Eschweiler - Sternsinger: „Manchmal beschimpfen die Leute uns“

Sternsinger: „Manchmal beschimpfen die Leute uns“

Von: Sonja Essers
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Sofia, Judith und Lea (von links) sind bereits seit einigen Jahren als Sternsinger aktiv. Sie bringen den Indestädter auch in diesem Jahr den Segen Gottes. Foto: Sonja Essers
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Die Küchenfeen Beata Schwamborn, Astrid Dickmeis und Susanne Grüne (von links) versorgen die Kinder in den Pausen bestens.

Eschweiler. Wenn Lea, Sofia und Judith durch die Straßen der Innenstadt ziehen, dann sind ihnen die Blicke der Indestädter sicher. Die drei Schülerinnen tragen prachtvolle Umhänge, Stirnbänder und goldene Kronen. In ihren Händen halten sie Klebestreifen mit Segenswünschen und eine silberne Dose, die mit zahlreichen Stickern beklebt ist und bei jedem Schritt ein bisschen lauter klappert.

Lea, Sofia und Judith sind drei von insgesamt 15 Sternsingern der Pfarre St. Peter und Paul, die den Menschen in diesen Tagen den Segen Gottes übermitteln.

Von diesem Vorhaben kann sie auch das ungemütliche Wetter, das am Freitag vorherrschte, nicht abhalten. Da müsse man einfach durch, meint die elfjährige Judith. Sie ist bereits seit ihrem dritten Lebensjahr als Sternsingerin unterwegs und freut sich darauf, den Menschen auch in diesem Jahr mit ihrem Besuch ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Schließlich weiß sie, dass viele Indestädter auf sie warten. „Vor allem die älteren Menschen freuen sich sehr, wenn wir zu ihnen kommen“, berichtet sie.

Nur wenige Augenblicke später bestätigt sich dies. Die Mädchen, die mit ihrer Betreuerin Lea auf der Englerthstraße unterwegs sind, werden von einer älteren Dame angesprochen. Sie möchte wissen, wann sie zu ihr nach Hause kommen, schließlich habe sie bereits Geld und Süßigkeiten bereit gelegt. „Manchmal bekommen wir von den Leuten auch einen warmen Kakao, vor allem, wenn es kalt ist“, sagt die elfjährige Sofia, die sich darüber freut, dass sie beim Dreikönigssingen Zeit mit ihren Freundinnen verbringen kann.

Doch es gebe nicht nur schöne Seiten, wissen die Schülerinnen. „Manchmal beschimpfen uns die Leute und sagen, dass wir abhauen sollen. Wir ignorieren das dann und gehen einfach weiter. Wir wollen ja keinen zwingen, etwas zu geben“, sagt Judith. Auf die Frage, warum die Elfjährige als Sternsingerin aktiv ist, antwortet sie prompt: „Ich mach das gerne, weil ich finde, dass alle Kinder ein gutes Leben haben sollten. In manchen Ländern haben Kinder ja noch nicht mal ’was zu essen.“

Dass diese Auffassung allerdings nicht von allen Altersgenossen geteilt werde, weiß Werner Linnartz. Seit 27 Jahren organisiert er das Dreikönigssingen in der Pfarre St. Peter und Paul. Bis zu 60 Kinder und Jugendliche haben sich an der Aktion in den vergangenen Jahren beteiligt. In diesem Jahr, bei der 57. Auflage, sind es weitaus weniger. „Es ist schwierig, die Kinder an die Kirche heranzuführen“, so Linnartz, will sich allerdings nicht über den Nachwuchsmangel beklagen. „Es ist doch toll, dass es heute überhaupt noch 15 Kinder gibt, die mitmachen“, sagt er.

Damit diese bestens versorgt sind, packen zahlreiche Ehrenamtler im Kinder- und Jugendzentrum (KiJuZe) St. Peter und Paul mit an. Beata Schwamborn, Astrid Dickmeis und Susanne Grüne kümmern sich um das leibliche Wohl des Nachwuchses. Kathrin Ivancic, die bereits selbst als Sternsingerin aktiv war und heute Betreuerin ist, ist für die Kostüme verantwortlich. Stefan Grüne teilt die Kinder in Gruppen ein und bespricht mit den Betreuern die verschiedenen Routen.

Nach dem Abschlussgottesdienst am Sonntagabend hat vor allem Susanne Grüne, die bereits seit 25 Jahren zum Sternsinger-Team der Pfarre zählt, noch viel Arbeit vor sich. Schließlich müssen die Gewänder gebügelt und gewaschen und die Kronen wieder hergerichtet werden, damit die Kinder auch im kommenden Jahr als Kaspar, Melchior und Balthasar von Haus zu Haus ziehen können.

Lea, Sofia und Judith sind auch Samstag und Sonntag wieder unterwegs. Um 9.30 Uhr treffen sich die jungen Ehrenamtler im KiJuZe und machen sich von dort aus auf den Weg, den Indestädtern ein frohes neues Jahr zu wünschen und für die Kinder zu sammeln, die kein gutes Leben haben.

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