Standesamt: Beim fünften Vornamen ist Schluss

Von: Anna Fitscher
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Den Namen seines Kindes sollte man mit Bedacht wählen: Mia und Ben gehören zu den beliebtesten Vornamen, Chantal und Kevin kommen nicht so gut an. Foto: Anna Fitscher
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Eschweilers Standesbeamter Heinz Schmitz ist Experte in Sachen Namensrecht. Foto: Anna Fitscher

Eschweiler. Sind Sie zufrieden mit dem Vornamen, den Ihre Eltern Ihnen mit auf den Lebensweg gegeben haben? Viele sind das nicht. Heute können sie sich umbenennen. Wenn auch nur für einen Tag. Am Samstag ist der internationale „Ändere-deinen-Namen-Tag“.

Der wurde 1987 in Amerika als „Get a different name day“ eingeführt und soll denjenigen, die sich durch ihren Namen gestraft fühlen, die Möglichkeit geben, sich einen Tag lang mit einem anderen, gefälligeren Namen ansprechen zu lassen. Und was tun, wenn einem sein Name so gar nicht gefällt? „Dann kann man ihn ändern lassen“, weiß Heinz Schmitz, Standesbeamter und somit Experte in Sachen Namensrecht in Eschweiler.

Dafür ist es erforderlich, einen Namensänderungsantrag an das Standesamt zu stellen. Dazu müssen das polizeiliche Führungszeugnis, die Geburtsurkunde, eine Aufenthaltsbescheinigung sowie eine Gehaltsbescheinigung beigefügt werden. Denn die Kosten für die Namensänderung richten sich nach dem Einkommen eines Einzelnen.

So variieren die Kosten für eine Vornamensänderung je nach Gehalt zwischen 2,50 Euro und 250 Euro. Eine Nachnamensänderung kann zwischen 2,50 und 1022 Euro kosten.

„In dem Antrag zur Namensänderung sollte eine stichhaltige Begründung angegeben werden, warum man seinen Namen ändern möchte“, erläuterte Schmitz. Denkbar wäre zum Beispiel ein Wechsel der Religionszugehörigkeit: Wer zum Islam übertritt, für den wäre Maria nicht länger der passende Vorname. In Prominentenkreisen kennt man das: Boxlegende Cassius Clay wurde zu Mohammed Ali, der britische Sänger Cat Stevens heißt längst Yusuf Islam.

Nicht alles erlaubt

Im Jahr 2015 gab es in Eschweiler 15 Anträge zur Namensänderung, denen stattgegeben wurde. Hierbei handelte es sich vor allem um Änderungen des Nachnamens. Auch Minderjährige können eine Namensänderung beantragen, allerdings wird dann meist das Jugendamt der Stadt zu Rate gezogen. Namensänderungen bei Transsexuellen und Adoptionen sind übrigens keine Standesamtssache – hier werden die Namensänderungen gerichtlich beschlossen.

Im Jahr 2014 war in Eschweiler der beliebteste Name für neugeborene Mädchen übrigens Sophie, dicht gefolgt von Marie und Lea. Im Jahr 2015 setzte sich ein Name auf Platz eins, der im Vorjahr noch nicht mal unter den Top sieben zu finden war. Mia wurde zum beliebtesten Vornamen, Sophie und Marie landeten auf Platz zwei und drei.

Bei neugeborenen Jungen waren im Jahr 2014 die beliebtesten Namen Elias und Marlon. Auch Ben, Paul, Noah, Johann und Lennard erfreuten sich in diesem Jahr großer Beliebtheit. Im Jahr 2015 blieb der beliebteste Vorname weiterhin Elias. Neu dazugekommen war der Name Finn/Fynn.

„Generell haben Eltern eine ziemlich große Freiheit, was die Wahl des Vornamens ihres Kindes betrifft“, so Schmitz. Trotzdem gebe es ein paar Regeln bei der Namensgebung zu beachten. „Vornamen dürfen nicht so gewählt werden, dass sie dem Kindeswohl schaden. Sie dürfen also weder lächerlich noch beleidigend sein“. Zudem sei es verboten, Kinder nach Städten, Orten oder Marken zu benennen.

Das schließt aus, dass Partypüppchen Paris Hilton hierzulande in Paris Schmitz eine Nachahmerin findet. Durchaus möglich ist dagegen, dass die Söhne des Schauspielers und Musiker Uwe Ochsenkecht, Jimi Blue und Wilson Gonzales, als Namensvorbild für Eschweiler Nachwuchs herhalten.

Nicht erlaubt ist es, Familiennamen oder Adelstitel als Vornamen wählen. „Prinzessin Mia“ ist also ebenso wenig erlaubt wie „Prinz Elias“. Auch biblische Namen mit negativen Assoziationen wie „Judas“ oder „Kain“ sind nicht erlaubt. Namen, die geschichtlich eine negative Assoziation haben, sind hingegen erlaubt. „Allerdings sollte man sich überlegen, ob man seinem Kind einen Gefallen damit tut, es Adolf oder Hermann zu nennen“, sagte Schmitz.

Außerdem dürfe man seinem Kind allerhöchstens fünf Vornamen geben. In Eschweiler gab es im Jahr 2015 allerdings nur elf Kinder, die immerhin drei Vornamen bekamen, und nur ein einziges Kind erhielt mehr als drei Vornamen.

Geschlechtsneutral

Es kommt außerdem selten vor, dass Migranten ihren Kindern ausgeprägt deutsche Namen geben. Dem Standesamt liegen marokkanische und türkische Namensregister vor, aus denen Migranten meistens die Namen für ihre Kinder wählen. „Das liegt vor allem daran, dass diese Namen dann auch in dem Heimatland anerkannt werden“, erklärte Schmitz.

Geschlechtsneutrale Vornamen waren in Deutschland lange nur in Verbindung mit einem Zweitnamen möglich, aus dem das Geschlecht des Kindes hervorgehen musste. Diese Regelung ist aber inzwischen geändert. Trotzdem ist es hierzulande eher selten der Fall, dass Mädchen beispielsweise Kai, Alex oder Luca heißen, die als geschlechtsneutrale Namen gelten, in Deutschland aber meist als männliche Namen verwendet werden.

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