Eschweiler - Stadt verbuddelt mindestens 23 Millionen Euro im Kanal

Stadt verbuddelt mindestens 23 Millionen Euro im Kanal

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Dass Wasser ein überaus kostbares Gut ist, das weiß nicht nur der, der in den Wüstengebieten dieser Erde nicht enden wollende Kolonnen von Tankwagen das lebensnotwendige Nass über tausende von Kilometern transportieren sieht.

Das weiß auch jeder, der hierzulande dafür zahlen muss, dass sein Schmutzwasser wieder gereinigt und aufbereitet wird. Der Frischwasserverbrauch sinkt drastisch. Verbrauchte der Durchschnitts-Eschweiler vor fünf Jahren noch 250 Liter Frischwasser täglich, so sind es heute nur noch 125 Liter. Was bedeutet, dass das Schmutzwasser in Kanälen und Kläranlagen immer dicker wird.

Damit die Aufbereitung in Anlagen geschieht, die dem Stand der Technik entsprechen, sind die Kommunen gesetzlich gehalten, in regelmäßigen Abständen Abwasserbeseitigungskonzepte - und neuerdings auch Niederschlagswasserbeseitigungskonzepte - zu entwickeln. Darin wird jeweils für sechs Jahre festgeschrieben, was zu tun ist - und wann es getan werden soll.

Kontrolle überfällig

Das schließt auch vorgeschriebene Kanalbefahrungen mit Kameras ein. Seit Anfang des Jahres wird das gesamte Eschweiler Kanalnetz nach über 20 Jahren erstmals wieder flächendeckend befahren. Dies geschieht abschnittsweise und auf mehrere Jahre verteilt, so dass bisher noch keine konkreten Ergebnisse vorliegen, auf deren Grundlage konkrete Haushaltsansätze zur Schadenssanierung eingeplant werden könnten. Fest steht allerdings, dass Sanierungsbedarf besteht. Zuletzt war das Kanalnetz in den Jahren 1990 und 1991 fast vollständig befahren worden: 1991 betrug die Gesamt-Kanalnetzlänge rund 240 Kilometer - 200 davon wurden inspiziert. Ab 1992 wurden nur dort Kameras in den Untergrund geschickt, wo Sanierungs- oder Neubaumaßnahmen anstanden.

Spätestens 2006 hätte die gemäß der Selbstüberwachungsverordnung Kanal (Süw Kan) vorgeschriebene Zweitbefahrung beginnen müssen, die sich abschnittsweise über 15 Jahre erstrecken kann. Demnach hätten zwischen 2006 und 2011 mindestens 30 Prozent des Kanalnetzes erneut kontrolliert werden müssen. Macht 78,3 Kilometer. Tatsächlich befahren wurden aber nur 27,3 Kilometer. In Abstimmung mit der Bezirksregierung verpflichtet sich die Stadt nun, bis 2020 jährlich zwischen 32,6 und 21,5 km des heute insgesamt 261 Kilometer langen Kanalnetzes zu befahren: von Röhe, Aue und der Wasserschutzzone zwischen Hastenrath und Nothberg (2012) angefangen über die südliche Innenstadt (2013) Weisweiler (2014) und die nördliche Innenstadt (2015) bis hin zum IGP, Bergrath und Hastenrath (2016), Nothberg und Hücheln (2017), Pumpe/Stich, zur Waldsiedlung und Fronhoven/Neu-Lohn (2018) nach Hehlrath/Kinzweiler und St. Jöris (2019) sowie Dürwiß (2020).

Fällig sind in den nächsten Jahren auch zehn Kanalbaumaßnahmen, die aus unterschiedlichen Gründen um Jahre nach hinten verschoben wurden: die nördliche Grabenstraße (2012), die Ardennenstraße, die Karl-Arnold-Straße, die Dreieck- sowie die Dechant-Deckers-Straße (2013), Im Hag, Akazienhain und Hans-Böckler-Straße (2015), der Friedhofsweg (2016) sowie die Jülicher Straße zwischen Grün- und Gasthausstraße (2017).


Unabhängig von den Feststellungen bei den anstehenden Kanalbefahrungen hat ein Erft-städter Ingenieur-Fachbüro inzwischen ein Grobsanierungskonzept für die Kanalisation aller Ortslagen erarbeitet. Demnach muss die Stadt allein in den sechs Jahren der Gültigkeit des fortgeschriebenen Abwasserbeseitigungskonzepts mehr als 20 Millionen Euro aufbringen: 2,04 Millionen in diesem Jahr, 2,8 Millionen im kommenden, 3,5 Millionen anno 2014, 4,1 Millionen in 2015, 4,58 Millionen anno 2016 und 3 Millionen im Jahr 2017. Für die Jahre 2018 bis 2023 sollen dann - nach Abbau des derzeitigen Sanierungsstaus - „nur” noch rund 3,2 Millionen Euro nötig sein.

Verunreinigung strafbar

Teuer wirds nicht zuletzt wegen des stark überhöhten Fremdwasseranteils, der seit Jahren in der Kläranlage gemessen wird und der sowohl Probleme im Kanalnetz als auch hohe Behandlungskosten im Klärwerk und bei den Pumpstationen auslöst. Mit 160 Prozent liegt der Fremdwasserwert deutlich über den zulässigen 100 Prozent.

Besonders hoch ist der Fremdwasseranteil in Nothberg, Bergrath, Volkenrath, Bohl, Hastenrath, Scherpenseel, Röthgen, Waldsiedlung und Pumpe. Ursache, so die Gutachter, dürften Fehlschlüsse in den Trennsystemen sowie undichte Kanäle und Hausanschlüsse.

Gutachter Dr.-Ing. Lothar Kirschbauer: „Gewässerverunreinigung ist seit eh und je ein Straftatbestand! Das gilt auch bei Grund- und Regenwasser!”


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