Eschweiler - St.-Antonius-Hospital hat zu wenig Geld für zu viele Ausgaben

St.-Antonius-Hospital hat zu wenig Geld für zu viele Ausgaben

Von: Andreas Gabbert
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Die Redner des Neujahrsempfang
Die Redner des Neujahrsempfang im St.-Antonius-Hospital: Dr. Alexander Bach, Professor Dr. Fritz Beske, Elmar Wagenbach und Pfarrer Dr. Andreas Frick (von Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Die Personalkosten im St.-Antonius-Hospital sind auch im Jahr 2011 wieder erheblich gestiegen. Das erklärte der Geschäftsführende Vorstand Elmar Wagenbach am Mittwoch beim Neujahrsempfang des Krankenhauses. Als Gründe dafür nannte er Tarifsteigerungen und Stellenplanerhöhungen.

Die Mitarbeiter hätten diese Gehaltssteigerungen aber verdient, sagte der Krankenhauschef. „Es darf nicht sein, dass die Kostenauswirkungen des demografischen Wandels, der Fortschritte in der Medizin und die damit verbundenen Streitigkeiten um deren Finanzierung, auf dem Rücken unserer Mitarbeiter ausgetragen werden.”

Außerdem betonte er, dass die Krankenkasse nicht Schuld an dieser Misere seien. „Von Seiten der Politik werden immer neue Forderungen an uns gestellt, ohne die Frage der Finanzierung zu klären.” Es sei nur der enormen Leistungssteigerung der vergangenen Jahre zu verdanken, dass diese Kostenexplosion das Hospital nicht in eine wirtschaftliche Schieflage gebracht habe.

Nachdem im Jahr 2010 die erbrachten Leistungen erst- und letztmals voll finanziert wurden, seien neu vereinbarte Leistungen wieder mit einem Mehrleistungsabschlag versehen und damit nur noch zu 70 Prozent vergütet worden. Habe man die Zahl der Patienten zu niedrig eingeschätzt, erhalte man aber lediglich 20 Prozent der normalen Vergütung. „Leider können wir ein solches Vergütungsmodell mit unseren Zulieferern nicht vereinbaren. Die wollen die gelieferte Ware immer voll bezahlt haben”, sagte Wagenbach.

Nichtsdestotrotz sei im Hospital weiter investiert worden. Dazu gehört unter anderem der Neubau der Dialysestation und der Austausch aller Matratzen. Die Intensivkapazität wurde durch den Neubau einer Intermediate-Care-Station (IMC) im 5. Stock des Hauses erweitert. Sie wird am 1. März in Betrieb gehen. Auch die internistische Notaufnahmestation (INA) wurde umstrukturiert und komplett modernisiert.

Ein Großteil der Bauarbeiten des vergangenen Jahres sei für Patienten und Besucher aber nicht sichtbar gewesen, sagte Wagenbach. So mussten zur Sanierung der Brandschutzdecken immer wieder komplette Stationen geschlossen werden. Das am besten sichtbare Ergebnis der Baumaßnahmen ist die neue West-Fassade des Behandlungstraktes 1. Dort wurde mit Mitteln des Konjunkturpaktes eine wartungsfreie Natursteinfassade errichtet. Dies sei ein erster Schritt zur energetischen Sanierung des Hospitals, dem in Zukunft noch einige folgen müssten, sagte Wagenbach.

Aber auch für das begonnene Jahr haben sich die Verantwortlichen im St.-Antonius-Hospital viel vorgenommen. Kurzfristig soll nun mit dem Umbau der Rettungswageneinfahrt begonnen werden. Aufgrund der hohen Zahl an Patienten, die mit dem Rettungswagen zum Krankenhaus gebracht werden, komme es immer wieder vor, dass mehrere Rettungswagen gleichzeitig vor Ort seien. Damit die Patienten dann nicht, wie in der Vergangenheit zum Teil geschehen, im Freien aus dem Wagen herausgeholt werden müssen, soll die Kapazität der Rettungswagenhalle deutlich erhöht werden.

Neuer Kreißsaal

Nachdem der Kirchenvorstand den Neubau der onkologischen Ambulanz mit einem direkt angeschlossen Zytostatillabor und einem TPE-Labor zur Herstellung von künstlicher Nahrung beschlossen habe, sei diese Maßnahme umgehend vom Bistum Aachen genehmigt worden.

„Wir haben im Dezember die Bauanträge bei der Stadt abgegeben und werden mit den Arbeiten beginnen, sobald die Baugenehmigung vorliegt”, sagte Wagenbach. Dann soll das achte Obergeschoss des Bettenhauses abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Um die Flächen zu räumen, haben bereits einige Umzüge stattgefunden.

Auf dem Dach des Hospitals soll außerdem ein neuer Hubschrauberlandeplatz entstehen. Durch diese Maßnahme werde das Landen und der Start des Hubschraubers erheblich erleichtert und die Lärmemission deutlich verringert, erklärte der Geschäftsführende Vorstand.

Des Weiteren wird im vierten Obergeschoss ein neuer Kreißsaal eingerichtet. Nach dem Umzug des Kreißsaales in die neuen Räume soll im frei werdenden Bereich die gynäkologische Ambulanz errichtet werden.

Im Bereich des erweiterten Verkehrszentrums im vierten Geschoss, der heutigen Sterilgutversorgung, soll das neue Kontinenzzentrum seinen Platz finden. Dort werden Patienten mit Inkontinenzproblemen von Gynäkologen, Urologen und Chirurgen interdisziplinär betreut und versorgt. „Das Kontinenzzentrum stellt eine erhebliche qualitative Verbesserung der Patientenversorgung dar und ist ein logischer Schritt in der multiprofessionellen Zusammenarbeit unserer Abteilungen”, so Wagenbach.

Die Zukunft der Krankenhäuser werde aber nicht allein durch bauliche Maßnahmen entscheiden, sondern überwiegend durch die Fähigkeit qualifiziertes Personal ans Haus zu holen und zu binden sowie Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten und anderen Krankenhäusern einzugehen, sagte Wagenbach. Deshalb habe man mit einem anderen innovativen Personalkonzept begonnen.

„Wir sind zurzeit in der glücklichen Lage, mehr Personal einzustellen als es unser Stellenplan hergibt. Unser Ziel ist es, einen Personalpool zu schaffen, der es uns in der Zukunft ermöglicht, auf die verschiedenen Aufgaben flexibel zu reagieren.” Dadurch könne zum Beispiel gewährleistet werden, dass bei Personalfluktuation durch Rente, Schwangerschaft oder Kündigung sofort Ersatz zur Verfügung stehe.

Ausbildungskonzepte könnten noch verlässlicher umgesetzt werden, und wenn mal kein hausinterner Bedarf bestehe, könnten Mitarbeiter in anderen Krankenhäusern oder in niedergelassenen Praxen eingesetzt werden. So werde den Honorarärzten bzw. -pflegekräften, „die ihre Arbeitskraft für überhöhte Honorare und ohne jede Identifikation mit dem Arbeitgeber anbieten”, ein neues Konzept entgegengesetzt.

Pfarrer Dr. Andreas Frick nutzte als Kuratoriumsvorsitzender die Gelegenheit für einige Dankesworte und erinnerte an den in dieser Woche verstorbenen HNO-Belegarzt und jahrzehntelangen Konsilarzt Dr. Mathias Mevissen.

Für musikalische Einlagen sorgte die Zauberflötengruppe der Musik-Salon-Schule unter der Leitung von Violetta Palatinus-Acs. Die Schlussworte sprach Dr. Alexander Bach, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirugie.
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