Stellflächen auf dem Rastplatz Aachener Land Nord sollen aufgestockt werden

Von: Verena Richter
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Dicht an dicht parken die Lkw: Der Ausbau des Rastplatzes soll die Lage entschärfen. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Da steht er nun und wartet. Dabei hat er sein Ziel im Grunde bereits vor Augen. Sieben Kilometer sind es noch bis Aachen, etwa zehn Minuten Fahrzeit. Doch Ingo Söchteg hat keine Wahl, er und seine 20 Tonnen Mandeln für Zentis müssen warten. Sonst riskiert er ein Bußgeld und das möchte der weißbärtige Mann natürlich vermeiden.

Söchteg ist Lkw-Fahrer und seine Pausen sind genau vorgeschrieben, so auch diese 30 Minuten. Deshalb hat er den Rastplatz Aachener Land Nord an der Autobahn 4 angesteuert, die letzte Möglichkeit vor Aachen für eine Ruhepause.

Dort ist Söchteg in guter Gesellschaft, der Rastplatz ist voll. Lkw reiht sich an Lkw, selbst dort, wo eigentlich kein Parkplatz ist, parken die 40-Tonner. Söchteg selbst steht mit seinem Lkw in zweiter Reihe. „Das ist immer so”, gesteht er und wirkt ein wenig verärgert. Der Ärger wird noch größer, wenn vor ihm ein Parkplatz frei wird. Auf den darf Söchteg seinen Brummi nämlich nicht lenken. „Es ist nicht erlaubt, die Pausen zu unterbrechen”, erklärt er, weshalb er in zweiter Reihe stehen bleiben muss.

6,5 Millionen Euro

In zweiter Reihe, manchmal auf Pkw-Parkplätzen, am Grünstreifen vor der Tankstelle oder - wenn es auf den Abend oder das Wochenende zugeht - sogar im Einfahrtbereich des Rastplatzes - der Parkdruck ist enorm auf Aachener Land Nord.

Das Problem ist bekannt. „Es gibt dort viel zu wenig Parkplätze für Lkw”, fasst Roland Schmidt vom Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen NRW) es in wenigen Worten zusammen. Die gute Nachricht ist aber, dass Straßen NRW die Parkplätze aufstocken wird. Im Frühjahr 2011 wird es losgehen, so Planungsleiter Schmidt. Für 6,5 Millionen Euro wird aufgerüstet, 62 neue Pkw- und 75 neue Lkw-Parkplätze sollen entstehen.

Derzeit gibt es offiziell 20 Lkw-Parkplätze. Allein an einem grauen Dienstagvormittag parken über 50 Lastwagen auf dem Rastplatz, am Wochenende oder am Abend sind es gerne doppelt so viele.

Und daraus entstehen ernste Probleme. Erst vor wenigen Wochen ereignete sich ein tragischer Unfall, als ein tschechischer Lkw-Fahrer seinen Sattelzug wegen eines Rückstaus auf dem Verzögerungsstreifen zur Raststätte abstellte. Als er ausstieg, wurde er von einem Pkw erfasst und getötet. Dies zeige, dass dringend etwas geschehen müsse, denn so ein Unfall dürfe sich nicht wiederholen, erklärt Roland Schmidt.

Darauf hofft auch die Stadt Eschweiler. Die hat ihrerseits arge Sorgen wegen des Rastplatzes Aachener Land Nord. Viele Lkw-Fahrer steuern zur späteren Stunde den Rastplatz nämlich gar nicht erst an, sondern fahren an der Ausfahrt Eschweiler von der A4 ab und suchen einen Stellplatz irgendwo am Straßenrand. Unlängst haben sich Anwohner und Firmeninhaber an der Rue de Wattrelos massiv über die Sattelschlepper und ihre Fahrer beschwert, die Einfahrten zuparken und allerlei Müll und Unrat hinterlassen.

Allein, die Stadt und das Ordnungsamt sind im Grunde machtlos angesichts des Problems, erklärt Pressesprecher Stefan Kaever: „Man kann den Fahrer wegen der Lenkzeiten nicht auffordern, weiter zu fahren. Und auch ordnungsrechtlich gibt es Probleme.” Denn die Protokolle, die das Ordnungsamt ausstellt sind niedriger als die Strafe bei Verstoß gegen die Lenkzeiten, erläutert Edmund Müller, Leiter des Ordnungsamtes. Im Zweifel würden die Fahrer also „lieber” ein Knöllchen riskieren, als weiter zu fahren.

Wo sollten sie auch hin? Die Stadt Eschweiler könne keine Ausweichflächen anbieten, sagt Stefan Kaever. Und die Rastplätze sind überfüllt. Denn zu wenige Lkw-Stellplätze gibt es nicht nur auf dem Rastplatz Aachener Land Nord. „Das ist ein generelles Problem in ganz Deutschland”, sagt Roland Schmidt. Darum bemühe sich Straßen NRW sehr, vorhandene Kapazitäten in Nordrhein-Westfalen rasch auszubauen. Doch bis so ein Planungsverfahren abgeschlossen ist, können einige Monate vergehen. Die Pläne Aachener Land Nord auszubauen datieren auf Mitte 2007.

Im Februar 2010 wurde der Beschluss rechtskräftig. Seitdem laufen die Vorbereitungen. Das Gelände muss von Kampfmittelräumern und Archäologen untersucht werden, bevor gebaut werden kann. An der A4 entsteht außerdem aus Umweltschutzgründen ein Entwässerungsbecken aus Beton für über 1,5 Millionen Euro, erklärt Roland Schmidt, der hoffnungsfroh in die Zukunft blickt. „Es wird eine schöne Anlage, die für viel Entlastung sorgen wird.”

Deutschlandweit fehlen 7000 Parkplätze

Nach Erkenntnissen des ADAC fehlen in Deutschland 7000 Stellplätze für Lkw. Die Situation sei in den vergangenen Jahren etwas besser geworden, doch Deutschland habe als Transitland einen erhöhten Bedarf an Parkplätzen, erklärt ADAC-Pressesprecher Andreas Hölzel.

Allerdings rechnen die Experten damit, dass sich die Lage in den kommenden Jahren wieder verschlimmern könnte. Einmal weil damit zu rechnen sei, dass der Straßenverkehr in den nächsten Jahren zunehmen wird. Außerdem sei zu befürchten, dass künftig Geld für den Ausbau von Rastplätzen fehlt, weil die Konjunkturpakete auslaufen würden, so Hölzel.
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