„Startklar”, wohin die Reise auch geht: Eine Erfolgsgeschichte

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Prüft den Ölstand am Feuerwe
Prüft den Ölstand am Feuerwehrwagen: Ghorban Mohammadi (links) hat einen Ausbildungsplatz bekommen. „Startklar” sind auch Seymen Sak und Arthit Phrathepwongsa (rechts). Foto: Doris Kinkel-Schlachter

Eschweiler/Aachen. Als Ghorban Mohammadi sich bei Jürgen Manus vorstellte und nach einem Praktikumsplatz fragte, hat der Werkleiter der Uwe Müller Baumaschinen GmbH & Co. KG wohl kaum damit gerechnet, dass der junge Mann einmal an Lastwagen und Kippern schrauben oder Kundengespräche führen würde.

„Er war so schüchtern, geradezu ängstlich. Und er konnte kaum Deutsch sprechen”, erinnert sich Manus. Nur wenige Monate später war der seinerzeit 17-Jährige wieder in dem Betrieb in Eschweiler-Weisweiler, nun mit seinem Betreuer von der Aachener Jugendberufshilfe, „und in dieser Zeit hat er eine Wahnsinns-Entwicklung hingelegt”, sagt der Werkleiter und nickt Ghorban anerkennend zu. Beim Langzeitpraktikum machte er sich so gut, dass Geschäftsinhaber Uwe Müller ihm zum 1. August einen Ausbildungsplatz angeboten hat.

Dass Ghorban Mohammadi schließlich so fit war für seine Ausbildung zum Kfz-Service-Mechaniker, hat er auch dem Projekt „Startklar” zu verdanken. „Ich wusste gar nicht, in welche Richtung ich gehen soll. Dass ich mit ?Startklar verschiedene Berufe auch praktisch kennenlernen konnte, hat mir geholfen”, sagt der junge Mann, der erst vor vier Jahren aus Afghanistan gekommen ist.

„Startklar” begleitet den Übergang von der Schule in den Beruf. Das Programm verbindet schulisches Lernen und berufliche Orientierung. Schüler lernen ihre Interessen, Fähigkeiten und Stärken kennen. Sie können verschiedene Berufe in der Praxis ausprobieren - das senkt die Abbrecherquote bei begonnenen Ausbildungen. Die 137 Schüler, die jetzt erfolgreich das Projekt durchlaufen haben, zeigen Ende November in einer Werkschau, was sie über drei Jahre schulbegleitend gelernt haben.

„Das ist eine gute Möglichkeit für Betriebe, Auszubildende zu finden, die bestens auf den Beruf vorbereitet sind”, sagt Wilhelm Grafen, stellvertretender Dezernent der Handwerkskammer Aachen, die gemeinsam mit In Via Aachen, der Low-tec, dem Sozialwerk der Aachener Christen und der Jugendberufshilfe der Stadt Träger des Projektes ist. „Startklar ist die Antwort auf die Klagen der Wirtschaft, die Schulabgänger seien nicht ausbildungsreif”, fasst Claudia Dechamps, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, es zusammen. Ein „ganzheitliches Berufsorientierungsprogramm eben”, ergänzt Grafen. Gebündelte Kompetenz, die ein Ziel hat: Jugendliche fit für den Job zu machen. Und dazu gehören natürlich auch die sozialen Kompetenzen, die so manch ein Arbeitgeber bei seinem Azubi vermisst.

Das landesweite Projekt richtet sich an Schüler von Haupt-, Gesamt- und Förderschulen von der 8. bis zur 10. Klasse. Ist das erste Jahr noch verpflichtend in den Unterricht integriert, machen in den Klassen 9 und 10 die 20 bis 30 Prozent der Schüler freiwillig weiter, die genügend Ehrgeiz gezeigt haben. „Das Projekt hat sich herumgesprochen.

Die Nachfrage ist so groß, dass mehr Schüler mitmachen wollen, als Plätze da sind”, sagt Matthias Fischer. Wie das Projekt jetzt laufe, sei es prima. „Das ist das nachhaltigste Programm, das das Land aufgelegt hat. Es darf nicht beschnitten werden”, betont der Lehrer und Berufswahlkoordinator der Aachener Gemeinschaftshauptschule Drimborn.

Seymen Sak hat acht Berufsfelder kennengelernt, unter anderem hat er im Metallbau eine Uhr selber hergestellt, sich mit Schaltkreisen befasst und sich im Gewerk der Maler und Lackierer nützlich gemacht. Sogar dem Friseur hat er beim Schneiden und Legen zugeschaut - und natürlich auch selbst den Föhn in die Hand genommen, „aber das war nicht mein Ding”, sagt der 16-Jährige und lacht. Vor „Startklar” wollte er Koch werden und hat sogar eine Lehrstelle angeboten bekommen von den Carolus Thermen, wo er sein Praktikum absolviert hat. Und dann hat er gleich noch ein Angebot: eine Ausbildung zum Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer. Mal sehen, wohin die Reise geht - er ist auf jeden Fall startklar.

Abschlussveranstaltung in Aachen-Brand

Alle Betriebe, die neue Auszubildende suchen, sind zur Abschlussveranstaltung von „Startklar!” unter Schirmherrschaft von OB Marcel Philipp am Dienstag, 27. November, in der Gesamtschule Aachen-Brand eingeladen. Dort präsentieren sich ab 18.30 Uhr 137 Schüler, die das Projekt durchlaufen haben.

In einer Werkschau zeigen sie, was sie über drei Jahre schulbegleitend gelernt haben. Mit ihren Steckbriefen präsentieren sich die Jugendlichen den interessierten Betrieben und berichten in einer Podiumsdiskussion über ihre Erfahrungen mit „Startklar!”. Ein Film zeigt Ausschnitte aus den Werkstätten und Praxisphasen.

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