Sternstunden selbst für verwöhnte Ohren

Von: sh
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Volles Haus beim Lions-Konzert im Ratssaal: Dort verzauberten Pauline (links) und Sophie Moser fast zwei Stunden lang ihr Publikum. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Schräg scheinen die letzten Sonnenstrahlen in den voll besetzten Ratsaal. Fast so, als wolle auch die schwindende Spätnachmittagssonne einen Blick auf das werfen, was die faszinierten Besucher des Benefiz-Konzertes des Lions-Clubs Eschweiler Ascvilare da erleben.

Die Violistin Sophie Moser zelebrierte gemeinsam mit ihrer Schwester Pauline an der Viola und dem Pianisten Karen Topikyan klassische Musik auf höchstem Niveau.

Zierlich kommt die 25-jährige Sophie Moser mit ihren gerade einmal 1,63 Metern Größe daher. Ebenso wie ihre fünf Jahre jüngere Schwester Pauline im eleganten Abendkleid, nimmt sie die Zuhörer von Anfang an mit auf eine anspruchsvolle wie abwechslungsreiche Musik-Reise. Ihr Instrument ist 245 Jahre älter als sie selbst: Sophie spielt eine Violine von Carlo Giuseppe Testore (1739) aus dem Besitz der Kunststiftung NRW.

Von Mozart bis Rachmaninoff verspricht „Klassik zum Frühling” im Vorfeld. Was die über 200 Konzertbesucher dann vom ersten Geigenstrich an erleben, ist bemerkenswert. Grandios der „Gassenhauer” von Georg Friedrich Händel. Denn genau das bedeutet das spanische „Passacaglia” wörtlich übersetzt ( pasar = gehen; calle = Straße).

Beschwingt und voller Harmonie spielen die Moser-Geschwister, streicheln ihre Instrumente zärtlich, fordern sie mit Druck und das alles in perfekter Synchronität. Das Publikum staunt, ist verzückt. „Bravo!” und langanhaltender Applaus bereits nach dem ersten Stück.

Beeindruckende Vita

Zwischendurch stimmt Kristine Völtz gewohnt gekonnt auf die musikalischen Darbietungen ein. So auch bei Mozart. Das „Duo Nr. 1 G-Dur” für Violine und Viola mit den Sätzen Allegro, Adagio, Rondo scheint wie gemacht für die Ausnahmetalente.

Ein Blick auf die Vita der jungen Künstlerinnen beeindruckt ebenso und wirft die Frage auf, wie man als 24- bzw. 19-Jährige bereits so viel erreichen kann.

Sophie Moser entdeckte bereits in der frühen Kindheit ihr Interesse für Musik. Erste Plätze beim Wettbewerb „Jugend musiziert” in den Fächern Violine und Klavier waren 1990 lediglich der Anfang. 1995 trat sie bereits in der Kölner Philharmonie auf, 1999 lauschte Bundespräsident Roman Herzog bei seiner Verabschiedung im Schloss Bellevue Mosers Klängen.

Sie studierte an der Hochschule für Musik in Köln, lernte ab 2004 in der Meisterklasse bei Professor Victor Tretjakov. Gefeierte Auftritte in New York, Moskau, Athen, Zürich und St. Petersburg folgten. Scheinbar nebenbei ist sie in Deutschland einem Millionenpublikum bekannt geworden als Jungpolizistin Nicole Beck in der ARD-Vorabendserie „Großstadtrevier”. Zweifellos eine Ausnahmeerscheinung.

Einzigartige Interpretation

Davon überzeugt sich am Sonntagnachmittag in Eschweiler auch der Schirmherr der Veranstaltung, Bürgermeister Rudi Bertram. Dort, wo sonst über politische Fragen debattiert wird, setzen Sophie und Pauline Moser im letzten Abschnitt vor der Pause zusammen mit dem armenischen Pianisten Karen Topikyan das Trio in H-Moll von Max Reger in einer bedächtig und zugleich leidenschaftlichen Art und Weise um.

Die zweite Programmhälfte eröffnet Pauline Moser. Begleitet vom Klavier, spielt sie ein „Concert Piece” von George Enescu. Beeindruckend: Ohne Noten bewegt sich die jüngere der Moser-Schwestern auf der Viola, die bei uns auch Bratsche genannt wird. Mit ihrem samtigen Ton verzaubert Pauline Moser den Saal.

Nicht minder wundervoll das folgende Duo von Boshuslav Martinu. Ursprünglich nicht für Instrumente gedacht, sind die drei „Madrigalen” eigentlich Vokalmusik. Doch wenn man den beiden jungen Damen und ihrer fantastischen Darbietung auf den Streichinstrumenten lauscht, kann man sich nicht mehr vorstellen, dass es je eine andere Version hat geben können.

Furioses Finale

Nach Sergei Rachmaninoffs berühmter „Vocalise op. 34/14” setzte Sophie Moser in einem zweieinhalbstündigen Konzert zum wahrhaft meisterlichen Schlusspunkt an: Mit Franz Waxmanns „Carmen Fantasie” spielt sich die begnadete Violistin in einen musikalischen Rausch. Ebenfalls grandios: Topikyans filigrane und kraftvolle Darbietung am Flügel.

Aber in den letzten Passage richten sich alle Augenpaare wie gebannt auf Sophie Moser. Leicht und flink fliegt sie mit dem Bogen über die vier Saiten ihres Instruments. Jeder Ton sitzt, jede Nuance stimmt. Einmalig finden die Zuschauer dieses Finale furioso.

Erst mit Schostakowitschs „Romanze” als Zugabe entlässt das Publikum die drei Musiker. Und eine wahrhaft musikalisch-meisterhafte Frühlingsromanze findet so einen klassischen Abschluss.
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