Stadtjugendring in Eschweiler sucht neuen Vorsitzenden

Von: Patrick Nowicki
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Die Ausgabe der Juleica übernimmt der Stadtjugendring, der in Eschweiler die Interessen der Organisationen vertritt, die Jugendarbeit betreiben. Foto: Peter Steffen
Stadtjugendring
Nachfolger gesucht: Heinz-Peter Wiesen will den Vorsitz des Stadtjugendrings nach 20 Jahren abgeben. Foto: Nowicki

Eschweiler. In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses im September kam die Diskussion über einen Zuschuss an die Arbeiterwohlfahrt auf. Der Vorsitzende des Stadtjugendrings, Heinz-Peter Wiesen, kritisierte darin unter anderem, dass andere Vereine nur einen Teilbetrag ihres Antrags erhalten haben, diesmal aber die gesamte Summe fließen sollte.

Der Indestädter stellte sich zudem auf den Standpunkt, dass der Zuschuss aus einem anderen Fördertopf zu zahlen sei. Diese Debatte zeigte: Der Stadtjugendring vertritt in manchen Punkten eine andere Meinung als die Stadtverwaltung und die Ratsparteien. Allerdings steht der Stadtjugendring vor einer unsicheren Zukunft: Der Vorsitzende Heinz-Peter Wiesen hat schon vor zwei Jahren erklärt, 2017 nach 20 Jahren aufhören zu wollen, und hält an diesem Beschluss fest. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Am Mittwoch findet die Versammlung des Stadtjugendrings statt.

Von dem Ausgang der Veranstaltung hängt auch die Arbeit im Eschweiler Rathaus ab. Der Stadtjugendring erhält zwar einen Zuschuss in Höhe von 10.000 Euro im Jahr, übernimmt allerdings auch Aufgaben, die in anderen Kommunen hauptamtlich von Mitarbeitern des Jugendamtes erfüllt werden. Sollte dies auch in Eschweiler in Zukunft nötig sein, ist sich Wiesen sicher, dass es für die Stadt teurer werde.

Dieses Szenario ist nicht unwahrscheinlich: Werde in der Versammlung nämlich kein neuer Vorstand gewählt, wolle er die Verträge mit der Stadt fristgerecht kündigen, sagt er. „Ich kann schließlich dann nicht mehr garantieren, dass wir unsere vertraglichen Aufgaben erfüllen können“, begründet er diesen Schritt.

Welche Aufgaben übernimmt der Stadtjugendring konkret? Vom Grundsatz her stellt er die Interessenvertretung der Kinder- und Jugendverbände dar. Insgesamt 112 Adressen sind in Eschweiler registriert, die Mitgliedschaft ist kostenlos. Dazu zählen auch das Eschweiler Karnevalskomitee, Pfadfinder, Pfarren, Sportvereine und die Schützenjugend.

Kurzum: alle, die in Eschweiler Jugendarbeit betreiben. Die Ausgabe der Juleica (Jugendleiterkarte), der bundesweit einheitliche Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeiter der Jugendarbeit, wird in Eschweiler vom Stadtjugendring durchgeführt. Zudem bietet er in der Indestadt Fortbildungen für Ehrenamtler an. Einmal im Jahr präsentieren sich die Kinder- und Jugendeinrichtungen Eschweiler bei einer gemeinsamen Veranstaltung: beim Kinder- und Jugendtag, den der Stadtjugendring veranstaltet.

Zudem ist er an der Förderung für Institutionen und Vereine beteiligt. Als Bindeglied zwischen Jugendamt und Vereine übernimmt er die Aufgabe, den Vereinen die Vereinbarung zur finanziellen Förderung näher zu bringen. Daran gekoppelt ist unter anderem, dass sämtliche Ehrenamtler, die in der Jugendarbeit tätig sind, im Rahmen der Kindeswohlgefährdung ihr erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

Sensibler Aspekt

Der letzte Aspekt ist ein äußerst sensibler, denn nicht alle Ehrenamtler zeigen Verständnis dafür. Aktuell liegt die Verantwortung komplett bei den Vereinen. Heinz-Peter Wiesen hätte sich eine andere Vorgehensweise gewünscht: „Wenn Vereine einen Wechsel im Vorstand haben, müssen sich die neuen Verantwortlichen eigentlich wieder die Führungszeugnisse zeigen lassen.“ In seinen Augen wäre es darum sinnvoller gewesen, wenn die Führungszeugnisse an zentraler Stelle im Rathaus vorgelegt werden müssten. Die Entscheidung fiel vor Jahren jedoch anders aus, als er es sich gewünscht hat.

Meinungsverschiedenheiten will Wiesen jedoch nicht als Grund für seinen Rückzug verstanden wissen. Wie in anderen ehrenamtlichen Bereichen auch sei die Belastung gewachsen, die Vorgänge würden immer komplizierter. Zudem fühlt er sich nach 20 Jahren als Vorsitzender etwas amtsmüde: „Es ist vielleicht gut, wenn jemand wieder frischen Wind bringt.“ Der Stadtjugendring steht auf gesunden Füßen. Der Verleih von Hüpfburgen und Spielmaterial für Mitgliedsorganisationen gegen eine kleine Gebühr hat sich bezahlt gemacht. Vom städtischen Zuschuss kann sich der Verein stundenweise eine Bürokraft leisten, die „viel Arbeit wegschaufelt, wie Wiesen einräumt.

Dass es dennoch unwahrscheinlich ist, dass sich jemand spontan in der Versammlung des Stadtjugendrings bereit erklärt, die Aufgabe des Vorsitzenden zu übernehmen, liegt auf der Hand. Jeder Teilnehmer hat schließlich schon in der Organisation, die er bei der Runde am Mittwochabend vertritt, Verantwortung übernommen. „Vorsitzender des Stadtjugendrings macht man nicht so nebenher“, sagt Wiesen.

Dass sich Menschen nach wie vor ehrenamtlich engagieren wollen, erfährt er derzeit beim Ferienfreizeitwerk Röhe. Auch dort kündigte er an, den Vorsitz niederzulegen. Es stand dort sogar eine Auflösung des Vereins im Raum. Die ist jedoch inzwischen vom Tisch, weil viele Menschen in der Dorfgemeinschaft Röhe mit anpacken. Ohnehin will Wiesen nicht einfach alles stehen und liegen lassen, sondern bietet seine Unterstützung auch in Zukunft an.

„Nach so vielen Jahren ist auch viel Herzblut dabei“, sagt er, „darum biete ich dem kommenden Vorstand an, ihm als Beisitzer oder in anderer Funktion mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“ So soll der Übergang in die Ära nach Heinz-Peter Wiesen erleichtert werden.

Dieser bleibt in anderer Funktion weiterhin für die Stadt aktiv. Jedoch nicht ausschließlich in seiner Freizeit: Als hauptamtlicher Geschäftsführer des Citymanagement-Vereins ist er inzwischen für die Organisation der Stadtfeste zuständig. Weitere Parallele: Auch der Citymanagement-Verein sucht nach einem neuen Vorsitzenden, nachdem Klaus-Dieter Bartholomy sein Amt nach vielen Jahren niedergelegt hat.

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