Spritzen auf dem Grundschulhof: Eltern sind außer sich

Von: Rudolf Müller
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Gefahr auf dem Schulhof: Nicht zum ersten Mal hat ein Kind jetzt auf dem Spielgelände der Don-Bosco-Schule eine gebrauchte Spritze gefunden. Foto: Stock/Arco

Eschweiler. Das hätte böse enden können. Und noch ist überhaupt nicht klar, ob es das nicht auch noch tun wird: Am Montagmorgen stach der siebenjährige Tim (alle Namen geändert) seiner gleichaltrigen Mitschülerin Anna mit einer Nadel in den Kopf.

 Nicht mit einer beliebigen Nadel. Sondern mit der Kanüle einer gebrauchten Spritze, die er kurz zuvor unterm Rindenmulch auf dem Spielgelände der Don-Bosco-Grundschule gefunden hatte.

Die Schulleitung rief umgehend Annas Mutter an, die ihre Tochter sogleich zum Arzt brachte. Der konnte zwar äußerlich unter dem Haarschopf der Zweitklässlerin keine Verletzung feststellen, riet aber dennoch zu einem sofortigen Aids-Test. Impfungen gegen Tetanus und Hepatitis blieben dem Kind erspart: Es war bereits geimpft.

Das Ergebnis des Aids-Tests ist noch offen. Wann es kommt, wissen die völlig verstörte Anna und ihre Mutter nicht. Für sie hat eine Zeit bangen Wartens begonnen. In sechs Wochen ist eine Nachuntersuchung angesetzt.

Dem siebenjährigen „Täter“ oder seinen Eltern hat in der Schule niemand nahegelegt, einen Arzt aufzusuchen. Dabei kann niemand ausschließen, dass auch er sich – möglicherweise sogar unbemerkt – an der Spitze der Nadel verletzt hat. Was dem Jungen seitens der Schulleitung gesagt wurde, war lediglich, dass er sich die Hände waschen solle und zur Strafe einmal den Schulhof aufräumen müsse.

Partys mit Folgen

Seine Mutter ist ebenso entsetzt wie die Mutter der kleinen Anna: „Als mein Junge vor ein paar Wochen einmal mit einem Tannenzapfen geworfen hat, hat sofort die Schulleitung bei mir angerufen, als ob es nicht Schlimmeres gäbe. Damals habe ich mich noch gefragt: Was tun die, wenn einmal wirklich etwas passiert?!“ Die Antwort liegt für sie nun auf der Hand: so gut wie nichts.

Allerdings: Die Schulleiterin habe nach dem Vorfall am Montag über die hausinterne Lautsprecheranlage alle Schüler aufgefordert, von derartigen „Fundsachen“ die Finger zu lassen. Etwas wenig, finden die Mütter der beiden Siebenjährigen: „Die Gefährlichkeit solcher Dinge muss im Unterricht zum Thema gemacht und in allen Klassen besprochen werden!“

Nicht zuletzt, weil der Vorfall offenbar nicht der erste seiner Art war, wie Annas Mutter berichtet. Ihr gegenüber habe die Schulleiterin geäußert, dass dies nun schon das vierte Mal sei, dass dort Spritzen gefunden wurden. Zwei davon in Abwesenheit der Schulleiterin, während der Betreuungszeit am Nachmittag. Meldungen an die Stadt oder die Polizei hat es allerdings bislang nicht gegeben. „Dabei weiß jeder, in welchem Umfeld die Don-Bosco-Schule, die sich selbst gern mit dem Beinamen ,Brennpunktschule‘ schmückt, liegt“, sagt die Mutter des Siebenjährigen. Hier gibt es abends kaum Passanten, hier schützen Mauern und Hecken vor Blicken und ein Vordach vor Regen, hier werden immer wieder Partys gefeiert von Leuten, die hier nichts zu suchen haben.

Klar, dass der Hausmeister außer Stande ist, morgens um sechs die gesamte Anlage nach unerwünschten Hinterlassenschaften abzusuchen. Zumal die unter dem Rindenmulch kaum auszumachen, aber für dort spielende Kinder brandgefährlich sind. Der Rindenmulch ersetzte übrigens vor Monaten die schlüpfrigen Kieselsteine unter den Spielgeräten: „Mein Sohn ist darauf ausgerutscht und hat sich die Scherben einer Bierflasche in die Hand gerammt“, berichtet eine Mutter. „Es geht doch nicht an, dass ich meine Kinder morgens zur Schule schicke und nicht weiß, ob ich sie nachmittags gesund zurückbekomme.“

Den Vorschlag der Eltern, die Schulhoftore nach Schulschluss zu versperren, habe die Schulleitung zurückgewiesen: Das sei unmöglich, da die Feuerwehr ständig freie Zufahrt haben müsse. Viel bringen würde es ohnehin nicht: Die Tore sind niedrig und können ohne Weiteres überklettert werden.

Während die Schulleiterin am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, erklärte Stadtsprecher Stefan Kaever, nach Wissen der Stadt habe es an der Don-Bosco-Schule zwar solche Vorfälle gegeben, „aber die liegen Jahre auseinander“. Von einer plötzlichen Häufung könne keine Rede sein.

Dennoch habe man jetzt das Ordnungsamt informiert, damit der Kommunale Ordnungsdienst dort verstärkt Streife gehe, und auch die Streetworker des Jugendamtes (gleich nebenan liegt der städtische Jugendtreff „Check In“) seien in Kenntnis gesetzt. Ebenso wie die Polizei. Und über eine Schließung aller städtischen Schulhöfe nach Feierabend werde im Rathaus ohnehin bereits nachgedacht. Auch wenn klar sei, dass solche Maßnahmen die Szene-Treffpunkte lediglich verlagern, müsse dort, wo Kinder sich aufhalten, besondere Obacht gegeben werden.

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