Staatsbesuch im Talbahnhof: Angie spricht zum Eischwieler Volk

Von: mut
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Die Kölner Kabarettistin Eva
Die Kölner Kabarettistin Eva Eiselt als Angela Merkel: Ein Anruf bei Christian Wulff und der Kredit für den neuen Merkel- Wintergarten ist gesichert. Foto: Anna Reinmuth

Eschweiler. Auch der „Homo Eischwielakus” ist vom Aussterben bedroht. Sie haben richtig gehört, doch warum? Diese Frage und noch viele mehr versuchte die Kölner Kabarettistin Eva Eiselt auf unterhaltsame Art und Weise für ihr Publikum im Talbahnhof zu beantworten.

Als Volk Angela Merkels, als Altenheimbewohner und als Herzensbrecher integrierte Eiselt gekonnt ihr Publikum in das neue Bühnenprogramm „Geradeaus im Kreisverkehr”.

Die Menschen leben in einer Gesellschaft und sind dennoch so verschieden. Die einsame, dialektsprechende und unattraktive Teilnehmerin des Lesekreises, Sigrid, sucht vergeblich einen „rieschtischen” Mann. Als erfolgreiche Geschäftsfrau im Bereich Entwicklung eines Computersprachprogramms zeigt Eiselt die Unpersönlichkeit und den Stress in der Geschäftswelt. Kleine Probleme, die das Leben so schwer machen lauern in allen Ecken. Die Bestellung eines Tickets für die Bahn über das Telefon und somit über ein Computersprachprogramm - ein mittelschwerer Akt für Jedermann.

Suche nach Erleuchtung

Und im Kontrast dazu gibt es Menschen, die „Ja” zum Leben sagen. Ja, zum richtigen Leben mit innerer Ruhe und auf der Suche nach der Erleuchtung. Yoga zur Entspannung ist mittlerweile eine sehr begehrte Freizeitbeschäftigung. Man mag es kaum glauben, auch hier lauern Gefahren. Ein Bandscheibenvorfall durch falsches Verbiegen verhindert die Suche nach der inneren Ruhe. Probleme über Probleme im Alltag! An diesem Abend jedoch konnte das Publikum im Talbahnhof diese Probleme entspannt betrachten.

Unsere Gesellschaft wird immer älter - demografischer Wandel in aller Munde. Eiselt begibt sich in die Rolle der Kaffeefahrtenveranstalterin und macht dem im Durchschnitt etwas älteren Publikum humorvoll deutlich, wie wenig sie eigentlich noch gebraucht werden. „Die Zivistellen fallen weg, die Wehrpflicht fällt weg und Sie sind noch da - herzlich Willkommen in Afghanistan”. Provokativ zeigte Eiselt dieses gesellschaftliche Problem auf und schaffte es durch ihre amüsante Darstellung, keinen Gast persönlich anzugreifen.

Natürlich durfte an einem solch vielfältigen Abend die mächtigste Frau im Lande nicht fehlen. Bei der Ausarbeitung eines neuen Konzeptes für die Neujahransprache spricht „Angie” an das Eischwieler Volk. Wie alle kleinen Mädchen wollte auch „Angie” Prinzessin werden und schau her, „Kohlsuppe, Entendreck, blöde Mauer geh jetzt weg” mit diesem Zauberspruch war sie schnell Prinzessin für Umwelt, und auch wenn es heute nicht Prinzessin von Deutschland heißt, ist sie immerhin die mächtigste Frau im Staat.

„Angie” muss natürlich auch innenpolitisch im Fall Wulff Stellung nehmen und außenpolitisch den Euro retten. Eine Anfrage an Wulff über eine Anleihe von 200 000 Euro für einen Wintergarten lehnt dieser nach anfänglichem Zweifel am Telefon nicht ab.

Ohne Strom keine Freunde

Probleme über Probleme sowohl auf politischer und öffentlicher Ebene wie auch im privaten Bereich. Das Internet, eine Innovation mit unglaublichem Erfolg, birgt auch Gefahren, und betrachtet man das Leben mit Internet etwas genauer, dann wird deutlich, dass eine bestimmte Generation ohne Strom keine Freunde mehr hätte. Facebook, Partnersuche im Internet, Online shoppen, Fernsehen - all diese Innovationen machen das Leben unpersönlicher und lassen die Menschen vereinsamen. „Wir brauchen doch aber Liebe”, so Eiselt in der Rolle eines Betrunkenen. Immer mehr Probleme, die viele Menschen nicht überstehen und abdriften. Oder aber der Blick in die dritte Welt - Leid, Hunger, Sterben. „Es ist doch genug für alle da, nur keiner kommt und verteilt es”, so Eiselt weiter, denn Rituale wie St. Martin hätten schon lange ihren Stellenwert verloren.

Eiselt gelang es, eine witzige, amüsante und humorvolle Darstellung der gesellschaftlichen Probleme mit ernsten, zum Nachdenken anregenden Aspekten zu paaren und entließ das Publikum mit einer Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit in das Wochenende.
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