St.-Antonius-Hospital: Das letzte Baby ist da!

Von: Patrick Nowicki
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Dies sind sie, die stolzen Eltern mit dem letzten Kind, das im Kreißsaal der Geburtsklinik am St.-Antonius-Hospital zur Welt kam: Anke und Jan Boymanns präsentieren stolz ihren Stammhalter Noah, der den Rummel um seine Person entspannt verschläft. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Noah lässt seine besondere Stellung locker. Entspannt ruht er in den Armen seines Papas Jan Boymanns und lässt sich auch von Baustellenlärm nicht aus dem Schlaf bringen. Mit seinem Geburtsgewicht von 2990 Gramm und seiner Größe von 53 Zentimetern zählt er nicht zu den bulligsten seiner Art.

Seine Mama Anke spricht davon, dass er lang und schmal sei. Aber in gewisser Weise ist Noah nicht nur für seine Familie etwas ganz Besonderes: Sein Begrüßungsschrei auf dieser Welt am Dienstag um 18.45 Uhr beendete die letzte Geburt im Eschweiler St.-Antonius-Hospital.

Es ist eine interessante Randnotiz, dass Mutter Anke Boymanns als Gynäkologin im Hospital arbeitet. Als sich die Geburt früher ankündigte, als ursprünglich errechnet, stand für sie außer Frage, dass Noah in Eschweiler geboren wird. „Irgendwie ist das schon super“, gesteht sie. Verbunden mit der Entbindung ist noch eine andere Zahl: Noah ist nicht nur das letzte, sondern auch das 400. Kind, das in diesem Jahr im Hospital zu Welt kam.

Als im Juni die Kooperation der Krankenhäuser in Eschweiler und Stolberg bekannt wurden, rauschte ein Sturm der Entrüstung durch Eschweiler. Die geplante Schließung der Geburtsklinik im St.-Antonius-Hospital führte zu Diskussionen und auch zu einer Demonstration vor dem Eschweiler Rathaus.

Der Geschäftsführende Vorstand des Krankenhauses, Elmar Wagenbach, machte jedoch von Anfang an keine Hoffnung: „Es gibt kein Szenario, die Entscheidung zu überdenken, weil ich von ihr überzeugt bin und auch die Verantwortung dafür trage“, sagte er.

Die ersten Gespräche zwischen Stolberg und Eschweiler haben im September 2015 stattgefunden, am 26. April dieses Jahres folgte der Antrag für die Strukturveränderungen bei der Bezirksregierung. Im Vorfeld stimmten die Träger der Kooperation zu – im Fall des Eschweiler Krankenhauses die Pfarre St. Peter und Paul.

Dass die Verhandlungen zunächst hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben, war für Wagenbach nicht ungewöhnlich: „Das Ziel war, die betroffenen Mitarbeiter rechtzeitig zu informieren – und drei Monate vorher ist in meinen Augen rechtzeitig.“ Gleichwohl räumte er ein, dass der Versuch, die Belegschaft zeitgleich mit der Öffentlichkeit zu unterrichten, nicht funktioniert habe.

Der emotionalen Debatte setzte er Zahlen gegenüber: Im vergangenen Jahr wurden 580 Kinder im Eschweiler Krankenhaus geboren, allerdings kamen nur 400 Kinder aus Eschweiler. „50 Prozent der Eschweiler Frauen bringen ihre Kinder schon jetzt in einem anderen Krankenhaus zur Welt“, sagte Wagenbach.

200 Frauen aus der Indestadt entbanden im Stolberger Krankenhaus. Die grundsätzliche Problematik keimte in den Augen des Geschäftsführenden Vorstands schon vor längerer Zeit auf: „Als vor acht Jahren beschlossen wurde, dass in Krankenhäusern ohne Kinderklinik nur gesunde Mütter mit gesunden Kindern aufgenommen werden dürfen, sank bei uns die Zahl der Geburten von 800 auf 600.“

Statistisch betrachtet, enden zwei von 10.000 Geburten mit einem bleibenden Schaden für das Baby. Laut Wagenbach könne man die Gefahr mit einer angeschlossenen Kinderklinik weiter minimieren. „Es gibt also gute medizinische Gründe, die Geburtsklinik an eine Kinderklinik anzubinden“, sagte er.

Dass im Gegenzug die gynäkologische Abteilung in Stolberg aufgegeben wird, habe für die gebärenden Frauen hingegen in den Augen Wagenbachs keine Nachteile. Auch die längere Strecke zum nächsten Kreißsaal sah er nicht als problematisch, schließlich würden sich ja 50 Prozent der Eschweiler Frauen ohnehin dafür entscheiden.

Das Aus der Geburtsklinik im St.-Antonius-Hospital und das Ende von gynäkologischen Eingriffen am Stolberger Bethlehem Gesundheitszentrum hat auch Konsequenzen für die Mitarbeiter: Drei Hebammen aus Eschweiler werden künftig in Stolberg arbeiten.

Stolberger Ärzte werden im Eschweiler Krankenhaus operieren, im Gegenzug gehen Eschweiler Assistenzärzte im Rahmen ihrer Ausbildung auch nach Stolberg. Schon in der Nacht zum Freitag wurden im Eschweiler Krankenhaus werdende Mütter ans Stolberger Krankenhaus verwiesen.

Dieser ganze Rummel interessiert Noah herzlich wenig. Irgendwann einmal, wenn er erwachsen ist, wird er seinen Kindern und seinen Enkeln aber einmal erzählen können, dass er das letzte Baby war, das im Eschweiler Kreißsaal zur Welt gekommen ist. Wer kann schon sowas von sich behaupten?

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