Stimmgewaltig, pointiert, mit hoher Intensität

Von: ran
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Zeigten sich der Herausforderung des Paulus-Oratoriums vollauf gewachsen: die Musiker der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Am Ende spendeten die Zuhörer stehend Applaus. Zwei Stunden lang hatten sie am Samstag in der Pfarrkirche St. Peter und Paul das Oratorium „Paulus” von Felix Mendelssohn-Bartholdy genossen.

Unter Leitung von Horst Berretz brillierten beim Weihnachtskonzert sowohl Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler als auch die Solisten Verena Berretz (Sopran), Friedhelm Petrovitsch (Tenor) und Franz Gerihsen (Bass).

Im Jahr 1832 wählte Felix Mendelssohn-Bartholdy, der vor 200 Jahren in Hamburg geboren wurde, „Paulus” zum Thema eines Oratoriums. Ab 1834 arbeitete der Komponist zwei Jahre lang an der Vollendung seines Meisterwerks, dessen Uraufführung am 22. Mai 1836 in Düsseldorf unter seinem Dirigat stattfand. Der Chor umfasste damals 356 Sängerinnen und Sänger, das Orchester 172 Instrumentalisten.

In Sachen Quantität konnte die Aufführung am Samstagabend nicht mit dem Original mithalten, qualitativ erfüllte sie jedoch alle Erwartungen. Stimmgewaltig, pointiert und mit hoher Intensität interpretierten alle Mitwirkenden den Weg von Saulus, der die Steinigung des heiligen Stephanus miterlebt, diese gutheißt und die junge Christengemeinde verfolgen und vernichten möchte, hin zu Paulus, der auf seinem Weg nach Damaskus durch eine Vision seine Bekehrung erlebt und zum Apostel Christi wird.

Dabei kam den drei Solisten natürlich eine besondere Rolle zu. Sopran Verena Berretz, die am Genoveva-Gymnasium in Köln neben Musik auch Deutsch und katholische Religion unterrichtet, Tenor Friedhelm Petrovitsch, der Gesang in Köln bei Professor Heinz Marten und in Düsseldorf bei Janina Stano studierte, sowie Bass Franz Gerihsen, der seine Gesangsausbildung an der Musikhochschule Köln erhielt, mehrfach ausgezeichnet wurde und vom 1996 verstorbenen Dirigenten Sergiu Celibidache für das Deutsche Requiem von Johannes Brahms verpflichtet wurde, ergänzten sich perfekt und harmonierten auch mit Orchester und Chor der Städtischen Musikgesellschaft glänzend.

Letztgenanntem gelang es ausgezeichnet, den wiederkehrenden Choral „Wachet auf”, dem Mendelssohn-Bartholdy eine fast leitmotivische Aufgabe zuweist, voller Hingabe wiederzugeben. Beeindruckend auch, dass sich alle Interpreten der Aufgabe gewachsen zeigten, den Spannungsbogen innerhalb des Oratoriums zwei Stunden lang aufrecht zu halten.

„Nur” zwei Stunden, da das Paulus-Oratorium, das komplett rund drei Stunden dauert, während des Weihnachtskonzerts in einer verkürzten Fassung zur Aufführung kam, um die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer in der gut gefüllten Pfarrkirche St. Peter und Paul nicht überzustrapazieren. Die musikalische Konzeption des Komponisten, der als gebürtiger Jude zum Christentum konvertierte, wurde dabei aber in keiner Weise in Frage gestellt.

So brachte der Chor zum Abschluss des Oratoriums klangprächtig zum Ausdruck, dass den Frommen „die Krone der Gerechtigkeit” verheißen wird und das Lob Gottes verkünden. Begeistert erhoben sich die zahlreichen Zuhörer von ihren Plätzen, nachdem der letzte Takt verklungen war und belohnten die Musiker mit vollauf verdientem Applaus. Das mit dem Publikum gesungene Weihnachtslied „Nun freut euch ihr Christen” bildete einen weiteren emotionalen Höhepunkt und setzte den würdigen Schlusspunkt unter ein hochklassiges Konzerterlebnis.
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