Stefan Verhasselt präsentiert den „Niederrheiner 3.0“

Von: Dirk Müller
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Mit seinem heiteren und niveauvollen Programm wähnt sich der Kabarettist Stefan Verhasselt auch im Talbahnhof eindeutig „auf der richtigen Seite des Rheins“. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Vor seinem Auftritt hatte er mit seinem Smartphone noch rasch „gepostet“: „Bin auf dem Weg zur Bühne.“ Dort angekommen, haben schon vier Leute zurückgeschrieben: „Das finde ich gut.“ Stefan Verhasselt präsentierte dem Publikum im Talbahnhof den „Mikrokosmos Niederrhein“ auf dem humoristischen Silbertablett und baute dabei spielerisch Brücken zwischen Tradition und Moderne.

Bei seinem aktuellen Kabarettprogramm „Niederrhein 3.0“ verzichtete er allerdings auf die für die Region typische Begrüßung, denn der Niederrheiner sage nicht: „Hallo, schön dass Ihr da seid“, sondern: „Hör ma, watt habt Ihr denn für Wetter mitgebracht.“

Stattdessen verstand Verhasselt es, sich mit dem Eschweiler Publikum zu verbrüdern: „Wir sind ja hier alle auf der richtigen Rheinseite.“ Seine analytischen Betrachtungen der Auswüchse des digitalen Zeitalters amüsierten die Gäste im sehr gut besuchten Talbahnhof köstlich.

Kurzmitteilungen

So klärte er etwa über den Zusatz „lol“ bei Kurzmitteilungen auf. Die Abkürzung stehe für „laughing out loud“, also „lauthals Lachen“. „Wenn ich also lol unter irgendeinen Quatsch schreibe, lacht der Andere sich automatisch schon mal kaputt“, schlussfolgerte Verhasselt. Er forderte eine niederrheinische Variante des Kürzels, die „hanuka“ lauten könnte, was wiederum für „Hach, nu kann ich nicht mehr“ stehe.

Der Kabarettist widmete sich virtuellen Beerdigungen bei „Facebook“ ebenso wie realen „Postings“ mittels Kränzen und Gestecken auf dem Friedhof. Passend dazu klärte er über manche niederrheinische Redensart auf, wie zum Beispiel „der is schon so lange tot, der steht bald wieder auf“ oder „hasse nich gesehn“. Verhasselt deckte zur Freude des Publikums unterhaltsam auf, dass „Jan, Piet und Klos“ gleichbedeutend mit „Gott und alle Mann“ sei, der Niederrheiner gleichzeitig „wat stehn und liegen lassen“ kann und dies gerne mit „Ja näh“ kommentiere.

„Homöopsychopathen“

Ob „Leute, die im Sommer gerne ein umgehängtes Pullöverchen tragen“, ein Frisör in Twisteden, der auch Schafe schert oder „Homöopsychopathen“ und „heilende Holländer“ – seine heiteren Anekdoten begeisterten die Gäste. Dies galt auch für Verhasselts Erinnerungen etwa an den „Internationalen Frühschoppen“, das kultige „Yps mit Gimmick“ und den Urzeitkrebsen, denen irgendwann das Futter ausging, oder den „Bravo-Starschnitt“. In seinem Jugendzimmer habe bei Suzi Quatro leider die Hüfte gefehlt: „In der Woche war ich mit meinen Eltern in Urlaub.“

Liebevoll und wunderbar warmherzig nahm Verhasselt die Bewohner vom „Niederrhein 3.0“ auf die Schippe und blieb dabei wohltuend fern von schrillem Klamauk. Er setzte Gestik und Mimik eher „stickum“ ein und glänzte vor allem mit seiner wandlungsfähigen Radiomoderatoren-Stimme, die es ihm leicht machte, authentisch in die Rollen unterschiedlicher Niederrhein-Charaktere zu schlüpfen und das Publikum ausgiebig und „gemütlich“ zu vergnügen.

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