St.-Antonius-Hospital: Hightech zwischen den dicken Mauern

Von: Rudolf Müller
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Der Rundturm der früheren Burg steht Pate für die Wandgestaltung des neuen „Strahlenbunkers“ (rechts) neben dem Haupteingang der Radiologischen Praxis, der im Straßenbild der Dechant-Deckers-Straße kaum auffallen dürfte. Foto: St.-Antonius-Hospital
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Baustelle an der Dechant-Deckers-Straße: Hier entsteht der neue „Strahlenbunker“. Der größte Teil des Gebäudes verschwindet unter der Erde. Foto: Rudolf Müller
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Gründlich überarbeitet wird der siebte Stock des Bettenhauses: Die Privatstationen werden komplett modernisiert. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Der alte hölzerne Pavillon ist nicht mehr. Das vor rund 20 Jahren im Garten des St.-Antonius-Hospitals mit Hilfe ungezählter Spender errichtete, große „Gartenhaus“ für ruhesuchende Krebspatienten ist Vergangenheit. Spätestens seit dem Umzug der Onkologie aus dem Kellergeschoss des Hospitals ins neu gebaute achte Obergeschoss war der Holzbau überflüssig geworden.

Früher nutzten Patienten die Möglichkeit, aus den beengten Kellerräumen heraus in den Garten und in den Pavillon zu gehen, heute bietet die helle, freundliche Station im achten Stock eine beeindruckende Sicht über die gesamte Stadt. Der Pavillon, der über Jahrzehnte sehr gute Dienste geleistet hatte, stand leer.

Jetzt machte er Platz für einen Neubau, der ebenfalls Krebspatienten zugute kommt: Hier baut das Hospital einen weiteren „Strahlenbunker“. Der rund 250 Quadratmeter große Bau unmittelbar neben dem Eingang zur Radiologischen Praxis an der Dechant-Deckers-Straße wird neben einem topmodernen Linearbeschleuniger im „Bunker“ Wartezimmer, Umkleiden, zwei Arztzimmer und einen Physikerraum enthalten.

Millionen-Investitionen

Der Neubau ergänzt das bisherige Angebot der seit 2006 von der Med360º-Gruppe betriebenen Praxis. Seine eigene radiologische Abteilung hatte das Hospital Ende 2004 geschlossen. Die Praxis betreibt hier bereits seit ihrer Gründung unter anderem einen Linearbeschleuniger, mit dem sich Tumore punktgenau bestrahlen lassen.

Eine Behandlung, die in der Praxis am St.-Antonius-Hospital von immer mehr Menschen in Anspruch genommen wird. „Der Linearbeschleuniger ist komplett ausgelastet“, sagt Sebastian Baum, kaufmännischer Direktor des Hospitals. „Unsere eigenen onkologischen Patienten müssen sich inzwischen auf Wartelisten einstellen. Dabei ist die Onkologie ja einer der Leuchttürme unseres Hospitals mit einem Angebot, wie es es in der Region kaum ein zweites Mal gibt.“

Der bisherige Linearbeschleuniger ist inzwischen zehn Jahre alt und muss gegen ein Gerät der neuesten Generation ausgetauscht werden muss. „Um Engpässe zu vermeiden, werden wir das Gerät ersetzen, sobald das neue in Betrieb genommen ist“, so Baum. Dessen Anschaffungskosten liegen im siebenstelligen Bereich.

Auf rund zweieinhalb Millionen Euro beziffert Diplom-Ingenieur Peter Hering, der Architekt des St.-Antonius-Hospitals, die Kosten für den Neubau – die Technik nicht eingerechnet. Kosten, die nicht zuletzt durch die aufwändige Einhausung des Strahlentherapie-Bereichs entstehen: Der 50 Quadratmeter große Raum wird mit 1,70 Meter dicken Wänden umgeben, die aus Baryt-Beton hergestellt werden – einem Spezialbeton mit immens hoher Dichte. Auch der bereits vor zehn Jahren gebaute Strahlenbunker gleich in der Nähe des Neubaus verfügt über diese Wände.

Vieles unterirdisch

Im Dezember wurde mit den Ausschachtungsarbeiten für den Bau begonnen; Ende April soll der Rohbau stehen. Mitte Oktober schließlich soll der Erweiterungsbau in Betrieb genommen werden.

Ein Bau, der von der Straße her kaum wahrgenommen werden wird: Zwei Drittel des Baukörpers stecken im Boden. Nur gut zwei Meter beträgt die oberirdisch sichtbare Höhe. Der Neubau wird – wie schon der benachbarte Baukörper – attraktiv mit Bruchsteinen verkleidet. Eine Reminiszenz an die einstige mittelalterliche Wasserburg, auf deren Gelände das St.-Antonius-Hospital steht und an die noch heute drei historische Rundtürme (zwei davon an der Dechant-Deckers-Straße) erinnern.

Privatstationen im Umbau

Den Standort des Neubaus unmittelbar an der Dechant-Deckers-Straße haben Peter Hering und seine Kollegen allerdings nicht nur gewählt, weil sich das künftige Mauerwerk so gut an den Burgturm anpassen lässt. Den „Bunker“ hier zu platzieren und dafür den unnütz gewordenen Pavillon zu opfern, das ermöglicht auch, den Hauptpark des Hospitals komplett zu erhalten.

Der Neubau des zweiten „Strahlenbunkers“ ist nicht die einzige größere Baustelle des St.-Antonius-Hospitals: Auch im siebten Obergeschoss des Hauses regieren die Handwerker. Zurzeit werden die Stationen 7a und 7b komplett erneuert. Hier entstehen großzügige, modernst ausgestattete, wohnlich eingerichtete Privatstationen. Ende Mai sollen die Zimmer bezugsfertig sein.

„Dann haben wir die wohl modernsten Privatstationen in der Region“, freut sich Sebastian Baum. „Der Verband der privaten Krankenversicherungen hat uns schon jetzt erklärt, dass wir damit Referenzhaus werden.“ Sprich: An dem, was das St.-Antonius-Hospital hier bietet, werden sich alle anderen Krankenhäuser messen lassen müssen.

Und auch, wenn „Strahlenbunker“ und Privatstationen fertig sind, feilt das Hospital weiter an seiner Qualität: „Dann steht die Modernisierung der kompletten Kardiologie an“, so Peter Hering. Zurzeit ist das Vorhaben in der Genehmigungsphase. Drei weitere topmoderne Herzkathetermessplätze sind bereits bestellt und werden Mitte des Jahres eingerichtet.

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