die angegebenen Interessen ab und teilt die Jugendlichen einander zu.

Bei Shirley und Elané stimmte zwar vieles überein, doch bei Erzählungen stellten sie schnell fest, das man unterschiedliche Interessen in Deutschland und Südafrika hat. Safari und die Jagd auf Antilopen sind in Südafrika ein weit verbreitetes Hobby, erzählt die 16-Jährige Elané. Für Shirley eine schockierende Vorstellung. Bevor man sich jedoch in die große, weite Welt wagt, findet ein Vorbereitungs-Workshop statt, in denen den Jugendlichen Grundlegendes erklärt wird.

Welche Dokumente brauche ich, wie packe ich meinen Koffer richtig für das andere Land und wie läuft der Aufenthalt ab? Während des Aufenthalts stehen vor allem die Eltern in engem Kontakt. Die Familien erklären sich in der Zeit des Aufenthalts bereit, Kost und Logis für den Gastschüler zu übernehmen. Ob und wie viele Ausflüge man gemeinsam unternimmt, steht jedem frei. Während sich Shirley auf eine Safari und einen Trip in den Kruger-Nationalpark freut, bleibt Elané nur noch eine Woche in Deutschland.

Auch wenn es für die 16-Jährige schon ein sehr kalter Aufenthalt war, möchte sie unbedingt noch eines miterleben: den ersten Schnee.

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