Sportvereinen fehlt’s an Marketing-Ideen

Von: Rudolf Müller
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Dienstleister für gut 630 Sportvereine in der Städteregion: Klaus Offergeld, Ingrid Schäfer und Judith Blau (von links). Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Sport ist sein Leben. Gut 630 Langstreckenwettbewerbe hat Klaus Offergeld absolviert, davon 148 Marathonläufe – „der Rest war etwas länger“. Zum Beispiel 1000 Kilometer. Für einen guten Zweck.

Ebenso wie seine Radtour durch zehn Länder Europas. Zweimal wurde der heute 65-Jährige in Eschweiler Sportler des Jahres, war Mitglied bei Germania Dürwiß und dem SC Delphin, ist es noch bei Alemannia Aachen und der (für jedermann offenen) Sportgemeinschaft der Sparkasse. Und wenn heute auch ein renitentes Knie ihm das laufen verleidet – dem Radfahren ist er treu geblieben. 12.000 bis 15.000 Kilometer jährlich legt der in Aachen geborene Wahl-Dürwisser auf dem Drahtesel zurück. Sein Auto hat er kürzlich abgeschafft. „Mein Dienstwagen ist die Euregiobahn“, sagt der Mann, der seit wenigen Wochen einstimmig gewählter, ehrenamtlicher Präsident des Regiosportbundes Aachen ist.

Damit steht er an der Spitze des Dachverbandes der Stadtsportverbände aller zehn Kommunen in der Städteregion, der rund 630 Sportvereine mit 135.000 Mitgliedern vertritt. Die ersten Wochen seiner Präsidentschaft verbrachte er Wand an Wand mit dem Vorstand des Stadtsportbundes Aachen, ebenfalls Mitglied im Regiosportbund, in der Kaiserstadt.

Weil aber die Aufgaben in der Stadt Aachen gänzlich andere sind als im eher kleinteilig strukturierten Rest der Städteregion, zog er mit seinem Team nach Eschweiler ins Städteregionshaus an der Steinstraße. Im Souterrain hat der Regiosportbund hier drei Büros zur Verfügung. Möglicherweise ein Provisorium: Wenn das Jobcenter in absehbarer Zeit von hier an die Kaiserstraße zieht, werden in den Obergeschossen sicher repräsentativere Räume frei.

Dennoch ist Klaus Offergeld zufrieden: „Das Telefon funktioniert, das Internet läuft, Briefbögen sind im Druck – wir können loslegen!“

Wir – das sind neben Offergeld Geschäftsführerin Judith Blau und Bildungsreferentin Ingrid Schäfer. Vizepräsident ist Günter Kuckelkorn, um die Finanzen kümmert sich Rebekka Braun. Von der Steinstraße aus betreiben die drei Erstgenannten ihre Netzwerkarbeit, haben in den zurückliegenden Wochen jede Menge Verbände und Vereine und noch mehr Kindertagesstätten und Schulen kontaktiert. „Wir kümmern uns nicht nur darum, die Programme des Landessportbundes NRW – zur Zeit ist dies ,NRW bewegt seine Kinder’, jetzt kommen ,Gesund bleiben in NRW‘ und ,NRW bewegt seine Älteren‘ hinzu – bekannt zu machen und umzusetzen oder Vereine über Fördermöglichkeiten zu beraten. Wir bemühen uns auch um Kooperationen zwischen Kindertagesstätten, Schulen und Vereinen“, sagt Judith Blau.

Kooperationen initiieren

„Nach 4 oder 5 Uhr nachmittags haben Kinder keinen Bock mehr, zum Sportverein zu gehen. Da muss man den Sportverein eben zu den Kindern bringen“, sagt Klaus Offergeld. „Viele Vereine haben Probleme, weil Kinder, die ganztags in der Schule sind, nicht mehr am Vereinsleben teilnehmen“, ergänzt Ingrid Schäfer. „Deshalb versuchen wir, Schulen und Vereine zusammenzubringen und die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Das klappt zum Beispiel bei der Eduard-Mörike-Schule und dem Eschweiler FV hervorragend.“

Hervorragend, so Klaus Offergeld, sei auch die Arbeit des Stadtsportbundes Eschweiler. „Mit Christoph Herzog, Helmut Brief und Co. unterhalten wir beste Kontakte, treffen uns regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. Der Stadtsportbund hat auch einen sehr guten Draht zu den einzelnen Vereinen. Das ist nicht überall so.“

Weil die Zusammenarbeit in Eschweiler so gut funktioniert, will der Regiosportbund beispielhaft auch hier neue Wege gehen, seiner Stimme im politischen Raum Gehör zu verschaffen: „Wir möchten einen Sitz als Sachkundiger Bürger mit beratender Stimme im Sportausschuss bekommen“, sagt Offergeld. Die entsprechenden Anträge an den neuen Stadtrat sind bereits gestellt.

Der Regiosportbund existiert nicht als Selbstzweck. „Aus unserer Arbeit soll stets ein Mehrwert für die Vereine entstehen“, betont Offergeld. Dazu gehören Schulungen in Sachen Marketing, Steuern, Versicherungen, die sich vor allem an Neu-Vorständler richten, ebenso wie die Ausbildung von Übungsleitern.

Gesucht: Ehrenamtler

„Quer durch alle Vereine gibt es Schulungsbedarf in Sachen Management und Marketing“, sagt Offergeld. „Dabei leiden fast alle Vereine unter Geldmangel. Management und Marketing können da gegensteuern: Gutes Marketing bedeutet auch höhere Einnahmen. Und auch gut ausgebildete Übungsleiter sind ein Pfund, mit dem man wuchern kann.“ Denn langfristig trägt eine gute Jugendarbeit auch im Seniorenbereich Früchte. „Immer nur Spieler einkaufen – das funktioniert nicht. Die Vereine müssen auf den eigenen Nachwuchs setzen können“, unterstreicht Judith Blau.

Natürlich weiß auch sie, dass es gar nicht so einfach ist, engagierte Ehrenamtler zu finden. „Die Arbeit ist oft sehr zeitintensiv. Da wird‘s für Berufstätige schwierig. Zudem muss sie sich auch mit der Familie vereinbaren lassen.“ Ein Grund mehr, so Offergeld, eine „Sportjugend“ aufzubauen, in der junge Leute erfahren können, dass auch ein Funktionärsleben Spaß machen kann.

Hat jemand, der fast rund um die Uhr anderen hilft, ihre sportlichen Ambitionen zu verwirklichen, auch selbst noch sportliche Traumziele? Klar, sagt Klaus Offergeld: Irgendwann möchte er mit dem Fahrrad durch Kanada fahren, von Vancouver ganz im Westen nach Montreal im Osten. Gut 4600 Kilometer.

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