St.-Michael-Kirche: Betreuung für minderjährige Flüchtlinge

Von: Rudolf Müller
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Gemeindesaal, Außenbereich, Foyer, Teeküche: Noch gibt es einiges zu tun im ehemaligen Gemeindezentrum St. Michael, in dem künftig 20 (oder - bei steigendem Anteil alleinreisender minderjähriger Mädchen unter den Flüchtlingen – auch mehr) Kinder und Jugendliche vom Haus St. Josef für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe betreut werden. Foto: Rudolf Müller
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Gemeindesaal, Außenbereich, Foyer, Teeküche: Noch gibt es einiges zu tun im ehemaligen Gemeindezentrum St. Michael, in dem künftig 20 (oder - bei steigendem Anteil alleinreisender minderjähriger Mädchen unter den Flüchtlingen – auch mehr) Kinder und Jugendliche vom Haus St. Josef für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe betreut werden. Foto: Rudolf Müller
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Gemeindesaal, Außenbereich, Foyer, Teeküche: Noch gibt es einiges zu tun im ehemaligen Gemeindezentrum St. Michael, in dem künftig 20 (oder - bei steigendem Anteil alleinreisender minderjähriger Mädchen unter den Flüchtlingen – auch mehr) Kinder und Jugendliche vom Haus St. Josef für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe betreut werden. Foto: Rudolf Müller
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Gemeindesaal, Außenbereich, Foyer, Teeküche: Noch gibt es einiges zu tun im ehemaligen Gemeindezentrum St. Michael, in dem künftig 20 (oder - bei steigendem Anteil alleinreisender minderjähriger Mädchen unter den Flüchtlingen – auch mehr) Kinder und Jugendliche vom Haus St. Josef für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe betreut werden. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Pfarrer Michael Datené war in Exerzitien, als Kirchenvorstandsmitglied Hans-Peter Offergeld Mitte Oktober die Dringlichkeitsanfrage aus dem Rathaus erreichte: Die Stadt wollte wissen, ob die Gemeinde das nicht mehr als Gotteshaus genutzte Gemeindezentrum St. Michael als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen könne.

 Bedenkzeit: ein Tag. Ein paar Anrufe später – darunter beim Pastor und beim Bistum – gab Offergeld Grünes Licht: „Das machen wir!“

Zuletzt vom Sozialdienst katholischer Frauen als Kleiderkammer genutzt, kommt dem Gemeindezentrum nun eine neue Bestimmung zu: Hier betreut das Haus St. Josef ab Januar unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. 20 junge Leute (bei steigender Zahl von Mädchen unter den jungen Flüchtlingen auch mehr) sollen hier untergebracht, medizinisch überprüft und mögliche Verwandtschaftsverhältnisse zu anderen Flüchtlingen in der Region geklärt werden.

Nach spätestens vier Wochen sollen die Kinder und Jugendlichen bundesweit auf Kommunen verteilt sein. „Screening“ nennt sich das, was ein erst zum 1. November in Kraft getretenes Gesetz vorgibt. Das sollte eigentlich erst viel später kommen, doch der rasante Anstieg unbegleiteter Minderjähriger unter den Flüchtlingen von bundesweit 16.000 im vergangenen auf erwartete 60.000 in diesem Jahr zwang den Gesetzgeber zu schnellem Handeln.

Auch Wolfgang Gerhards, Leiter des Hauses St. Josef und seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit aktiv, stellt fest: „Der Anteil minderjähriger, unbegleiteter Flüchtlinge ist stark gewachsen.“ Jugendamtsleiter Hans-Jürgen Ternath unterstreicht das: „Allein im jüngsten Flüchtlingstransport nach Eschweiler waren 17 unbegleitete Minderjährige.“

Dabei liegt der offizielle Schlüssel bei 1:1779. Sprich: ein alleinreisender Minderjähriger pro 1779 Einwohner einer Kommune. „In Eschweiler betreuen wir derzeit 62 – also die doppelte Zahl“, so Ternath. 20 von ihnen leben in einem abgetrennten Bereich der Jahnhalle. Sie sollen künftig im St.-Michael-Zentrum untergebracht werden.

„Das sind erheblich traumatisierte Kinder und Jugendliche, die rund um die Uhr betreut werden müssen“, sagt Wolfgang Gerhards. „Hier in St. Michael können wir die nötigen jugendrechtlichen Standards gewährleisten.“

Nötig sind dazu 16 Betreuer, die im Schichtdienst 24 Stunden an allen Tagen für die Kinder da sind. Gerhards: „Nach Vorgabe eines Aachener Modellprojekts müssten wir für je zehn Betreute 4,5 pädagogische Fachkräfte und 3,5 anderweitig qualifizierte Betreuer stellen. Aber der Markt ist leergefegt ...“

Bis jetzt kann das Haus St. Josef personell eine Zehnergruppe „stemmen“. „Wenn wir inserieren, finden wir uns in bester Gesellschaft von einem knappen Dutzend weiterer Einrichtungen, die Personal suchen“, sagt Gerhards. Dennoch setzt er auf hohe Standards: „Wir wollen zum Beispiel den Nachtdienst generell doppelt besetzen, weil der für Berufsanfänger sonst einfach zu problematisch werden kann.“

Zurzeit regieren die Handwerker in dem Gemeindezentrum. Und im Grünen nebenan: Hier werden externe Sanitärcontainer aufgestellt, durch einen überdachten Gang mit dem Gebäude verbunden. Im bisherigen Gemeindesaal und Kirchenraum entstehen an der fensterabgewandten Seite Zweibett-Schlafkabinen für die jungen Flüchtlinge, an der Fensterseite wird alles für die Essensausgabe vorbereitet, der Rest des Raums dient als Freizeitbereich.

Weitere Räume werden als Aufenthaltsräume für die Betreuer vorbereitet, dienen als Rückzugsraum für Gespräche und ähnliches mehr. Die Kosten für Umbau, Unterhalt und Betreuung erstattet das Land. Wie lange St. Michael dem neuen Zweck dient, weiß heute niemand zu sagen. Auf zwei Jahre ist das Projekt angelegt, jährlich verlängerbar.

Pfarrer Michael Datené kann der neuen Nutzung der ehemaligen Kirche nur Positives abgewinnen: „Bei der Tempelreinigung hat Jesus gesagt: ,Mein Haus soll ein Haus des Gebets für alle Völker sein‘. Nun ist St. Michael zwar kein Haus des Gebets mehr, aber ein Haus für alle Völker!“

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