Sternsinger: Von Tür zu Tür für Kinder in der Welt

Von: Elisa Zander
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Überall willkommen: Tabea Reichert, Marc Schmitz und Renee Röder (v.l.) sind gemeinsam unterwegs und setzen sich gerne für Kinder ein. Foto: Elisa Zander

Eschweiler. Sie beginnen zu singen, obwohl die Haustür noch verschlossen ist. Die Bewohner sollen direkt hören, wer da draußen steht. Und die freuen sich in der Regel über den Besuch, der Figuren aus dem fernen Morgenland verkörpert, aber tatsächlich aus dem Seelsorgebezirk St. Barbara im Bereich Pumpe/Stich kommt.

13 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 16 Jahren tragen dort in diesem Jahr den Segen in die Häuser und bitten um eine Spende für Kinder in Not.

So auch Tabea Reichert (11), Renee Röder (9) und Marc Schmitz (12). Kostümiert mit Umhang und Krone, ausgestattet mit Flyern, Sammeldose, Holzstern und gesegneter Kreide klingeln sie unermüdlich an jeder Tür. Immer häufiger fragen Bewohner nach einem Klebestreifen mit dem Segensspruch. Denn auf modernen Haustüren oder weiß verputzten Hauswänden hält weder die Kreide noch sieht man sie.

Doch bevor die Zeichen an das Haus kommen, wird gesungen und ein Segensspruch aufgesagt. Das überlegen sich die Kinder von Haus zu Haus neu – das Repertoire ist schließlich groß genug und Spaß haben wollen sie auch. Und den haben sie, sagt Marc Schmitz. „Wir lachen viel und machen auch mal Blödsinn.“ So viel, dass sie sich hin und wieder vor den verschlossenen Türen erst einmal „auskichern“ müssen, wie Monika Pohl es nennt, bevor geklingelt wird. Die 22-Jährige begleitet gemeinsam mit Berit Dickmann (17) die Kinder als Betreuerin. Die beiden jungen Frauen haben selbst früh angefangen, als Sternsinger vor unzähligen Türen gesungen.

„Ich kann mir die Weihnachtsferien gar nicht anders vorstellen“, sagt Monika Pohl. Zwar singen sie heute noch mit, aber ihre Aufgabe sehen sie mehr im „Schutz der Kinder“, sagt Pohl. „Wir wurden schon mal angemotzt. Da achten wir dann darauf, dass den Kindern seelisch und körperlich nichts passiert.“ Dabei hilft den jungen Erwachsenen vor allem ihre Erfahrung. Und die ist, so Berit Dickmann, „fast zu einhundert Prozent positiv“.

Als eine „wahnsinnshohe Akzeptanz“ erlebt Monika Ekberg die Sternsingeraktion. Sie ist Teil des Leitungsteams des Bezirks St. Barbara, das im Herbst mit den Vorbereitungen für die kommende Sternsinger-Aktion beginnt. Lieder werden einstudiert, Inhalte besprochen und erklärt, was Sternsinger sind, was sie darstellen und was das für die Teilnehmer und den guten Zweck bedeutet.

„Es ist wichtig, dass die Kinder Geld sammeln, aber genauso wichtig ist für uns die Gemeinschaft.“ Die erfahren die Sternsinger jeden Tag. Zwischen den Runden am Morgen und am Nachmittag treffen sie sich im Gemeindehaus zum singen, spielen und essen. Birgit und Josef Schmitz bekochen die Kinder. „Sie verbringen hier einen großen Teil ihrer Ferien“, sagt Josef Schmitz. „Da möchten wir es ihnen auch gerne schön machen.“

Wer von den Kindern einmal dabei war, bleibt in der Regel. „Gemeinsam singen, Sprüche aufsagen und dann bekommt man noch eine Kleinigkeit“, zählt Marc Schmitz auf, „das ist toll.“ Denn an vielen Türen gibt es nicht nur eine Spende, sondern auch Süßes. Das wird gesammelt und am Ende der Aktion gerecht geteilt. Um die 4000 Euro kommen jedes Jahr in dem Bezirk zusammen. „Es gibt Leute, die schon vorher fragen, wann wir kommen, damit sie dann Zuhause sind. Oder Menschen, die uns sehen, wenn sie einkaufen sind, und uns bitten, bei ihnen vorbeizuschauen.“ Andere bringen ihre Spende direkt in das Gemeindehaus.

Der Bund der katholischen Jugend (BDKJ) und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ sind Träger der bundesweiten Aktion, an der sich etwa 500000 Kinder beteiligen und gilt damit als weltweit größte organisierte Hilfsorganisation von Kindern für Kinder. Gesammelt wird in diesem Jahr für Gesundheitsprojekte in der ganzen Welt. „Beispielland“ ist das ostafrikanische Tansania.

„Daran kann man gut das Thema Gesundheit erklären“, erläutert Hedi Becker von der Pressestelle des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Faktoren bei Krankheiten wie Malaria könne man Kindern näher bringen. „Die Wege in Tansania sind weit. Darum bringen etwa viele Mütter ihre Kinder Zuhause zur Welt. Darum haben wir auch den Krankenwagen gewählt, den wir dem Litembo Hospital schenken. So können wir viele Menschen erreichen.“ Mit den Spenden werden unter anderem Gesundheitsstationen gefördert, medizinische Geräte und Medikamente angeschafft.

Allerdings nicht nur für Tansania. „Überall, wo es nötig ist, Gesundheitsstationen zu unterstützen, und das ist in vielen afrikanischen, aber auch in Ländern anderer Kontinente so, greifen wir den Menschen unter die Arme“, sagt Hedi Becker. Das haben Tabea, Renee und Marc oft im Kopf, wenn sie singend vor den Türen Eschweilers stehen. Darum setzen sie sich auch über die veranschlagten Sammeltage hinaus für die Aktion ein. Denn fehlender Nachwuchs sorgt dafür, dass nicht mehr alle Haushalte im Seelsorgebezirk besucht werden können. Und so erklärten sich Sternsinger bereit, zwei weitere Tage die Sammelbüchsen zu schütteln, damit mehr Geld für Kinder in der Welt zusammenkommt.

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