St.-Antonius-Hospital: Nach der Baustelle ist vor der Baustelle

Von: Tobias Röber
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Elmar Wagenbach leitet die Geschicke des St.-Antonius-Hospitals. Projekte gibt es viele, so wie derzeit unter anderem den Bau der Hubschrauberlandeplattform. Wagenbach betont die gute Teamarbeit. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Er ist gelernter Banker und eher zufällig ins Krankenhauswesen gekommen. Elmar Wagenbach arbeitet seit 2001 am St.-Antonius-Hospital und spricht im Interview über seinen Werdegang, sein mitunter gefährliches Hobby und die Entwicklung des Eschweiler Krankenhauses.

 

Herr Wagenbach, haben Sie selbst schon im Krankenhaus gelegen?

Wagenbach: Ich bin ein erfahrener Patient . Mein Hobby betreibe ich mitunter extrem und da bin ich hier im St.-Antonius-Hospital an der Schulter und am Knie operiert worden.

Kinder wollen Feuerwehrmann, Arzt oder vielleicht Lehrer werden, aber eher nicht Geschäftsführender Vorstand im Krankenhaus. Wie kam‘s dazu?

Wagenbach: Ich bin per Zufall ins Krankenhauswesen gekommen.

Wie darf man sich das vorstellen?

Wagenbach: Für mich war relativ früh klar, dass ich zur Bank wollte. Ich habe schon als Kind immer gerne Monopoly gespielt . Also habe ich nach der Schule eine Lehre zum Bankkaufmann absolviert und später BWL studiert. Die Schwerpunkte meines Studiums waren Controlling und Wirtschaftsinformatik. Am Krankenhaus in Dernbach (Rheinland-Pfalz, Anm. d. Red.) war eine Stelle mit den Aufgabenfeldern Kostenrechnung und EDV ausgeschrieben. Ich habe mich beworben, ohne zu wissen, was mich erwartet. Ich wurde genommen und habe die Entscheidung bis heute nicht bereut.

Haben Sie in Ihrem eigentlichen Beruf denn gar nicht gearbeitet?

Wagenbach: Doch, aber als ich dann endlich Bankkaufmann war, war es doch nicht mehr so spannend. Die Arbeit war damals auch noch ganz anders als heute. Da war viel Manuelles dabei, wie Kontoauszüge einsortieren. Für die Buchungen etwa kam jeden Tag eine Kiste aus Frankfurt. Das ist heute unvorstellbar. Ich habe schnell festgestellt, dass ich studieren muss, um die spannenden Sachen machen zu können.

Was verstehen Sie unter „spannenden Sachen“?

Wagenbach: Zum Beispiel die Arbeit in der Kreditabteilung oder in der Auslandsabteilung. Zu meiner Zeit wurde dort beispielsweise ein Geschäft zwischen einer Glasfirma und einem Scheich abgewickelt. Es gab zwei Möglichkeiten. Zum einen, ein Bankbetriebswirt-Studium zu beginnen. Dann wäre ich aber auf die Arbeit in einer Bank festgelegt gewesen. Ich wollte etwas Unabhängiges und habe mich für BWL entschieden. Der Weg zum ersten Job war dann ein wenig kurios...

Inwiefern?

Wagenbach: Ich habe nur eine Bewerbung geschrieben. An einem Freitag habe ich mein Diplom erhalten und bin dann nach Italien gefahren. Damals gab es noch keine Handys. Ich habe am Sonntag zu Hause angerufen und meine Mutter meinte nur: „Du kannst gleich zurückkommen, du fängst morgen an zu arbeiten.“ Das habe ich dann auch getan.

Wie sind Sie nach Eschweiler gekommen?

Wagenbach: Das hatte eine Vorgeschichte. Der Personalberater Wilfried Kappes hatte damals den Auftrag, einen kaufmännischen Direktor für das St.-Antonius-Hospital zu suchen. Wir hatten uns kennengelernt, als ich 27 oder 28 Jahre alt war. Ich hatte mich damals auf eine Stelle in leitender Position an einem anderen Krankenhaus beworben. Mir war eigentlich klar, dass ich für die Stelle nicht in Frage kam und für ihn stand das im Grunde auch fest.

Warum sind Sie dann zum Bewerbungsgespräch gefahren?

Wagenbach: Herr Kappes hat mich damals auch gefragt, warum ich mich beworben habe. Ich habe ihm geantwortet: Ich übe Bewerbungsgespräche. Ich weiß, dass ich jetzt für diese Stelle nicht in Frage komme, aber vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem das anders ist. Ich habe ihn dann gefragt, warum er mich überhaupt eingeladen hat.

Und was hat er geantwortet?

Wagenbach: Er wollte denjenigen kennenlernen, der sich so frech auf die Stelle beworben hatte. Die Anspannung war spätestens zu diesem Zeitpunkt weg und wir haben uns auf Fachebene gut unterhalten. Dann kam eben das Angebot für die Stelle als kaufmännischer Direktor in Eschweiler, mit der Option, Ludger Petersmann später als Geschäftsführenden Vorstand zu beerben. Am 1. Oktober 2001 habe ich hier begonnen, Ende 2003 ist Ludger Petersmann in den Ruhestand getreten.

Wie war der erste Eindruck vom St.-Antonius-Hospital?

Wagenbach: Das Haus war gut aufgestellt, Ludger Petersmann und sein Team haben hervorragende Arbeit geleistet. Das kann man gut mit Geschwisterkindern vergleichen. Das älteste muss sich den Weg frei boxen und bereitet den Weg für das jüngere. An dieser Stelle muss man aber auch die tolle Zusammenarbeit mit dem Kuratorium herausstellen, also dem Kirchenvorstand. Dieses Gremium ist extrem kompetent besetzt, was nicht selbstverständlich ist. Zudem arbeitet es ehrenamtlich, investiert also eine Menge Zeit und hält für die Entscheidungen auch den Kopf hin. Es werden stets zukunftsweisende Entscheidungen getroffen, die natürlich immer mit einem finanziellen Risiko verbunden sind. Ich hatte auch immer Riesenglück mit den Kuratoriumsvorsitzenden. Alle gemeinsam tragen eine große Verantwortung.

Wie viel Geld wurde unter Ihrer Regie in die Hand genommen?

Wagenbach: In den vergangenen zehn Jahren wurden rund 75 Millionen Euro ins St.-Antonius-Hospital investiert. Ohne die kleinen Ausgaben, die immer wieder nötig sind. Das ist eine Menge Geld, aber genau wegen dieser Ausgaben steht das Krankenhaus so gut da. Es muss immer wieder investiert werden.

Haben Sie ein „Lieblingsprojekt“ in all den Jahren gehabt?

Wagenbach: Immer das, das gerade läuft. Jede Maßnahme ist spannend, da jedes Projekt im Krankenhaus wie eine OP am offenen Herzen ist und oft tauchen erst während des Baus Probleme auf. Ich hätte zum Beispiel anfangs nicht gedacht, dass wir den Brandschutz im gesamten Krankenhaus anpacken müssen, weil wir eine neue Ambulanz im 8. Obergeschoss bauen. Man darf dabei auch nie vergessen, dass Mitarbeiter und Patienten dabei noch stärker belastet werden. Nehmen wir aktuell den Bau der neuen Onkologie und der Hubschrauberlandeplattform. Rund zwei Jahre lange wird gebaut. Die Patienten verlassen das Krankenhaus nach einigen Tagen. Die Mitarbeiter hingegen bekommen die Maßnahme vom ersten bis zum letzten Tag mit. Wir haben hier 1250 Mitarbeiter und alle tragen ihren Teil bei – von der Putzfrau bis zum Chefarzt.

Hat das Kuratorium auch schon mal eine Idee abgelehnt?

Wagenbach: Nein. Die Arbeit im Kuratorium ist geprägt von hohem Vertrauen und einem intensiven Austausch. Natürlich gibt es immer Wunschdenken und Visionen. Ich denke stets auch über Dinge nach, die zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht noch unrealistisch sind. Aber ohne diese Gedankenspiele geht es nicht. Es ist zu spät, wenn ich erst nachdenke, wenn sich etwa wegen einer neuen Gesundheitsreform etwas ändert. Natürlich gibt es auch mal Projekte, die sich nicht umsetzen lassen.

Zum Beispiel?

Wagenbach: Auf der Englerth-straße stand ein Haus zum Verkauf, das ans Krankenhaus grenzt. Ich hatte die Idee, das zu kaufen, es abzureißen und dort eine Zufahrt für die Rettungswagen zu bauen. Die Stadt hat ihr Veto eingelegt. Eine Einfahrt für alle ist natürlich ein Nachteil. Allerdings bietet die Lage auch viele Vorteile.

Wann wird die aktuelle Baustelle beendet?

Wagenbach: Ich denke, dass der Bau der Onkologie im April abgeschlossen wird und dass wir im Juli mit dem Hubschrauberlandeplatz fertig sind. Ob dann gleich die ersten Hubschrauber fliegen können, wird sich zeigen. Da sind ja einige Behörden im Spiel.

Die nächsten Ideen haben Sie sicher bereits im Kopf...

Wagenbach: Wir müssen das Haus auch mal wieder zur Ruhe kommen lassen, das ist wichtig. Dennoch gibt es natürlich Projekte, die wir zeitnah anpacken wollen. So gibt es ein Konzept für eine neue Privatstation, und der Kreißsaal soll renoviert werden. Verglichen mit dem laufenden Großprojekt ist das Konzept der Privatstation jedoch so etwas wie das Anbringen der Fußleisten. Gedanklich bin ich schon in den Jahren 2025 bis 2030 und was bis dahin alles im Gesundheitswesen geschieht. Das Land will viele Betten und Krankenhäuser abschaffen. Es ist die Rede davon, dass 20 bis 25 Prozent der Häuser wegfallen. Dem muss man sich natürlich stellen. An der Stelle kommt wieder die Lage des St.-Antonius-Hospitals ins Spiel.

Die auch Vorteile hat...

Wagenbach: Zum einen ist da die gute Autobahnanbindung. Die A4 und A44 liegen recht nah. Auch für die Personalakquise liegt Eschweiler exzellent. Das ermöglicht uns, hoch qualifiziertes Personal zu holen. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, aber die beste Maschine nützt jedoch nichts, wenn man sie nicht bedienen kann.

Dennoch müssen Sie auch sparen?

Wagenbach: Wir unterliegen einem Spardiktat und nehmen die Betriebsabläufe und Prozesse genau unter die Lupe. Wenn wir Tariferhöhungen haben und das Budget steigt, kann ich auf der anderen Seite ja nicht einfach Personal kürzen. Das wäre ein endlicher Prozess. Daher müssen wir Leistungen effizienter erbringen und nicht an der Leistung sparen.

Bleibt noch das Thema MQN-Notfallpraxis. Bleibt sie in Eschweiler?

Wagenbach: Das ist ein Thema der Kassenärztlichen Vereinigung. Wir arbeiten exzellent mit dem MQN-Verein zusammen, und aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, etwas zu ändern. Sollte eine Konzentration der Praxen stattfinden, stehen wir bereit. Es ist ganz klar ein Wettbewerb und wir bieten hier optimale Rahmenbedingungen.

Sie jonglieren viel mit Zahlen. Welches Buch lesen Sie gerne?

Wagenbach: Meine Lieblingsbücher sind die Bilanzen von anderen Krankenhäusern . In Kürze werden die ersten neuen Bilanzen ins Internet gestellt, und ich schaue jede Woche nach, ob Zahlen hinzugekommen sind.

Sie haben anfangs Ihr Hobby erwähnt. Was ist daran so gefährlich?

Wagenbach: Ich fahre Mountainbike und damit auch Marathon. Da können Stürze vorkommen.

War der Karneval ein Kulturschock, als Sie von Rheinland-Pfalz nach Eschweiler kamen?

Wagenbach: Moment, der Westerwald liegt näher am Rhein als Eschweiler. Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder mal Eschweiler mit in die Heimat genommen und ihnen den Karneval dort gezeigt. Von Kulturschock kann keine Rede sein (lacht).

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