Eschweiler - Sprechstunde: Wofür ist eigentlich der Bürgermeister da?

Sprechstunde: Wofür ist eigentlich der Bürgermeister da?

Von: Michael Cremer
Letzte Aktualisierung:
Bürgertelefon informiert über Vorsorgevollmachten
Am Donnerstag hat jeder die Chance, am Bürgertelefon der Landesregierung, rechtliche Tipps zum Themenkomplex Unfall, Krankheit und Vorsorgevollmachten von Justiz-Experten zu erhalten. Erläutert werde unter anderem, warum Vorsorgevollmachten so wichtig sind und wie sie erstellt werden, teilte das Justizministerium in Düsseldorf mit.

Eschweiler. Den einen macht das Herbstlaub zu schaffen, die anderen beschweren sich über Raser, und so mancher ruft verzweifelt an, weil er seine Arbeitsstelle verloren oder familiäre Probleme hat und einfach nicht mehr weiter weiß. Rudi Bertram nimmt sie alle ernst, versucht zu helfen, zu vermitteln, wo es eben geht. Dass ihm dies nicht immer gelingt, ja gelingen kann, stimmt ihn nachdenklich.

Der Bürgermeister sucht bei vielen Gelegenheiten das Gespräch mit „seinen” Eschweilern, will nah „dran” sein. Die Bürgersprechstunde, die das vertrauensvolle Gespräch vis-à-vis ermöglicht, und das Bürgertelefon sind über die Jahre zu Einrichtungen geworden, die Bertram nicht mehr missen mag.

„Man kann nicht überall sein”, sagt Bertram und meint damit, dass er dankbar ist, wenn er - wie am Montag beim Bürgertelefon - darauf aufmerksam gemacht wird, wo etwas im Argen liegt. Etwa von jener Anwohnerin der Wilhelmstraße, die sich um die Verkehrssicherheit an der Kreuzung Grachtstraße sorgt. Hier habe es in letzter Zeit schon wieder zweimal „gescheppert”, weil die Kreuzung schlecht einzusehen sei, wenn man von der Grachtstraße kommt.

Der Bürgermeister kennt sich aus, weiß, dass hier immer wieder parkende Autos im Kreuzungsbereich die Sicht versperren. „Morgen früh kümmere ich mich persönlich darum, Sie bekommen eine Rückmeldung”, verspricht er. „Beton-Igel”, die das Parken verhindern, könnten hier Abhilfe schaffen, schlägt er vor.

Riesenthema: Verkehr

Der zweite Wunsch der Bergratherin dürfte schon schwerer zu erfüllen sein: Geschwindigkeitskontrollen auf der Wilhelmstraße. Da müssen Gespräche mit der Polizei beziehungsweise mit der Städteregion her. „Verkehr ist ein Riesenthema beim Bürgertelefon”, weiß Bertram aus Erfahrung, „vor allem das Rasen im Bereich von Schulen und Kindergärten.”

Thema, zumal im Herbst, ist auch das Laub. Ganze Blätterhaufen vor dem Hauseingang und Laub, das die Rinne der Garage verstopft, so dass es hineintropft, moniert ein Anrufer aus Bergrath. „Ich mache das zwar immer sauber, aber demnächst schaffe ich das körperlich nicht mehr.” Bertram verspricht einen Rückruf des zuständigen Amtes und stellt einen Rückschnitt des Baumes im Frühjahr in Aussicht.

Auch die ältere Dame aus Dürwiß hat ihre liebe Not mit dem Herbstlaub. „Sie können ja kleinere Bäume pflanzen, aber die hier müssten bald mal gefällt werden, oder zumindest mal die Kronen schneiden.”

„Das wollte ich gerade sagen, so einfach die Pappeln fällen, das werden wir nicht können, aber zurückschneiden wäre eine Möglichkeit. Da muss ich mich erst einmal erkundigen. Anfang nächster Woche bekommen Sie von uns einen Rückruf, wie wir da im nächsten Jahr vorgehen.” „Ich bedanke mich ganz herzlich, Herr Bürgermeister”, verabschiedet sich die Anruferin.

Überhaupt sind die Gesprächspartner am Montag sehr freundlich, keiner nörgelt oder wird patzig. Sei es die Dame, die im Rathaus eine Massagepraxis für die städtischen Mitarbeiter eröffnen möchte, oder jene, die einen Rat sucht, weil ihre Mieter den Müll nicht ordentlich trennen.

Auch Vorschläge kommen: Eine Nothbergerin freut sich, dass die beiden Spielplätze dort „sehr gepflegt” sind und regt an, so wie am Udelinberg auch jenen Spielplatz in der „Schlee” mit neuen Bänken auszustatten, weil die alten arg ramponiert seien. Da könnte man ja vielleicht selbstgezimmerte Holzbänke wie jene im Wald nehmen, schlägt Rudi Bertram vor. Eine gute Idee, findet die Dame aus Nothberg.

Kein Anruf bleibt unbeantwortet, keine Bitte ungehört. Denn auch kleine Sorgen sind eben Sorgen, weiß Bertram. Manchmal, wie am Montag auch, kommt es vor, dass jemand einfach nur kurz anruft, um sich zu bedanken - beim Bürgermeister und seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Rathaus.

Sündenbock gefunden

Und mit den Jahren gewinnt man auch einen gewissen Abstand zu einigen Telefonaten, die nicht unbedingt in die Kategorie „Erfreulich” fallen. Mit einem Schmunzeln erinnert sich Rudi Bertram „an eine Oma, die ihr Herz in die Hand genommen hat und mich zur Schnecke machte, weil der Schulranzen ihres Enkelkinds so schwer war”.

Keine Chance, sie ließ sich einfach nicht beruhigen. Weder der Einwand, dass er, Bertram, darauf keinen Einfluss habe, noch der Vorschlag, mit der Lehrerin zu reden, halfen. Die Oma hatte ihren Sündenbock gefunden: „Dann möt ihr mir ens sare, wovür ihr do sed!”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert