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Steigende Energiekosten treffen in Eschweiler die Ärmsten

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Abgesperrt: Immer mehr Menschen sitzen im Dunkeln, weil sie die Stromrechnung nicht mehr bezahlen können. 92 Sperrankündigungen eines großen Anbieters wurden alleine im Januar in Eschweiler verschickt.

Eschweiler. Der Sozialdienst katholischer Frauen schlägt Alarm: Immer mehr Menschen mit finanziellen Problemen wenden sich an die Beratungsstellen. Immer häufiger droht die Absperrung des Stroms oder sogar der Rauswurf aus der Wohnung. Die steigenden Energiekosten treffen in Eschweiler vor allem die Ärmsten.

Vor wenigen Tagen verschickte ein Energieversorger 92 Sperrankündigungen nur in Eschweiler. „Früher konnten wir sagen, wenn sich Menschen bei uns melden, dann finden wir einen Weg. Das ist heute so nicht immer möglich“, sagt Carmen Rosendahl-Küpper von der SkF-Schuldnerberatung.

Den Menschen, die sich in der Peilsgasse melden, steht in mehrfacher Hinsicht das Wasser bis zum Hals. „Wir haben es natürlich mit Leuten zu tun, die eine Reihe von Problemen haben“, berichtet Brigitte Schall-Wagner. Dazu gesellt sich dann auch eine Stromnachzahlung, die sie nicht mehr leisten können. Empfängern der sogenannten Grundsicherung durch das Jobcenter müssen den Strom über ihren Regelsatz bezahlen. Der beträgt bei Alleinstehenden und Alleinerziehenden 391 Euro im Monat. Da muss jeder Cent genau ausgegeben werden, will man mit dieser Summe über die Runden kommen.

Manchmal gelingt das den Betroffenen nicht. In einem aktuellen Fall, den die SkF-Schuldnerberatung betreut, war eine Stromnachzahlung in Höhe von 1500 Euro fällig. Nachdem die Heizung ausgefallen war und der Vermieter mit der Reparatur auf sich warten ließ, hatte die Frau mit alten Radiatoren geheizt. Die saftige Rechnung kam nach einem Jahr. Jetzt wurde der monatliche Abschlag auf 185 Euro angehoben, die Nachzahlung erfolgt in Raten von jeweils 100 Euro, der Gasabschlag liegt bei 80 Euro. „Alleine 365 Euro muss diese Frau an Energiekosten zahlen, was soll sie da noch machen?“ fragt Carmen Rosendahl-Küpper.

Solche Fälle häufen sich in der Schuldnerberatung. Mit den Energieanbietern sind die Sozialarbeiterinnen des SkF in engem Kontakt. Regelmäßig tauscht man sich aus und sucht nach Lösungen. Die Beratungsstelle fordert für bestimmte Fälle eine Prepaid-Lösung. Das bedeutet, analog zur Handy-Prepaid-Karte, den Menschen steht eine bestimmte Summe für Strom zur Verfügung. Danach wird im Monat abgeschaltet. „Dann häufen sich die Nachzahlungen nicht, sondern der finanzielle Rahmen bleibt überschaubar“, wirbt Brigitte Schall-Wagner für diese Variante.

Für die Stadt Eschweiler wird der SkF auch tätig, wenn Räumungsklagen erfolgen, also Menschen ihre Miete nicht gezahlt haben und der Rauswurf droht. „Diese Begleitung ist sehr aufwendig, denn es müssen viele Hebel gezogen werden, um die Leute in den Wohnungen zu halten“, sagt Carmen Rosendahl-Küpper. Zudem steigt die Zahl derer, die vom Rauswurf bedroht werden. 66 Fälle waren es im vergangenen Jahr.

Immer im Mittelpunkt: die Kinder. „Mit jedem Kind steigt das Armutsrisiko“, teilt Carmen Rosendahl-Küpper mit. Ein Drittel der Familien seien von der Armut bedroht oder sind schon betroffen. Diese alarmierenden Zahlen will der SkF nun stärker nach draußen bringen. „Man muss einfach sagen, dass wir nicht genug Arbeit für die Leute haben, die Arbeit suchen“, sagt sie. In der Zahl der Dauerarbeitslosen liegt Eschweiler vorne in der Städteregion. Auch die Zahl derer, die im Alter von über 50 Jahren wieder einen Job suchen, wächst. „Man steckt diese Menschen in Maßnahmen, aber eine wirkliche Chance haben sie nicht“, meint Carmen Rosendahl-Küpper. Viele Firmen seien geschlossen worden.

Steigende Mieten und Energiekosten, immer mehr Aufstocker – der SkF sieht sich in einem Teufelskreis.

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