Eschweiler-St.Jöris - St. Jöris: Lebenswerter Ort trotz fehlender Geschäfte

St. Jöris: Lebenswerter Ort trotz fehlender Geschäfte

Von: Tobias Röber
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Kennt den Ort in- und auswendig: Willi Bündgens wurde in St. Jöris geboren. Foto: Tobias Röber
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Die letzte verbliebene Kneipe ist derzeit auch meistens zu: Mitten in St. Jöris findet man die Gaststätte „Zur alten Schmiede“.

Eschweiler-St.Jöris. Seinen Heimatort kennt er aus dem Effeff. Dort ist er geboren, dort wohnt er seit der Geburt. Er hat Einwohner kommen und gehen sehen. Und auch Geschäfte. Die sind vor allem gegangen. Im Rahmen unserer Serie zur Nahversorgung in den Eschweiler Stadtteilen hat uns Willi Bündgens „sein“ St. Jöris nähergebracht.

„Es ist alles anders geworden“, fasst Willi Bündgens die Entwicklung im Ort zusammen. Sinnbildlich dafür steht die Zahl der Gaststätten. Vier gab es einst, eine ist noch übrig geblieben. Die hat den Besitzer bereits mehrfach gewechselt. Jetzt ist sie an den meisten Tagen wieder zu, wie Willi Bündgens sagt. Früher gab es eine Gaststätte an der Ecke Merzbrücker Straße (später hatte ein Dachdecker dort seinen Betrieb), eine gegenüber der Kirche und eine weitere im sogenannten Oberdorf.

Die letzte Kneipe trägt den Namen „Zur alten Schmiede“. Früher war dort tatsächlich eine Schmiede, zudem erledigte Georg Böhnke dort Arbeiten für Landwirte.

Ein Schmuckstück

Ein Schmuckstück des Ortes ist zweifelsohne das noch recht neue Heim am Sportplatz. Der Sportplatz hat übrigens mehrmals seinen Standort geändert. Früher befand er sich am Friedhof, anschließend in der Dorfmitte.

Irgendwann „wanderte“ er dann auf ein Stück Land des Bauern Hannen. Willi Bündgens freut sich über den Aufschwung, den der Verein in den vergangenen Jahren erlebt, geht aber davon aus, dass eine Fusion (mit den Sportfreunden Hehlrath) in den kommenden Jahren wohl unumgänglich ist.

In unmittelbarer Nähe zum Sportplatz, für dessen Heim man laut Bündgens lange gekämpft habe, ist ein Bahnhof entstanden. Auch für diesen habe man harte Kämpfe gefochten. St. Jöris ist an die Euregiobahn angebunden.

Einen Supermarkt gibt es in St. Jöris nicht mehr. Einkaufen können die Einwohner in einem Hofladen an der Neusener Straße, zudem gibt es einen fahrenden Bäcker und einen rollenden Supermarkt. Der Bäcker bringt täglich Brötchen, auf Bestellung auch etwa eine Zeitschrift.

Der Supermarkt steuert den Ort einmal wöchentlich an. Als „sehr hilfsbereit“ bezeichnet Bündgens die Geschäftsleute. Wer heute einkaufen will, fährt in der Regel nach Mariadorf.

Einen Bäcker gab es früher selbstredend in St. Jöris. Die Bäckerei Packbier führte auch noch einige andere Waren. Die Bölls zogen später gar ein großes Geschäft hoch und fuhren ihre Waren auch nach Kinzweiler. Daraus wurde Rewe. Die Familie Wickerath hingegen führte einen Edeka-Markt, bei dem man unter anderem Fleisch einer Neusener Metzgerei erwerben konnte.

Beide Geschäfte standen in unmittelbarer Nähe zur Kirche. Dazu gab es den Metzger Brosius, der jeden Freitag an den Haustüren nach dem Bedarf fragte und die Waren am Samstag lieferte. Ähnlich verfuhr ein Schuster aus Hoengen, der Schuhe abholte und repariert zurückbrachte. Willi Bündgens erinnert sich zudem an Herrn Tirtey, der Gemüse herumfuhr.

Mobile Zweigstelle

Selbstredend gab es etliche Landwirte im Ort. Neun waren es, um genau zu sein. Drei sind noch übrig: Römer, Jagdfeld und Pfennigs. Die Poststelle ist ebenfalls nicht mehr da. Im Haus der Familie Jech war sie untergebracht und viele Jahre lang morgens und nachmittags jeweils für eine bis zwei Stunden geöffnet.

Das ist Geschichte. „Aber immerhin haben wir wieder einen Briefkasten“, sagt Bündgens und grinst etwas süffisant. Eine Bankfiliale sucht man in St. Jöris ebenfalls vergebens, allerdings fährt eine mobile Zweigstelle der Sparkasse den Ort zweimal wöchentlich an.

Die Busverbindung bezeichnet Willi Bündgens als schlecht. Nach 19 Uhr fährt beispielsweise gar kein Bus mehr, allerdings kann man sich ein Taxi zu den Buskosten ab dem Wasserwerk in Röhe nehmen.

Kommunale Neugliederung

Gerne denkt Bündgens an die Kirmes im Ort zurück, die stets auf dem Schulhof stattfand. Eine Schule gibt es in St. Jöris nicht mehr, jedoch einen Kindergarten. In diesem war früher der Verwaltungstrakt untergebracht. St. Jöris bildete bis 1972 zusammen mit Hehlrath und Kinzweiler die eigenständige Gemeinde Kinzweiler im Landkreis Aachen.

Eigentlich sollte St. Jöris nach der kommunalen Neugliederung zu Alsdorf gehören. Bei einer Abstimmung – so erklärt Bündgens – habe sich jedoch ein Großteil der Bewohner für eine Zugehörigkeit zu Eschweiler ausgesprochen.

Derzeit hat St. Jöris 840 Einwohner. Geht es nach der Stadt Eschweiler, sind es bald mehr. Ein Baugebiet mit derzeit geplanten 45 Wohneinheiten soll am Ortsrand entstehen. Auf der anderen Seite soll der (zu) große Friedhof zurückgebaut werden. Vor allem Muslime nehmen ihn nicht so an wie erwartet. Ebenfalls zur Baustelle soll der Weiher in der Ortsmitte bald werden.

An manchen Stellen ist er nur noch 30 bis 40 Zentimeter tief, nun soll Schlamm abgeschöpft werden. Der Angelsportverein würde das wohl sehr begrüßen. Er nutzt den Weiher ebenso wie der Bootsclub Alsdorf/Eschweiler. Das Vereinsleben komplettieren der SV St. Jöris, die Stoppelhusaren, der Klosterverein, ein Kirchen-, ein Frauen- und ein Männerchor sowie die Schützen. Der Schachclub ist ebenso Geschichte wie der Kegelclub „Stina Asse“, aus dessen Reihen viele Jahre der ortseigene Karnevalsprinz hervorging.

Zurück zum Kloster in der St. Jöriser Ortsmitte. Als „gute Stube“ bezeichnet Willi Bündgens das einstige Zisterzienserinnenkloster, das vom Förderverein, der rund 450 Mitglieder hat, in Schuss gehalten wird und das für zahlreiche Veranstaltungen genutzt werden kann – vom Karneval bis hin zu Trauungen.

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