Stadtbücherei: Karl May ist out, Harry Potter ist in

Von: Sonja Essers
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Michaele Schmülling-Kosel, Leiterin der Eschweiler Stadtbücherei, weiß, welche Klassiker bei kleinen und großen Leseratten ankommen und welche nicht. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Er ist der Schöpfer von literarischen Legenden wie Winnetou und Old Shatterhand und gleichzeitig der erfolgreichste Autor deutscher Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts: Karl May. In diesem Jahr wäre May, der laut Unesco der am häufigsten übersetzte deutsche Schriftsteller aller Zeiten ist, 175 Jahre alt geworden. In der Eschweiler Stadtbücherei hat man seine Werke im Keller untergebracht – und das nicht nur aus Platzgründen.

Ein weiterer Grund: „Nachgefragt ist er heute nicht mehr“, sagt Leiterin Michaele Schmülling-Kosel. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass die Werke von Schriftstellern wie Karl May und teilweise auch Goethe, Böll oder Storm ihre besten Zeiten hinter sich haben. Auch die Neuverfilmung von „Winnetou“, die Ende Dezember im Fernsehen zu sehen war, änderte daran nichts. Ein Grund: „In meiner Generation wurde das noch gelesen. Aber die Kinder und Jugendlichen heute kennen diese Bücher gar nicht mehr“, sagt sie.

Gehörten die Geschichten über Winnetou einst in jedes vorzeigbare Bücherregal, sind es heute Werke wie „Harry Potter“ und auch „Gregs Tagebuch“, die kleine und große Leseratten faszinieren. Doch nicht alle Klassiker sind bei Kinder und Jugendlichen verpönt. Regelmäßig ausgeliehen werden noch Bücher wie „Pipi Langstrumpf“, „Die kleine Hexe“, „Räuber Hotzenplotz“, „Jim Knopf“, „Momo“, „Ritter Rost“ und auch „Die drei ???“ um nur einige Beispiele zu nennen. „Das sind moderne Klassiker, die auch schon oft überarbeitet wurden“, sagt Schmülling-Kosel.

Die Neuauflagen sind oft nicht nur attraktiver gestaltet, sondern auch ihre Sprache wird angepasst. In der Kinder- und Jugendliteratur werden die Werke „5 Freunde“ sowie „Hanni und Nanni“ derzeit überarbeitet. Bei den Erwachsenen kommen die neuaufgelegten Werke von Agatha Christie vielerorts gut an. In der Indestadt sind bei Jugendlichen und Erwachsenen vor allem Klassiker wie „Das Tagebuch der Anne Frank“, „Die Welle“, „Das Parfüm“ und auch die „Blechtrommel“ sehr beliebt.

Michaele Schmülling-Kosel freut sich besonders darüber, dass sich auch das eine oder andere Mal junge Erwachsene mit Weltliteratur auseinandersetzen – wenn auch nur im Rahmen von Facharbeiten. „In diesem Jahr wurden schon zwei Facharbeiten über Goethes Faust geschrieben und Grimms Märchen sind eigentlich auch immer dabei. Das finde ich ganz toll”, sagt sie.

Und was würden Michaele Schmülling-Kosel und ihre Kolleginnen machen, wenn die alten Klassiker à la Karl May plötzlich doch wieder gefragt wären? Ganz einfach: Aus dem Keller des Rathauses zurückholen. „Wenn sie jemand lesen möchte, dann kann er das natürlich gerne tun“, sagt Michaele Schmülling-Kosel und lacht. Das hält sie allerdings für unwahrscheinlich: „Es ist nämlich nicht so, dass das noch gut geht“, sagt sie. Dass diese übrigens im Keller untergebracht sind, sei für die Kunden der Bücherei kein Problem. „Wer danach sucht und sie nicht findet, der fragt danach. Da das aber so selten passiert, konnte ich sie guten Gewissens in den Keller stellen“, so Schmülling-Kosel.

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