Eschweiler - Stadtfeste in Eschweiler sind teuer, aber unverzichtbar

Stadtfeste in Eschweiler sind teuer, aber unverzichtbar

Von: Rudolf Müller
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Volle Einkaufsstraßen: Verkaufsoffene Sonntage, die ohne besondere Rahmenveranstaltungen nicht machbar sind, wird es auch künftig in Eschweiler geben – auch wenn die Kosten dafür stetig steigen. Foto: Rudolf Müller
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Eine Giftmülldeponie mitten in der Fußgängerzone: Tausende von Zigarettenkippen machen dieses Baumbeet zu einer ebenso abstoßenden wie hoch toxischen Sauerei. Mitarbeiter eines nahen Straßencafés wurden wiederholt dabei gesehen, wie sie die Zigarettenstummel vom Gehweg ins Baumbeet kehrten. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Stadtfeste bringen Besucher in die Stadt. Verkaufsoffene Sonntage tun dies auch. das eine ohne das andere kann es nicht geben: Stadtfeste, die nicht mit einem verkaufsoffenen Sonntag verknüpft sind, sind einerseits nicht eben Publikumsmagnete und andererseits eben deshalb kaum zu bezahlen.

Verkaufsoffene Sonntage wiederum sind ohne einen Anlass wie beispielsweise den Tag des Karnevals gar nicht genehmigungsfähig. Ein teurer Spaß: Bis zu 10.000 Euro gibt der Citymanagement-Verein je Stadtfest/verkaufsoffenem Sonntag allein für Werbung aus. Und der Weihnachtsmarkt wäre ohne Sponsoren überhaupt nicht vorstellbar. Bis zu 20.000 Euro „erbetteln“ Citymanager Klaus-Dieter Bartholomy und seine Mitstreiter jedes Jahr dafür.

Strenge Vorgaben

Seit einem Jahr kümmert sich Hans-Peter Wiesen im Auftrag des Citymanagements um die Organisation der Stadtfeste. Und hat dabei den Eindruck gewonnen, dass etliche Einzelhändler nur deshalb ihre Geschäfte öffnen, weil ihre Nachbarn dies auch tun. Rechnen sich verkaufsoffene Sonntage überhaupt?

Könnte der Einzelhandel angesichts der zuletzt von der Gewerkschaft verdi ausgelösten Erschwernisse und immer höheren Kosten nicht ebenso gut darauf verzichten? Gibt es Alternativen? Fragen, die Wiesen gemeinsam mit dem Vorstand des Citymanagements jetzt in einer Mitgliederversammlung zur Diskussion stellte. Und die dafür sorgten, dass das Haus Lersch fast aus den Nähten platzte.

Die neue, stringente Marschrichtung der Gewerkschaftsvertreter, die andernorts schon dicke Kreuze durch die Pläne verkaufsoffener Sonntage machte, hatte auch in Eschweiler bereits Auswirkungen. Läden dürfen nur im Bereich des für die Öffnungsgenehmigung relevanten Events aufmachen. Die Zahl der Eventbesucher muss die der Ladenbesucher übersteigen.

Und die Eventfläche muss größer sein als die Verkaufsfläche. Bei einer Oldtimershow am Auerbachcenter war das nicht der Fall. Konsequenz: Bei den beiden folgenden Stadtfesten blieben die Läden dort geschlossen. Mediamarkt-Geschäftsführer Ingo Adamus: „Vor verkaufsoffenen Sonntagen nehmen wir immer richtig Geld in die Hand, um zu werben. Wenn wir ausgeschlossen sind, fließt da natürlich nichts.“ Beim jüngsten Stadtfest löste das Streetfood-Festival am Auerbachcenter das Problem.

Probleme gibt es aber auch in der Innenstadt genügend. Die Stadtmöblierung, so Wiesen, stört die Nutzung: „Alle paar Meter steht ein Baum, eine Bank oder eine Mülltonne. Da gibt es kaum mal drei Meter freie Fläche für einen Verkaufsstand, geschweige denn ein Karussell.“

Und: Längst nicht jeder Einzelhändler duldet auch Verkaufsstände vor seinem Geschäft. Dabei ist die Nutzung des Straßenraums für Stadtfeste geradezu überlebenswichtig, um der summierten Verkaufsfläche der Ladenlokale möglichst viel Eventfläche gegenüberzustellen: „Wir müssen jeden Quadratmeter in der Fußgängerzone vermieten und verbauen“, so Bartholomy, der die mangelnde Begeisterung der Geschäftsleute für gemeinsame Veranstaltung auch so dokumentiert sieht: „Die Mehrzahl der Kaufleute lehnt es inzwischen sogar ab, Plakate in ihre Schaufenster zu hängen – selbst für ihre eigenen Veranstaltungen.“

Enorme Außenwirkung

Ein weiteres Problem: Laut Gesetz dürfen Dienstleister an verkaufsoffenen Sonntagen keine Geschäfte machen. Ein Großteil der Geschäftsleute in der Neustraße aber zählen dazu – zum Beispiel Reisebüros. Wozu sollten die teures Geld in Werbung investieren, wenn sie am Tag selbst außen vor bleiben müssen? Auch die jährliche Autoschau, die wesentlich zur Finanzierung der Citymanagent-Arbeit beiträgt, kommt nicht bei jedem gut an.

Von manchen werden die Autos in der Fußgängerzone eher als störend empfunden. Dennoch – trotz steigender Kosten für attraktive Events: Ohne Stadtfeste mit verkaufsoffenen Sonntagen geht es nicht. Auf sie verzichten wollte keiner der am Dienstagabend diskutierenden Geschäftsleute. „Ich bin für jedes Ding dankbar, das Leben in die Neustraße bringt“, so ein dortiger Geschäftsmann.

Ideen jederzeit willkommen

Die Stadtfeste, darüber sind alle sich einig, sind Teil des Stadtmarketings und besitzen eine enorme Außenwirkung, wie Einzelhändler betonen: „Die meisten Kunden kommen von außerhalb, fühlen sich bei uns gut bedient und kommen gerne wieder.“ Alternativen wie „Night-Shopping“ und lange Samstage können den Sonntagen nicht das Wasser reichen, darin waren sich die Kaufleute einig.

Allerdings gab es auch Kritik und Appelle an die eigene Zunft: „Wir nehmen noch viel zu wenig Geld in die Hand! Es reicht nicht, dass Stadt oder Citymanagement etwas tun – auch die Geschäftsleute selbst müssen etwas tun“, so der Aufruf eines Einzelhändlers. „Tun wir das nicht, überlassen wir das Feld komplett dem Online-Handel.“ Ideen sind gefragt. Und jeder ist eingeladen, sich im Citymanagementverein einzubringen, dessen erweiterter Vorstand einmal monatlich tagt. Der Verein hat derzeit 104 Mitglieder, was bei weitem nicht die Eschweiler Geschäftswelt abdeckt.

Die Termine für die nächsten Stadtfeste mit verkaufsoffenem Sonntag stehen längst fest: Vom 31. August bis zum 2. September wird in der City ebenso wie im Auerbachcenter wieder gefeiert – mit der traditionellen Indeschau auf dem Marktplatz und Fahrzeugschau am Auerbachcenter. Vom 9. bis 11. November regiert der Tag des Karnevals, und der Weihnachtsmarkt ist vom 7. bis zum 23. Dezember geöffnet.

 

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