Springmaus-Theater: Ein besonders wandelbares Quartett

Von: Dirk Müller
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Sandra Sprünken, Marvin Meinold, Gilly Alfeo und Benjamin Hartwig (v.l.) unterhielten das Publikum glänzend. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Es ist eine vorgezogene Bescherung gewesen: Mit einer Vorpremiere des Programms „Merry Springmaus“ beglückte das Improvisationstheater das dicht gedrängt in Stuhlreihen sitzende Publikum im Talbahnhof. Nachdem die letzten Klänge von Cab Calloways „Minnie the Moocher“ verklungen waren, betrat das vierköpfige Tour-Ensemble des Springmaus-Theaters die Bühne.

Sandra Sprünken stellte gleich klar: „Wir brauchen Euch heute Abend, wir brauchen Eure Ideen.“ In der Folge spielte sie mit Gilly Alfeo, Benjamin Hartwig und Marvin Meinold Szenen aus dem Stegreif, die das Publikum begeisterten.

Fragten die Darsteller etwa nach dem schlimmsten Besuch zu Weihnachten, war aus den Reihen der Gäste einhellig der Ruf „Schwiegermutter“ zu vernehmen, und prompt war diese Bestandteil eines Sketches. Wechselweise hielt eine der Springmäuse die Szenen an, ließ die Darsteller in Standbildern „einfrieren“ und suchte beim Publikum Inspirationen für weitere Improvisationen. Auf „ich hätte gerne eine Beziehung zwischen zwei Menschen“ zum Beispiel schlugen die Besucher im Talbahnhof „schwul“ vor.

Schlagfertig antwortete Sandra Sprünken: „Hallo Köln!“ Der spontane Humor und die schauspielerische Wandlungsfähigkeit der Darsteller wurden immer wieder mit vielen Lachern und lautstarkem Applaus bedacht, wobei auch das Publikum selbst für Heiterkeit sorgte.

So schlugen Besucher des Abends die Kirche als einen Spielort für eine Episode vor – andere favorisierten die Hölle. Die Springmäuse entschieden sich für die Kirche und setzten hoch amüsant einen Priester in Szene, der offensichtlich seine Liebe zum Messwein in vollen Zügen gelebt hatte. Doch die Zuschauer steuerten nicht nur Ideen zu der rasant-komischen Show bei: Aus den hinteren Reihen stellte Dagmar (Name nicht von der Redaktion geändert) den äußerst kurzen Rock, den sie von ihrem Bernd geschenkt bekommen hatte, zur Verfügung. Es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass Dagmar die unter dem Rock befindliche lange Hose anbehielt.

Nun bewiesen Alfeo, Meinold, Hartwig und Sprünken, welch bewegte Geschichte mit besagtem Rock einhergegangen war, bevor sich das modische Textil um Dagmars Hüften schmiegen konnte. Beginnend in einem spanischen Club, folgte eine romantische Sequenz, in der Sprünken verliebt säuselte: „Hast Du noch ein Gläschen?“ Hartwig antwortete galant: „Ich hab‘ immer eins in der Hosentasche.“

Bald fand der Rock sich auf einem Polizeirevier wieder, von wo aus ein Prostitutionsring in Eschweiler gesprengt werden sollte, obwohl „Inspektor Müller“ vom Weihnachtsmann angeschossen wurde, und ein anderer Polizist ständig mit seiner Yucca-Palme sprach. Über ein Rendezvous gelangte der Rock in eine Männer-WG, war Zeuge einer Zeitlupen-Schlägerei im Waschsalon und befand sich plötzlich überraschend in den Fängen der Russen-Mafia.

Am Ende der bewegten Geschichte wurde das knappe Kleidungsstück natürlich von Bernd an Dagmar, beide von Springmäusen gespielt, übergeben, und das Ensemble stimmte zur Piano-Begleitung von Alfeo eine leidenschaftliche Ode an den Rock an. Das Tour-Ensemble des Springmaus-Theaters glänzte durchweg mit komischer Spontanität, facettenreichem Humor, musikalischen Einlagen und großem schauspielerischen Können.

Zuvor vom Publikum gelieferte Improvisationsideen wurden laufend wieder aufgegriffen, zahlreiche imaginäre Requisiten gekonnt genutzt. Die Darsteller brillierten in Dutzenden von Rollen, in noch mehr Scherzen und unterhielten die Gäste kurzweilig auf höchstem Stegreif-Niveau.

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