Stufe mit Herz sagt Schule adieu

Von: Michael Cremer
Letzte Aktualisierung:
abistädtfo
Die Abiturientia 2010 des Städtischen Gymnasiums. 82 Schülerinnen und Schüler nahmen am Freitag ihre Zeugnisse entgegen. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Es war eine schöne, abwechslungsreiche Feier, in deren Mittelpunkt 82 junge Menschen standen, für die ein Lebensabschnitt zu Ende ging und ein anderer begann. Das Städtische Gymnasium entließ am Freitag seine Abiturientia 2010.

Für Schulleiter Ulrich Reinartz war es ein Abschied im doppelten Sinne. Mit Ende des Schuljahres geht auch er nach 37 Dienstjahren in den Ruhestand.

Weil er, Ulrich Reinartz, und auch Bürgermeister Rudi Bertram, der wie immer bei solchen Gelegenheiten ein Grußwort an Schule, Schüler und Angehörige richtete, die Woche zuvor „Rockin„ Roncalli” mit den Höhnern besucht hatten, griffen beide zu einem Abschiedsgruß, der rheinischer nicht sein könnte: „Maat et jot!” Die Feier in der Aula, im Anschluss an einen ökumenischen Gottesdienst in St. Peter und Paul, war durchwoben von pointierten Wortbeiträgen - mal heiter, mal mahnend, aber immer mit Geist und getragen von der Zuversicht, dass die jungen Leute ihr Leben meistern werden. Im Mittelpunkt stand die in Zügen süffisante und erfrischend konkrete Rede des Schulleiters an die „Stufe mit Herz”, wie er sie nannte, „die nicht lange vorher abwägt, sondern spontan, manchmal scheinbar chaotisch, keineswegs aber ohne Verstand, das Notwendige - oft im letzten Augenblick - aber letztlich dann doch noch rechtzeitig und vor allem erfolgreich angeht”.

Dem Abiturjahrgang 2010 attestierte er eine ausgesprochene Begabung zum Feiern, einen „zumeist unerschütterlichen Optimismus” und vor allem Leidenschaft. Die habe er auch bei seinen Abiturienten auf einem bildungspolitischen Forum mit Landtagsabgeordneten vor der Wahl erlebt. „Denn sie haben sich nicht durch Worthülsen oder schablonenartige Statements beeindrucken lassen.”

Dann wandte er sich direkt an seine Schüler: „Unmissverständlich war eure Kritik an einzelnen Politikern zu vernehmen, an deren öffentlichem Auftreten und an deren enttäuschend unkonkreten Aussagen.” Reinartz ging vor allem mit der Bildungspolitik ins Gericht und sprach offen die Missstände an. Die Hochschulreform habe „in geradezu grotesker Weise das Gegenteil ihrer Intentionen erreicht. Statt kreativer Aufbruchstimmung produzierte sie lähmende Apathie, statt kreativer Köpfe beförderte sie fachliche Dünnbrettbohrerei.” Reinartz lobte die „Re-Politisierung” der Jugend, die in der Krise zunehmend nicht mehr für abstrakte Ziele, sondern für ganz konkrete Forderungen eintrete. Wohlwissend, dass es die alten Gewissheiten nicht mehr gibt. Er wünschte seinen Abiturienten „leidenschaftliche und beherrschte Entschlossenheit bei der Verfolgung guter Ziele” und ein Gefühl für die Gemeinschaft.

Auf ihre Zeit am Städtischen blickten für die Abiturentia 2010 Yasmin Beetz und Thomas Klosky ebenso humorvoll zurück, wie es zuvor Gert Olivier getan hatte. Der Sprecher der Goldjubilare - auch sieben „diamantene” Jubilare des Jahrgangs 1950 waren erstmals vertreten -Êließ die jungen „Kollegen” wissen, dass „Damen an der Penne früher verpönt” waren und dass es 13 mündliche Abifächer gegeben habe; die Prüfungen seien schlichtweg „ein Mysterium” gewesen, da man nur habe ahnen können, in welchem Fach man denn nun an die Reihe kam.

Humorvoll ging es auch in dem kurzen Sketch „Schiller und Schaller” zu, den Jan Friederichs und Laura Nobis einstudiert hatten. Die Abiturientia hatte noch eine Überraschung für ihre „Lieblingslehrer” parat, die die Schüler namentlich auf die Bühne baten und als kleines Dankeschön mit einem ein Präsent bedachten. Zu den Beschenkten zählte ebenso Ulrich Reinartz wie Beratungslehrer Dr. Manfred Vogt, der seinerseits einen Abschiedsgruß an die Schüler richtete. Nach der Ausgabe der Abiturzeugnisse verliehen Rudi Bertram und der Vorsitzende des Fördervereins der Schule, Helge Dickmeis, die Preise der Peter-Liesen-Stiftung. Diese gehen in jedem Jahr an besonderes verdiente Schüler und konkret im Jahr 2010 an Laura Nobis und Maria Graff.

Die musikalischen Punkte setzten Angelique Kunze, Jana Otto und eben Maria Graff, die zur Gitarrenbegleitung von Philipp Schmalen das Stück „Disturbia” sangen, sowie natürlich das Schulorchester unter der Leitung von Peter Schultz, das mit Auszügen aus Händels Feuerwerksmusik aufwartete und ebenso reichlich Applaus dafür erhielt. Mit dem anschließenden Umtrunk war der Tag noch lange nicht zu Ende. Am Abend fand in der Festhalle Dürwiß der Abiball statt - feiern können sie eben gut.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert