Statistik: Schwere Jungs halten die Kripo auf Trab

Von: Rudolf Müller
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Problemfeld Einbruch: 381 Gast
Problemfeld Einbruch: 381 Gaststätten-, Geschäfts-, Wohnungs- und Kellereinbrüche registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in Eschweiler. Foto: imago/biky

Eschweiler. Es sind durchaus nicht nur die „großen” Kriminellen, die der Polizei Ärger bereiten und Statistiken hochtreiben. Manchmal sind auch die ganz Kleinen schon „schwere Jungs”: „Kindliche Intensivtäter” nennt die Amtssprache die beiden Nachwuchskriminellen, die die Polizei im vergangenen Jahr in Eschweiler aus dem Verkehr zog.

Bis zu ihrem 13. Lebensjahr hatte jeder von ihnen schon 50 bis 60 Straftaten auf dem Kerbholz. Ihre Drohung, eine Schule abzufackeln, reichte schließlich: Jetzt denken sie in einer geschlossenen Anstalt über ihre Sünden nach.

Über Mangel an Arbeit musste die Kripo im vergangenen Jahr in Eschweiler nicht klagen. Trotz der massiven Sonderaktionen und verstärkten Streifen, die die Indestadt zu einer der intensivst polizeilich „betreuten” Städte machte, stieg die Gesamtzahl der Straftaten hier - wie im gesamten Bereich der Kreispolizeibehörde Aachen - deutlich an.

2011 kamen in Eschweiler 691 Straftaten mehr als im Jahr zuvor zur Anzeige. Macht insgesamt 5328. Besonders auffällig: die Zahl der Diebstahlsdelikte, die überall stark zugenommen hat - in Eschweiler um fast 30 Prozent auf 2406. Ebenfalls deutliche Zuwächse verzeichnet die Polizei bei Einbrüchen in Wohnungen (258) und Keller (39) - und dies trotz der gezielten Sonderaktionen der Polizei vor allem gegen reisende Banden.

Helmut Wälter, Leitender Direktor Kriminalität im Polizeipräsidium: „Das sind meist höchst professionell organisierte südosteuropäische Tätergruppen, die zu Beginn der dunklen Jahreszeit anreisen, zu Weihnachten wieder ausreisen und dann überlegen: ,Haben wir genug? Wenn nicht, kommen sie nochmal rüber.”

Vorbeugen ist billiger

Fast überall finden sie leichte Beute: „50 Prozent der Wohnungseinbrüche sind nur möglich, weil die Täter ein Fenster aufhebeln können. Zwei bis drei Sekunden braucht ein Experte, um ein Fenster zu knacken, ohne größeren Schaden anzurichten”, sagt Helmut Wälter.

Und Klaus Oelze ergänzt: „Hier kann sich jeder in ganz erheblichem Umfang selber schützen. Wenn man sowohl den wirtschaftlichen als auch den psychologischen Schaden eines Einbruchs betrachtet, ist es weitaus billiger, seine Wohnung gegen Einbruch richtig zu sichern. Zum Beispiel mit so genannten Pilzkopfsicherungen an den Fenstern. Ich kann nur immer wieder betonen, dass die Polizei da gerne Tipps gibt.”

Metalldiebstahl boomt

Ähnliches gilt für die Häufung von Diebstählen aus Autos. Deren Zahl stieg im vergangenen Jahr in Eschweiler von 279 auf 355. Immer öfter locken offen im Wageninneren liegende mobile Navigationsgeräte, Mobiltelefone und selbst Laptops die „Autoknacker”.

Oelze: „Ich verstehe das nicht. Jeder weiß doch, wie einfach es ist, in ein Auto einzudringen. Da gibt es nur eins: Nichts drin liegenlassen, was potenzielle Täter reizen könnte. Dann muss man sich anschließend auch nicht darüber wundern, dass die Versicherung nicht zahlt.”

Was vor einem Jahr noch nicht mehr als eine Randnotiz in der Kriminalitätsstatistik der Polizei war, hat sich inzwischen zu einem massiven Problem ausgewachsen: Die drastisch gestiegenen Rohstoffpreise haben den Metalldiebstahl zum lukrativen „Geschäft” werden lassen. „Da geht die Post ab”, charakterisiert Polizeipräsident Oelze die Entwicklung.

Gestohlen wird nahezu alles, was nicht niet- und nagelfest ist, berichtet Helmut Wälter. In Eschweiler verzeichnete die Kripo im vergangenen Jahr 90 Fälle derartigen schweren Diebstahls. Bevorzugter Tatort: der Waldfriedhof Stich.

Hier stießen die Beamten sogar auf ein ganzes Lager gestohlener Grablaternen und anderen Grabzubehörs. Gestohlen wird aber auch andernorts: Ganze Kupferdächer von Kapellen, Regenrohre von Kirchen und Wohnhäusern - und in Aachen schraubten „ganz Bekloppte - und davon haben wir sehr, sehr viele” (Oelze) sogar noch versorgte Gasleitungen aus einer leerstehenden Wohnung.

Der mit Abstand größte Coup ging allerdings schief: Beim RWE versuchten Unbekannte, drei tonnenschwere Kabeltrommeln auf einen Klein-Lkw zu laden. Der quittierte das Unterfangen mit einem Achsbruch. Die Täter gaben dennoch nicht auf: Kurzerhand klauten sie auch noch einen Abschleppwagen, ehe sie aus irgendwelchen Gründen dann doch von ihrem kriminellen Unterfangen abließen.

Trotz in etwa gleicher Einwohnerzahl in Eschweiler und Stolberg sind die Fallzahlen bei bestimmten Delikten krass unterschiedlich. So etwa bei Betrugsfällen und bei Diebstählen aus und von Kraftfahrzeugen. Wie erklären Sie das?

Oelze: Das ist zum großen Teil der geografischen Lage Eschweilers und seinen guten Verkehrsanbindungen zuzuschreiben. Von Eschweiler aus sind die meist zugereisten Täter mit dem hier geklauten Navi, Motorroller oder Auto schnell über die Autobahn oder Schnellstraßen verschwunden. In Stolberg ist das schon schwieriger.

Was die Betrugsfälle angeht, so zählen dazu auch die zahlreichen Tankbetrügereien an der Autobahnraststätte - das waren 2011 immerhin 98 Fälle mehr als im Vorjahr. Eschweiler ist für uns insgesamt ausgesprochen anspruchsvoll. Und die Eschweiler können versichert sein: Wir werden die anspruchsvolle Arbeit weiter fortsetzen!
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