Streit zwischen Busfahrer und Mitreisender: Verfahren eingestellt

Von: nai
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Eschweiler. Das Strafverfahren gegen einen Eschweiler Busfahrer, der eine Mitreisende handgreiflich aus dem Bus gezerrt und verletzt haben soll, ist am Freitag gegen eine Zahlung von 500 Euro vom Amtsgericht Eschweiler eingestellt worden.

Die Geschädigte hatte angegeben, dass der Busfahrer selbst dann nicht von ihr abgelassen habe, als sie sich ihren Arm, der zwischen Haltestange und der vor dem Sitzplatz angebrachten Plexiglasscheibe klemmte, gebrochen habe. Der Busfahrer bestreitet den Vorfall. Da es keine Zeugen gibt und die Aussagen der Beteiligten weder bestätigt noch widerlegt werden konnten, entschied das Gericht, das Verfahren einzustellen.

Den vermeintlichen Vorfall am 20. Februar 2016 schildert die 62-jährige Rosemarie S. so: Sie stieg an dem regnerischen Tag an der Haltestelle Röhe Kirche ein und setzte sich in die erste Sitzreihe auf der rechten Seite in Fahrtrichtung. Als sie sich schnäuzte, soll der Busfahrer sie aufgefordert haben, sie möge sich doch in den hinteren Bereich setzen oder aussteigen, da sie krank sei, damit er sich nicht anstecke. „Ich bin nicht krank und ich setze mich nicht nach hinten“, soll Rosemarie S. daraufhin gesagt haben. Nach einer erneuten Aufforderung des Busfahrers soll sie ihm geraten haben, doch die Aseag oder die Polizei zu rufen, wenn er sie nicht transportieren wolle.

Der Busfahrer soll daraufhin aus dem Bus gestiegen sein und telefoniert haben. Dann sei der Fahrer wieder eingestiegen und weiter zur Haltestelle Lederfabrik gefahren. Dort habe er ohne Vorwarnung kräftig und unvermittelt auf die Bremse getreten und sei regelrecht aus seiner Kabine heraus auf sie gesprungen, habe sie am Arm gezerrt, um sie aus dem Bus zu werfen. Dabei habe sie sich den Arm gebrochen.

Die Version des Busfahrers unterscheidet sich stark von der Schilderung der Frau: Sie soll sehr stark gehustet haben, darum habe er sie gebeten, sich nach hinten zu setzen, damit er sich nicht anstecke. Schließlich, nachdem sie gesagt habe, sie würde die Aseag anrufen und mit dieser Geschichte an die Presse gehen, habe er versucht, die Leitstelle der Aseag anzurufen. Dort sei besetzt gewesen, deshalb habe er sich an die Polizei gewandt, die ihm zu verstehen gegeben habe, dass sie ihm ohne Straftat nicht helfen könne.

Er sei daraufhin wieder in den Bus gestiegen und habe beschlossen, nichts mehr zu sagen. Rosemarie S. soll allerdings geschimpft haben: Was das denn für Zustände seien, in diesem Land. Und sie soll ihn als „Blödmann“ und „Drecksack“ bezeichnet haben. Daraufhin habe er an der Haltestelle Lederfabrik gehalten, die Türen geöffnet und ihr gesagt, dass er nicht weiterfahre. Sie könne sitzen bleiben oder aussteigen. Rosemarie S. sei ausgestiegen, habe aber ihren Schirm vergessen, da sei er noch aufgestanden und habe ihr den Schirm gegeben. „Du wirst schon sehen, was du davon hast, du Drecksau“, soll sie gesagt und ihn anschließend bespuckt haben.

Am Bushof habe die Polizei auf ihn gewartet, wo er auch eine Anzeige gegen Rosemarie S. aufgab. Daraufhin habe der Staatsschutz gegen Rosemarie S. wegen ausländerfeindlicher Aussagen ermittelt. „Sie hat so viel geredet und gar nicht mehr aufgehört, dass ich nicht mehr genau weiß, was sie alles gesagt hat. Ich kann mich an keine ausländerfeindlichen Sprüche erinnern“, sagte der Busfahrer am Freitag vor Gericht aus.

Die Aussagen von Rosemarie S. wiesen in der Verhandlung Ungereimtheiten auf. So beschrieb sie den Busfahrer in der ersten Anzeigenaufnahme laut Polizei zunächst als grauhaarig mit ausländischem Akzent. Anschließend unterschrieb sie diese Aussage aber nicht. Vor Gericht widersprach sie am Freitag, diese Beschreibung gegeben zu haben.

Die Verletzung, die Rosemarie S. an diesem Tag erlitten haben soll, scheint aber so schwer, dass ihr Arm auch noch zu dem Gerichtstermin, mehr als ein Jahr später, bandagiert war. „Ob zivilrechtlich Klage einreichen, müssen wir erst noch besprechen“, sagte ihr Anwalt René Strucken nach der Verhandlung.

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