Student Tom Junk: Ausgezeichnet für Arbeit zum Syrien-Konflikt

Von: Tobias Röber
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Rund um den Globus unterwegs: Tom Junk hat schon viele Länder gesehen und jetzt eine Arbeit über den Syrien-Konflikt geschrieben. Foto: T. Röber

Eschweiler-Dürwiß. „Oft habe ich letztes Semester in der Leonardo-Veranstaltung gesessen und mich gefragt, warum lassen wir es zu, dass bis heute 80.000 Menschen, darunter Frauen und Kinder in einem blutigen Konflikt sterben?“ Die 80.000 Menschen sind in Syrien ums Leben gekommen, und Tom Junk aus Dürwiß, 29 Jahre alt, heißt der Student, der sich eben diese Frage auch nach wie vor stellt.

Im Rahmen des Projekts Leonardo der RWTH Aachen hat er eine Arbeit zum Syrien-Konflikt geschrieben, die jetzt ausgezeichnet wurde. Tom Junk studiert Politik- und Kommunikationswissenschaften. „Internationale Beziehungen und Völkerrecht finde ich sehr interessant“, sagt er. Politisch interessiert ist er schon sehr lange. Bereits als Fünftklässler hat er intensiv Zeitung gelesen und sich für politische Zusammenhänge interessiert.

Junk war in Syrien selbst noch nicht, hat aber bereits zig Länder bereist. Seit 2007 ist er Flugbegleiter. In Israel war er schon, auch in Ägypten, in Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Mit dabei hat er bei seinen Reisen stets eine Kamera, und die ist gewissermaßen seine Eintrittskarte in die fremde Welt. „Wenn ich dort fotografiere, werde ich meistens von den Menschen angesprochen. Die Leute dort sind viel offener und gastfreundlicher als in Deutschland“, erzählt der 29-Jährige und nennt ein Beispiel. Es komme dort nicht so oft vor, dass ein Westeuropäer mit einer Kamera unterwegs sei. Ein Gespräch komme daher meist schnell zustande, manchmal folge eine Einladung zu einem Tee. Über Themen wie Fußball gehe es dann irgendwann immer auch um die Konflikte in den Ländern.

Tom Junk lernt aber nicht nur in den Ländern selbst interessante Menschen kennen. Auch die Flüge bieten die Möglichkeit zu spannenden Gesprächen. Etwa mit amerikanischen GI‘s, über die Tom Junk sagt: „Viele sind gebrochene Personen. Das sieht man an ihren Gesichtern, an ihren Augen.“

Aber warum hat er sich in seiner Arbeit ausgerechnet mit dem Syrien-Konflikt beschäftigt? „Wie viele andere Menschen, so habe auch ich mich gefragt, warum die Weltgemeinschaft auf den Syrien-Konflikt auf ganz andere Weise reagiert hat, als auf die Rebellionen in Tunesien, Ägypten und vor allem Libyen“, so Junk. Syrien sei im Vergleich zu Libyen arm an Bodenschätzen und deshalb wirtschaftlich uninteressant, fährt er mit einer Erklärung fort. „Kein Öl, kein Geschäft, keine Hilfe – so die einfache Logik der meisten meiner Gesprächspartner. Selbstverständlich spielen bei der Abwägung, ob man in einen Konflikt eingreifen soll oder nicht, auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Wer das bestreitet ist naiv.“

Bei der Betrachtung des Konflikts müsse man die Besonderheiten dieses komplexen Landes, das mit einer Fläche von 185.000 Quadratkilometern etwa halb so groß wie Deutschland ist, berücksichtigen. Die syrische Gesellschaft unterteilt sich in mehr als 15 religiöse und ethnische Gruppen. Neben der arabischen Mehrheit leben auch Kurden, Armenier, Turkmenen, Tscherkessen, Aramäer und Assyrer dort.

Auch konfessionell ist Syrien in viele verschiedene Gruppen unterteilt. so spaltet sich die christliche Minderheit (etwa zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung) etwa in griechisch-orthodox, maronitisch, chaldäisch, armenisch-katholisch, armenisch-orthodox, assyrisch und protestantisch auf. Die Muslime stellen mit 85 bis 90 Prozent die Mehrheit unter den Glaubensgemeinschaften. Auch rund eine halbe Million palästinensische und irakische Flüchtlinge leben in Syrien.

„Diese Vielfalt ist für Syrien Fluch und Segen zugleich“, so Junk. Der soziale und kulturelle Reichtum berge die Gefahr einer Instrumentalisierung in Zeiten des Konflikts. Ein großes Problem Syriens: Nahezu alle Schlüsselpositionen in der Verwaltung und im Militär sind bis heute von der Assad nahestehenden Personen besetzt.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Es gab erste vorsichtige Proteste, die sich steigerten und zu dem Konflikt führten, der nach UN-Schätzungen bislang 80.000 Menschenleben forderte.

„Was kann ich als junger Student tun, um einen Beitrag zu leisten zu einer neuen Entwicklung?“, fragt sich Junk und fährt fort: „Waren es nicht die Lehren des 20. Jahrhunderts, die gerade uns Deutsche zu dem Ausspruch und der Geisteshaltung des ‚Nie wieder!‘ geführt haben?“

Im Wintersemester geht das Leonardo-Projekt, das nach Leonardo da Vinci benannt ist, in seine nächste Runde. Der Titel des einen Moduls lautet: „Dialog der Kulturen: China“. Tom Junk will an diesem teilnehmen und sich natürlich weiterhin für die Belange der Menschen einsetzen oder zumindest auf Konflikte und Missstände aufmerksam machen.

Im kommenden Jahr will Tom Junk sein Studium abschließen. Sein Ziel: eine Anstellung beim Auswärtigen Amt.

Seine Arbeit über den Syrien-Konflikt schließt er mit einem Satz Mahatma Gandhis: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst.“

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