Stets ein waches Auge und ein offenes Ohr

Von: Patrick Nowicki
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Anwältin der Kinder: Beate Ko
Anwältin der Kinder: Beate Koch arbeitet seit drei Monaten als Sozialarbeiterin an der Eduard-Mörike-Schule. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Wenn sie durch die Eduard-Mörike-Schule geht, dann lächeln die Kinder sie an. Beate Koch arbeitet zwar erst seit etwa drei Monaten dort, aber ihr Gesicht ist allen schon vertraut. Dabei greift sie oft dann ein, wenn es den Grundschülern schlecht geht.

Beate Koch ist Sozialarbeiterin. Eine von sieben, die in den vergangenen Monaten ihren Dienst in den elf Grundschulen Eschweilers aufgenommen haben. Finanziert werden diese Stellen durch das Bildungs- und Teilhabepaket, Arbeitgeber ist offiziell der VabW (Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung).

Oft tiefere Gründe

Die Eschweiler Schulamtsleiterin Petra Seeger bezeichnet die Schulsozialarbeiter gerne als „Anwälte der Kinder”. Aber sie sind mehr als das. Sie sind Feuerwehr, Tröster, Ver- und Ermittler, Ratgeber, Hilfe für die Lehrer und noch so manches mehr. Beate Koch sieht sich gerne als „Puffer”. Zwischen Eltern und Kindern, Eltern und Lehrern, Lehrern und Eltern sowie zwischen den Schülern. Wenn nämlich plötzlich Probleme auftauchen, wenn ein Kind abrupt abfällt in der Schule und auffällig wird, dann hat dies in der Regel tiefere Gründe. Ihnen spürt die Sozialarbeiterin nach.

Eine Vielzahl von Fällen hat sie in den ersten Wochen bereits bearbeiten müssen. Und alle waren sie völlig unterschiedlich. Ein Junge brach ständig in Tränen aus. Beate Koch sprach ihn an. Am Ende stellte sich heraus, dass er mitten in den Rosenkrieg seiner Eltern geraten ist, die sich gerade trennten. Das Kind war natürlich damit überfordert. Die Sozialarbeiterin holte die Eltern an einen Tisch und zeigte ihnen Wege zu Beratungsstellen. „Das Ganze passierte natürlich auf freiwilliger Basis der Eltern”, betont Beate Koch. Inzwischen geht es dem Jungen etwas besser.

In der Schule muss sie also immer die Augen aufhaben, allerdings bekommt sie auch Tipps und Hinweise. Manchmal kommen die Hilfesuchenden auch zu ihr in die Sprechstunde. „Sie ist eine spürbare Entlastung für unsere Arbeit”, schreibt ihr die stellvertretende Schulleiterin, Sabine Allelein, ins Zeugnis. Als Lehrer könne man nicht auf Einzelne zugehen. „Wir haben zwar einen Erziehungs-, aber eben auch einen Bildungsauftrag”, schränkt sie ein.

Hausbesuche sind für die Lehrer nicht zu leisten. Diese Arbeit übernimmt dann eben Beate Koch. „Da muss ich manchmal auch mit Nachdruck zu Werke gehen”, berichtet sie. Denn nicht immer wird sie mit offenen Armen empfangen. Dass sie dann doch einen Weg zum Gespräch findet, ist der Tatsache zu verdanken, dass sie eben nicht „vom Amt kommt”.

Helfen kann sie nicht immer. Aber zumindest weiß sie, wo Menschen eine Hilfe erhalten. Darum arbeitet sie nicht nur eng mit dem Jugendamt, sondern auch mit anderen Organisationen zusammen. „Manchmal ist es in der Tat so, dass die betroffenen Eltern einfach überfordert sind, weil sie selbst viele Probleme zu bewältigen haben”, weiß sie. Die Palette reicht von Alkoholsucht, Arbeits- und Perspektivlosigkeit bis hin zum körperlichen und seelischen Missbrauch. So fehlt den Kindern oft der familiäre Hintergrund, den sie dringend in dieser Lebensphase benötigen.

Der Bedarf ist vorhanden. Aber erst in dieser Woche war das Team der Sozialarbeiterinnen an Grundschulen komplett. Ein Mann konnte sich im Bewerbungsverfahren nicht durchsetzen. Sieben neue Mitarbeiterinnen beim VabW, vier Vollzeit und drei halbtags, stehen den Grundschülern jetzt mit Rat und Tat zur Seite. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre begrenzt. „Wir haben in Eschweiler so etwas wie eine Vorreiterrolle übernommen”, sagt Schulamtsleiterin Petra Seeger stolz. Dies liegt auch daran, weil in Eschweiler schon seit Jahren auf Schulsozialarbeiter gesetzt wird. Aber die Besetzung der Grundschulen scheiterte bisher am Geld (siehe auch Interview rechts).

Näher an der Basis

„Schulsozialarbeiter sind näher an der Basis als zum Beispiel die Erziehungsberatung”, schildert Petra Seeger die bisherigen Erfahrungen. Beate Koch fühlt sich in ihrer Rolle an der Eduard-Mörike-Schule wohl und hat schnell den Kontakt zu den Menschen hergestellt. Dies sei ihr auch nicht schwergefallen. Warum? Sie antwortet mit einem Schmunzeln: „Ich habe als zweifache Mutter ein Gespür dafür entwickelt, wie sich Kinder in bestimmten Situationen verhalten.”
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