Eschweiler - Stadt für nächste Flüchtlingswelle bereit

Stadt für nächste Flüchtlingswelle bereit

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Leere Betten in der Jahnhalle: Die Erstunterkunft für Flüchtlinge soll dort Ende März geschlossen werden. Allerdings wartet die Stadt zunächst die Entwicklung der Flüchtlingswelle ab, bevor sie die Halle wieder für Sport öffnet. Foto: Patrick Nowicki
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40 Wohnungen im Gutenbergviertel werden in diesem Jahr für sozial Schwache und Asylbewerber frei. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Derzeit ebbt der Strom an Flüchtlingen ab, die Zahl der Menschen, die in Eschweiler Zuflucht suchen, stagniert. Etwa 1000 Flüchtlinge leben aktuell in der Indestadt. Ihnen wird auf vielfältige Art und Weise geholfen, hier Fuß zu fassen. Der Sozialdezernent Stefan Kaever geht jedoch davon aus, dass bald weitere Flüchtlinge nach Eschweiler gelangen.

„Wir gehen davon aus, dass die Zuweisungen 2016 weitergehen werden. Auf welchem Niveau, da schauen wir noch in eine Glaskugel.“ Dies wird die Stadt wieder vor Herausforderungen stellen, die es zu meistern gilt. Im Folgenden die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum bleibt die Zahl der Flüchtlinge in Eschweiler derzeit konstant?

Dies hat mehrere Gründe. Zum einen befinden sich in den kalten Wintermonaten weniger Menschen auf dem Weg nach Deutschland. Zum anderen erhält die Stadt keine neuen Zuweisungen, weil sie die Aufnahmekapazität nach dem Königsteiner Schlüssel erfüllt hat. Sozialdezernent Stefan Kaever schilderte im Senioren- und Sozialausschuss, dass die großen Städte in Nordrhein-Westfalen ihre Kontingente noch nicht erfüllt hätten und demnach derzeit Menschen aufnehmen.

Wie viele Flüchtlinge leben aktuell in Eschweiler?

In den städtischen Unterkünften in Weisweiler, an der Gracht- und Hüttenstraße sowie auf dem Stich und am Kraftwerk befinden sich 415 Menschen. Insgesamt liegt die Zahl derer, die für die Dauer ihres Asylverfahrens in Eschweiler leben, bei etwa 1000 „Dies unterstreicht, dass es uns gelungen ist, die meisten Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen“, sagte Stefan Kaever. Allerdings sind alle städtischen Unterkünfte ausgelastet. Auf dem Stich wohnen 76 Personen, davon 45 Kinder.

Was geschieht mit den Erstunterkünften in Eschweiler?

Die Bezirksregierung hat in dieser Woche dem Antrag stattgegeben, die Unterkunft Jahnstraße Ende März aufzugeben. Aktuell befinden sich dort keine Menschen mehr. Allerdings wartet die Verwaltung noch ab, ob sie die Sporthalle wieder für die Vereine freigibt. Sie will zunächst sicherstellen, dass ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge bestehen. „Es wäre ein fatales Signal, die Halle zunächst für den Sport zu öffnen und sie dann ein paar Wochen später wieder zu schließen“, teilte Kaever mit. In der Sporthalle des Berufskollegs übernachten zwar derzeit 143 Personen, aber auch diese Erstunterbringungseinrichtung ist bei 200 Plätzen nicht ausgelastet. Die Städteregion Aachen hat beantragt, den Betrieb dort Ende April einzustellen. Eine Zustimmung der Bezirksregierung steht noch aus. Längerfristig wird ein Teil der Donnerbergkaserne – dort sind 103 der 500 Betten belegt – Erstunterkunft bleiben. Kaever geht davon aus, dass frühestens Mitte 2017 an eine Schließung zu denken sei.

Wie bereitet sich die Stadtverwaltung auf den zu erwartenden Flüchtlingszustrom vor?

„Wir sondieren genaustens den Wohnungsmarkt“, sagt Kaever. Offensichtlich mit Erfolg, denn im Gutenbergviertel konnte nun ein Eigentümer überzeugt werden, 40 leer stehende Wohnungen zu vermieten. Sie werden im Laufe des Jahres bezugsfertig. Der Eigentümer übernimmt die Sanierung, die Stadt Eschweiler kümmert sich um Anstrich und Mobiliar. Allerdings sollen dort nicht nur Asylbewerber eine Bleibe finden, auch andere Menschen, die eine günstige Wohnung suchen, sollen berücksichtigt werden. Darüber hinaus will die Stadt in den sozialen Wohnungsbau investieren. Bürgermeister Rudi Bertram kündigte vor Wochen ab, dass man zur Not auch an hochwertige Wohncontainer aufstellen könne. Man sei jedoch weiterhin auf der Suche nach Wohnungen.

Welche Hilfe wird den Asylsuchenden gegeben?

Nach wie vor sind zahlreiche Ehrenamtler und Organisationen in der Flüchtlingshilfe aktiv. In den städtischen Unterkünften stehen die Hausmeister auch als Ansprechpartner für die Bewohner zur Verfügung. Darüber hinaus bietet das Sozialamt Sprechstunden an. Die Familien, die in Wohnungen untergebracht sind, werden besucht. „Damit wollen wir sehen, wie die Menschen angekommen sind“, sagt der Sozialamtsleiter Jürgen Rombach. Neu ist eine App, mit der Flüchtlinge Wissenswertes über Eschweiler und wichtige Anlaufstellen erfahren können. Sie nennt sich „Newcomer-App“ und wird in wenigen Tagen auf der Homepage der Stadt Eschweiler (www.eschweiler.de) kostenlos runterzuladen sein. Dieses Angebot entstand im Rahmen des MINT-Projektes, das von der Europäischen Union gefördert wurde. Bisher in Englisch, soll sie bald auch in anderen Sprachen bereitstehen. Die SPD beantragte, für das Gutenbergviertel ein Stadtteilmanagement einzurichten. Dafür hat die Stadt einen Förderantrag an das Land NRW gesandt, das sich zu 90 Prozent (346.500 Euro) an den Kosten beteiligen soll. Das Geld soll aus dem Fördertopf „Hilfen im Städtebau für Kommunen für die Integration von Flüchtlingen“ fließen.

Welche Auswirkungen haben weitere Flüchtlinge für die Stadt?

Neben der personellen und finanziellen Herausforderung macht sich schon jetzt der Zustrom bei den Bedarfsberechnungen für Kita-Plätze und Schulen bemerkbar. Die Stadt bereitet weitere Brückenprojekte in Kitas vor, wie sie aktuell in der BKJ-Einrichtung Jahnstraße angeboten werden. Insgesamt vier Standorte sind angedacht. Das Angebot des Sozialdienstes katholischer Frauen, Flüchtlingsfamilien Paten an die Seite zu stellen, sei sehr gut angelaufen, hieß es im Sozial- und Seniorenausschuss.

Mit dem Umzug der Bundespolizei nach Eschweiler wuchs auch die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Eschweiler. Hat sich auch dort die Lage entspannt?

Mit der Gesetzesänderung zum 1. November 2015 übernimmt das Eschweiler Jugendamt nicht mehr automatisch die Vormundschaft. Auch die Jugendlichen werden nun nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Kommunen verteilt. Jugendamtsleiter Jürgen Termath berichtete, dass das Verfahren jedoch schleppend laufe. Nach dem Verteilungsschlüssel müsste Eschweiler 39 minderjährige Flüchtlinge aufnehmen. Tatsächlich leben 75 in der Indestadt. Lobend erwähnt Jürgen Termath die Kooperation mit dem Haus St. Josef, das unter anderem auch die zentrale Unterbringung in der ehemaligen Kirche St. Michael betreibt. In der Einrichtung mit 20 Plätzen wohnen derzeit zwölf Jugendliche.

Wie reagieren die Indestädter auf den Flüchtlingsstrom?

Die Welle der Hilfsbereitschaft ist nach wie vor ungebrochen. Die vor der Inbetriebnahme der Einrichtung auf dem Stich geäußerten Bedenken aus der Nachbarschaft seien laut Kaever inzwischen verstummt. „Unsere Mitarbeiter haben auch bei den umliegenden Firmen nachgefragt und überall ein positives Echo erhalten“, berichtet Kaever. Auch die gute Zusammenarbeit mit der Wohnungsgenossenschaft zeige, dass sich die Flüchtlinge als Mieter vorbildlich verhalten. „Die Familien haben sich gut in die Hausgemeinschaft eingefügt, man hilft sich gegenseitig“, meinte Kaever. Die Stadtverwaltung wolle jedoch weiterhin wachsam bleiben und auf Hinweise reagieren.

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